Wiedereinweihung des Denkmals für Gefallene des I. Weltkrieges



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Am 21. Oktober 2017 fand die Wiedereinweihung des Denkmals für die Gefallenen des I. Weltkrieges mit dem von „Fidus“ gestalteten Mittelrelief statt. Der Woltersdorfer Verschönerungsverein Kranichsberg e.V. hatte eingeladen und zahlreiche Ehrengäste und Woltersdorfer waren dieser Einladung gefolgt.

Gisela Schuldt, Vorsitzende, begrüßte als Gäste Martin Gorholt, Staatssekretär der Landesvertretung Brandenburg beim Bund in Berlin, Prof. Dr. Jürgen Reulecke, Uni Gießen und Schirmherr der Sanierungsmaßnahme, Sascha Gehm, Stellvertreter des Landrates LOS, Dr. Antonia Brauchle, Landesamt für Denkmalschutzbehörde LOS, Haiko Türk, Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum. Jan Böge, Direktor Sparkasse Oder-Spree – Direktion West, Marcus Lenke, Filialleiter Sparkasse Oder-Spree in Woltersdorf, Margitta Decker, Bürgermeisterin von Woltersdorf, Kerstin Marsand, Bauamtsleiterin, Michael Hauke, Kümmels Anzeiger und Dr. Brinkmann, Gemeindekirchenrat als Vertretung für Pfarrer Trodler. Sie begrüßte dann die Ausführenden der Sanierungsarbeiten, Herrn Rehm, Architekt und Statiker, Oliver Guhr, Steinrestaurator, Herrn Franz, Metallbau. Den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr dankte sie für die tatkräftige Unterstützung.
Die musikalische Umrahmung der Feier gestaltete das Bläserquintett „Holy Brass“ mit Hans-Joachim Lowin und die Woltersdorfer Chorgemeinschaft unter Leitung von Rico Harding.

Staatssekretär Martin Gorholt betonte in seiner Rede, dass in Woltersdorf, dank jahrelangem Einsatz vieler engagierter Bürger, wieder ein Stück kulturhistorisches Erbe Brandenburgs gesichert werden konnte. Woltersdorf habe sich mit diesem Denkmal wieder ein Stück seiner eigenen Geschichte zurückgegeben. Er dankte allen daran Beteiligten, besonders aber Oliver Guhr. Er erzählte dann, dass er damals, als er noch im Kultur-Ministerium tätig war, Gisela Schuldt eine Absage erteilte. Es gebe keine Fördermittel. Gisela Schuldt blieb hartnäckig, sammelte Spenden. Deshalb war man dann der Meinung, soviel Hartnäckigkeit muss doch belohnt werden. Die Ministerien Kultur, Umwelt und die Staatskanzlei bildeten ein Kollektiv, das zusammen 30.000 Euro Fördermittel für die Sanierung/Restaurierung zur Verfügung stellte. Das Fidus-Denkmal stehe sinnbildlich für die Zerstörung im I. Weltkrieg, um dessen Erinnerung hart gerungen wurde. Erst als vielen Woltersdorfern bewusst wurde, dass dieser Erinnerungsort zum besseren Verständnis der eigenen Gegenwart gebraucht wird, konnte die Erhaltung des Denkmals durchgeführt werden: Denn wenn die in Sandstein gehauenen Namen zerbröckeln, verblasst auch die Erinnerung. Deshalb ist jede Mahnung vor Kriegen wichtig. Er schloss seine Rede mit den Worten, dass das ein guter Tag für Woltersdorf und auch für Brandenburg sei.

Prof. Dr. Reulecke bedankte sich bei allen, die diese Wiedereinweihung möglich machten. Er referierte über Hugo Reinhold Karl Johann Höppener – genannt Fidus – der am 8. Oktober 1868 in Lübeck geboren wurde. Er würde 2018 seinen 150. Geburtstag feiern. Fidus war Lebensreformer, Jugendstilmaler und Anhänger der Freikörperkultur. In seiner hohen Zeit schuf er sein wohl bekanntestes Werk „Lichtgebet“. Allerdings geriet Fidus in den 20ziger Jahren immer mehr in die Isolation. Seine Werke wurden als plakative Zeichnungen mit völkisch rassistischen Inhalten abgetan und nur noch in rechtsextremen Splittergruppen der deutschen Jugendbewegungen und antisemitischen Kreisen beachtet. Seine schwierigen finanziellen Verhältnisse versuchte er, durch Verkauf von Postkarten – wie das Lichtgebet und Lichtbildervorträgen – in den Griff zu bekommen. Er wollte damit auch sein Image stabilisieren. Allerdings gelang ihm dass nicht so recht. Besonders bei der jungen Generation kam er nicht mehr an. Auch der Anschluss in den frühen 30ziger Jahren an die NSDAP brachte nicht den erhofften Erfolg. Seine völkische Tempelkunst mit vielen neugermanischen Symbolen wurde in NS-Kreisen als Verkitschung der nordischen Kunst empfunden. Deshalb die Frage, warum sollte ausgerechnet dieser Fidus das Relief für das Denkmal gestalten. Fidus signalisiert, dass er das Relief erschaffen würde. Er wollte seine deutsch gesinnte Kunst erhalten. Er brauchte einen speziellen Sandstein, der Rüdersdorfer Kalkstein kam dafür nicht infrage, denn das flache Relief könne nur bei bedecktem Wetter oder in den Abendstunden seine volle Wirkung entfalten. Es sollte damit Düsterheit und Trauer symbolisiert werden. Das Relief von Fidus, mit dem deutlichen Bezug auf die germanische Götterwelt, besitzt eine ikonografische Sonderstellung unter allen sonstigen deutschen grafischen Darstellungen der Gefallenendenkmäler. Das Woltersdorfer Kriegerdenkmal ist damit ein besonders aussagekräftiges Beispiel für die breit vorhandene Sehnsucht nach einer quasi religiösen Neuverordnung mit Blick auf Zukunft.

Sascha Gehm dankte ebenfalls den vielen Unterstützern, Sponsoren sowie dem Verschönerungsverein. Er fragte, was ein Denkmal für die Gefallenen des I. Weltkriegs über uns selber sagen könne. Es zeige plakativ den übersteigernden Nationalismus, der andere herabwürdigte. Die Erhaltung des Denkmals gewinnt eine zweite Dimension. Sie zeige uns, wohin unterlassene Vergangenheitsbewältigung, eine Negierung der Schuld und Ursachen, führen kann. 1939 führte sie in die nächste Katastrophe. Das Denkmal mahnt also in zwei Dimensionen – einerseits – vergesst nicht den großen Krieg – und andererseits – vergesst nicht, dass wir seine Lehren so schnell vergessen hatten. Das Glasdach mit seinen Stützen eröffnete ihm eine dritte Dimension, nämlich, dass wir uns heute mit der Vergangenheit beschäftigen.

Dr. Antonia Brauchle sprach ebenfalls ihren Dank allen Unterstützerinnen und Unterstützern dieses Projektes aus. Diese Wiedereinweihung wäre auch für sie etwas Besonderes, da sie das erste Mal von Anfang an solch ein Projekt begleiten konnte. Dann kam sie auf das Denkmal selbst zu sprechen. In Fachkreisen gebe es einen Begriff „des unbequemen Denkmals“. Restaurierungen von Schlossanlagen oder mittelalterlichen Burgen würden kaum infrage gestellt, da sich jedem der Wert von selbst erschließen würde. Schwieriger werde es schon bei unscheinbaren Bauernkaten oder einförmigen Reihenhäusern, da müsse der Wert schon erklärt werden. Noch kontroverser werde der Wert in der Öffentlichkeit von Kriegsdenkmälern diskutiert, besonders dann, wenn es darum gehe, Geld für die Erhaltung zu bewilligen. Das „Fidusdenkmal“ zählt zu den unbequemen Denkmälern, da es als Ehrenmal für die Gefallenen des I. Weltkrieges errichtet wurde, changierend zwischen Trauer, Heldenverehrung und damit einhergehend der unkritischen Verehrung von Kriegshandlungen im weiteren. Die Kriegerdenkmale sind heute ein Ort der Auseinandersetzung mit der Geschichte.
Das „Fidusdenkmal“ stelle eine besondere Herausforderung an den Denkmalschutz dar. Es sollte einerseits der Baukörper mit dem Relief seine damalige Wirkung behalten, andererseits musste das Relief vor Witterungseinflüssen geschützt werden. Die erste Konstruktion, ein unsichtbar freischwebendes möglichst an den Wolken befestigtes Glasdach ließ sich nicht realisieren. Sie stehen nun vor einer technisch möglichen und ästhetisch gelungenen Glasdachvariante, die auch aus Sicht des Denkmalschutzes Zustimmung fand.

Margitta Decker fand, dass ein solcher Tag mit einem solchen Ereignis für eine Bürgermeisterin ein glücklicher Tag wäre. Das, den Woltersdorfern wiedergegebene Denkmal, bietet die Gelegenheit, sich anschaulich und konkret mit der widersprüchlichen und sehr konfliktreichen Geschichte im örtlichen, nationalen oder weltweiten Raum auseinanderzusetzen. Wir würden heute hier nicht stehen, wenn Frau Schuldt nicht einen Teil ihres Lebens geopfert hätte, und so hartnäckig am Ball geblieben wäre. Sie dankte auch den Spendern, den Fördermittelgebern, der Verwaltung und den Gemeindevertretern, die das ebenfalls ermöglicht haben.

Michael Hauke erinnert an das Telefonat im Jahr 2015 mit Gisela Schuldt, wo die Idee einer Spendenaktion in Kümmels Anzeiger geboren wurde. Dass es eine solch große Resonanz dazu gab, die Spenden von über 8.500 Euro einbrachten, hätte er nicht gedacht. Stellvertretend für diese Spender rief er Eleonore Dennecke – früher bekannt als „Schwester Elli“ im Rüderdorfer Krankenhaus – auf, die zu ihrem 75. Geburtstag darum gebeten hatte, anstelle von Geschenken einen Geldbetrag für das Denkmal zu geben. Obwohl die Behörden früher keinen Cent für die Sanierung herausrücken wollten, kamen nun doch Gelder dazu. Das Ergebnis können wird heute sehen. Auch er betonte, ohne Gisela Schuldt würde hier heute keiner stehen. Es war nur ihrer über 20 Jahre andauernden Hartnäckigkeit zu verdanken. Er hofft, dass es so schön bleibt und nicht von „Jugendkultur“ beschmiert wird.

Dr. Brinkmann, Gemeindekirchenrat kam als Vertretung für Pfarrer Mathias Trodler. Er meinte, dass heute eines zum Ausdruck gekommen wäre: Eine Gemeinde brauche Kultur, sonst wäre sie nur eine Schlafstadt. Dazu gehöre auch eine Erinnerungskultur, für die sich der Verschönerungsverein vorbildlich eingesetzt habe. Dazu gehöre eben auch dieses Denkmal mit dem Relief des Künstlers Fidus. Woltersdorf ist attraktiv und besitzt eine Willkommenskultur. Er sprach die Hoffnung aus, dass es in Zukunft keine Denkmäler mehr für Kriege, sondern nur noch für Frieden geben wird.

Die Vorsitzende des Woltersdorfer Verschönerungsvereins dankte noch einmal dem Staatssekretär Martin Gorholt und Minister Vogelsänger für das Engagement. Denn ohne deren Engagement hätte es keine 30.000 Euro Fördermittel gegeben. Weiter bedankte sie sich für die Spenden der Sparkasse Oder-Spree von 2.200 Euro und vom Landkreis Oder-Spree für die Projektierung von 4.400 Euro. Auch die Gemeinde Woltersdorf beteiligte sich an den Projektierungskosten. Ihr besonderer Dank galt den Bürgern, die über 8.500 Euro Spenden gaben. Auch der Woltersdorfer Verschönerungsverein steuerte noch 5.000 Euro bei. Ein weiterer Dank ging an den Geschäftsführer der IBV, Herrn Schramm, der es durch einen unbefristeten Pachtvertrag ermöglichte, dass wir hier heute stehen. Per Brief sprach auch der Enkel des Künstlers Fidus, Andreas Fidus-Höppener, seinen Dank aus: „Das restaurierte Fidus-Relief sollte auch eine Ermutigung zu dauerhaftem Frieden in Europa sein“.
Im Namen des Vorstandes des Woltersdorfer Verschönerungsvereins dankte Gisela Schuldt noch einmal allen Bürgern, Gemeindevertretern, Woltersdorfer Betrieben und Vereinen für die Teilnahme an der Wieder-Einweihungsfeier.

Angelika Bandelier
Woltersdorfer Verschönerungsverein Kranichsberg e.V.