Wenn Einer mit der S-Bahn fährt

Vor einigen Tagen wollten wir mit dem Regio vom Bahnhof Zoo abfahren. Als wir keuchend auf dem Perron standen, sahen wir nur noch die Schlusslichter des R1 in Richtung Erkner verschwinden. Na ja, eine halbe Stunde warten, geht so, dass der R1 nur alle 30 Minuten vorbeikommt, sind wir ja gewohnt. Heute war alles anders, die Fahrplanjongliere der DB müssen beim Entwurf des Fahrplans nicht in bester Kondition gewesen sein, der nächste Zug sollte planmäßig 40 Minuten später eintreffen. Grr, so lange auf dem nasskaltem, zugigen Bahnsteig rumstehen, nein, das wollten wir nicht. Also machten wir uns auf zur Stadtbahn, besser bekannt als S-Bahn, eine runtergekommene Tochter der Bahnfamilie. Wir wollten zum Ostbahnhof und von da mit der S3 nach Erkner, besser so als 40 Minuten am Zoo mit den Zähnen klappern.

Quietschend kam so eine schmuddlige, braun-beige Sardinenbüchse vor uns zum Stehen. Beim Entern des Waggons halfen uns die, die hinter uns standen, sie pressten uns mit großem Druck in das Gefährt. Da standen wir nun, bewegungslos Sardine an Sardine gepappt, nur mit den Wimpern klappern, das ging noch. Egal, bis Ostbahnhof werden wir’s durchstehen und hegten die stille Hoffnung, dass wir in der S3 nicht so dicht aneinandergeklatscht befördert würden. Wir wissen nicht, ob es im anderen Zug besser war, wir haben ihn nie gesehen, denn er kam nicht zum Ostbahnhof. Wir irrten etwas ratlos umher, suchten den Steig von dem es nach Erkner ging. Nach ausgiebigem, nutzlosem Studium diverser Aushänge suchten und fanden wir Einen, mit einer roten Mütze, und der erzählte uns: „Is nüscht mehr mit Ostbahnhof, fahrn se mal nach Ostkreuz, die S3 fährt jetzt nur noch bis da“. Da gaben wir auf, sind zur nächsten Plattform geschlichen und warteten nur noch 20 Minuten auf den Regio, auf den wir am Zoo 40 Minuten warten sollten.

Bemerkenswerter Weise kam der Doppeldecker auf die Minute pünktlich. Selig kuschelten wir uns in die Sitze und kamen in Null Komma Nichts in Erkner an. Mit heraushängender Zunge rasten wir zum Busbahnhof, wollten den 950 nach Strausberg bekommen. Der Sprint war vergeblich, der Bus war schon lange weg, der Nächste fuhr erst in 30 Minuten. Bei den Bussen, stellten wir fest, werden auch so intelligente Fahrpläne gemacht, wie bei der Bahn. So bekamen wir reichlich Gelegenheit über die Niederungen des öffentlichen Nahverkehrs nachzudenken, das nächste Mal nehmen wir wieder unser Auto, auf das ist jedenfalls Verlass, hoffen wir.

Zu dem Thema S-Bahn Linie 3 und Anbindung an Erkner hat Prof. Dr. Wolfgang Stock auf der Webseite der CDU-Woltersdorf einen bemerkenswerten Beitrag geschrieben, dessen Lektüre ich jedem Woltersdorfer, der auf die Bahn angewiesen ist, empfehlen möchte.