Woltersdorf und Finanzakrobatik

Mir geht es gut, ich hab‘ alles was sich der Mensch so wünscht, krieg‘ ich doch am Monatsende 1200 Euro auf die Bank. Ab gehen die Abzahlungen für Fernseher, Auto, Dispo, Miete und, und, und, jeden Monat schlappe 1350 Euro. Nur, die paar Euros die ich Monat für Monat mehr Schulden als Einkommen habe, belasten mein Konto, seit geraumen, bis zum Bersten. Manchmal frage ich mich, geht’s mir wirklich gut, oder red‘ ich mir die Welt nur schön.

So, oder so ähnlich, geht es auch Herrn und Frau Woltersdorf. Weil’s drückt, setzten sich die Woltersdorfs an den großen Wohnzimmertisch und schütteten ihre Silberlinge, Kontoauszüge, Kreditverträge und Zinscoupons auf die bestickte Tischdecke. Sie zählten hoch, sie zählten runter, quälten den Taschenrechner und die Tabellenkalkulation, egal wie sie’s anstellten, das Ergebnis blieb immer gleich:

ordentliche Erträge 7.691,350 Euro
ordentliche Aufwendungen 8.335,053 Euro
Finanzhaushalt
Einzahlungen auf * 9.039,350 Euro
Auszahlungen auf * 10.972,417 Euro

Gut gewirtschaftet, das trauen sich nicht einmal die Woltersdorfs zu sagen. Dabei wollten sie sich doch so gerne noch die Mehrzweckhalle im Garten für lockere 2.5 bis realistischer 3.5 Millionen Euro leisten. Wie die Woltersdorfs das hinbekommen werden, da bin ich neugierig, vielleicht hilft mir deren Finanzakrobatik auch mein oben beschriebenes Fiasko in Ordnung zu bringen.

* mit „auf“ endet der Text im Aushang, was es bedeutet wurde nicht erklärt.