Wowereit geht, Platzeck kommt

„Ich bin schwul– und das ist auch gut so!“ so Klaus Wowereit. Warum tönt der Mann mit seiner Neigung so laut, dass die ganze Welt es hören musste. Ob er meint, solch Outing reicht um die Position eines Oberbürgermeisters von Ganz-Berlin zu besetzen, dachte ich damals, im Juni 2001. Später hörte ich den Namen Wowereit meist im Zusammenhang mit Feiern, da drängte sich mir die Frage auf, ist ein guter Feiermeister auch ein guter Oberbürgermeister? Von größeren Erfolgen oder Rückschlägen in seinem Politberuf drang nichts zu mir durch.

Bis er dem Irrglauben vieler Manager und Politiker verfiel, in jedem Konzert die erste Geige spielen zu können. Wowereit machte sich zum Aufsichtsratsvorsitzenden, nicht von irgend einem städtischen Betrieb, der von alleine lief. Nein, für Wowereit durfte, musste etwas Außergewöhnliches, Gewaltiges, nie da Gewesenes gefunden werden und sie, die Berliner fanden es 2006. Klaus Wowereit wurde Aufsichtsratsvorsitzender vom Willy-Brandt-Flughafen. Bis gestern, dem 7. Januar 2013 blieb er es, dann machte er sich davon, ließ andere mit der außergewöhnlichen, gewaltigen Misere zurück, die er in einem ganz außergewöhnlichen Umfang als Aufsichtsratsvorsitzender mitgestaltete.

Knappe 2 Milliarden sollte er 2006 kosten, der neue Flughafen, ein Spottpreis gegen die 4.3 Milliarden, die er bis heute kostet. Besser gesagt gekostet hätte, wenn er denn als Flughafen nutzbar wäre. Ist er aber nicht, wird er auch über kurz oder lang nicht werden. Vorsichtig peilt die Flughafengesellschaft das Finale irgendwo in 2015 an. Es werden zu den Milliarden noch weitere Milliarden zugebuttert werden müssen. Viele Zentner 1000 Euroscheine werden die Macher noch in den Willy-Brandt-Flughafen versenken müssen, soll das Werk gelingen.

Gelingen hängt traurigerweise nicht mehr allein vom Geld ab. Das würde problemlos beschafft werden können, in großen Steuerpressen, wie in einer Weinpresse, würden die Bürger Euros sprudeln.

Die außergewöhnlichen, gewaltigen Mengen verbratenes Geld, werden sie sich jemals amortisieren? Ich meine nein, niemals, der Flughafen wird Zeit seines Daseins ein Zuschussbetrieb bleiben. Ein weiteres, neues Elend ist schon in Sicht, es ist elendig eng auf dem neuen Flughafen. Im letzten Jahr drängten sich 25 Millionen Fluggäste durch die Hallen, bei 27 Millionen ist die Kapazitätsgrenze erreicht. Die Berliner können nur hoffen, dass es zum Irgendwann – Eröffnungstermin nicht mehr Reisende werden. Dann heißt es nur noch – plus rien du tout – No more bets – Nichts geht mehr.

Irgendwie haben die Berliner die Blamage verdient, mochten sie sich doch nie von ihrem Oberbürgermeister trennen und so kostet er ihnen halt ein paar Märker. Ganz so laut sollte ich nicht krähen, da gibt’s einen Märker, der jetzt alles richten soll. Der aus der Mark, Matthias Platzeck, seines Zeichens Ministerpräsident von Brandenburg, soll es jetzt als neuer Aufsichtsratsvorsitzender richten. Ob er’s besser kann? Ebenfalls seit 2006 wie Klaus Wowereit zieht Matthias Platzeck den gleichen Karren. Ich glaube, er sollte die Finger von etwas lassen, das er bisher nicht besser machte als sein gescheiterter Kompagnon