Telekommunikation bei der Agentur für Arbeit

Wir wohnen auf dem flachen Land, in einem kleinen Dorf nahe Berlin. Alles liegt weit auseinander und man verliert viel Zeit und Geld von A nach B zu kommen. So freut man sich über jede Gelegenheit, Dinge per Telefon zu erledigen. Das klappt auch ganz gut, jedenfalls mit dem Telefon, von DSL können wir nur träumen. So haben viele Einwohner Brandenburgs eine Telefon-Flatrate. Das ist bequem – bezahlbar und hat den unschlagbaren Vorteil, dass man sich in Ruhe ausquasseln kann, ohne ängstlich den Sekundenzeiger zu verfolgen. Einen Nachteil hat aber so eine Flatrate, die ganzen Sondernummern sind nicht drinne. Handy- und z.B. 0180 Nummern, die muss man extra berappen. Das ist der große Pferdefuß, den man erst merkt, wenn man die Flatrate hat. Fast alle Behörden und Konzerne arbeiten im Geheimen. Die haben nach außen meistens eine 0180 Nummer und das war’s schon. Handwerker, die sind von Beruf aus viel unterwegs, bekommt man meistens nur über Handy. Mit Jugendlichen, die sind den ganzenTag nicht zu finden, ist es auch nicht viel anders. So bleibt als Einsatzgebiet der Flatrate fast nur noch Tante Emma und Onkel Karl übrig. Ob sich das Geschäft für den Verbraucher jetzt noch lohnt?

Ein kleines Beispiel kann ich auch beisteuern. Ich musste die Kindergeldstelle in Frankfurt-Oder anrufen. Im Briefkopf des Amtes fand sich auch die obligatorische 0180 Kombination. Ohne einige längere Konzerte anhören zu müssen landete ich in besagter Dienststelle. Das haute mich um und so fragte ich vorsichtig nach, „bin ich hier richtig?“ Das „Jawohl“, klang freundlich aufmunternd in meinem Ohr. So trug ich dem Herrn M. mein Anliegen vor, Aktenzeichen, Name, Geburtsdatum. Herr M. fand mich auch in seinen Datenbeständen und so stellte ich die entscheidende Frage, wie es denn um meine Angelegenheit stünde. Herr M. konsultierte seine Dateimaske und stellte erfreut fest: „Ihre Angelegenheit wird bearbeitet“. Weitere Auskünft gab die Datenbank nicht her und Akteneinsicht konnte er nicht nehmen, der Herr M, er hatte keine Akten. Langsam dämmerte es mir, ich war in einem Callcenter gelandet. Callcenter sind eine beliebte Masche, um das ungeliebte Publikum von den überarbeiteten Angestellten der Agentur für Arbeit fernzuhalten und der Anrufer zahlt bei einer 0180, woran man auch noch verdient. Nicht viel – aber immerhin.

So habe ich denn heute morgen mein Huhn gesattelt und bin so 150 km hin und zurück zur Kindergeldstelle gefahren, weil man keine Sachbearbeiter mehr erreicht, jedenfalls nicht telefonisch. In Frankfurt quälte sich die Dame hinterm Thresen ein, „Ich weiß! Wir sind seit einiger Zeit so nicht mehr erreichbar“, ab.

Ist doch schön in einer modernen Welt zu leben, wo man seine Angelegenheiten wie vor 100 Jahren regeln muss.

  1. Renate

    Ich finde die Sache mit diesen ganzen teuren Nummern und Pseudo-Service-Centern das allerletzte. Es gibt kaum noch Nummern, die man per normaler Telefonnummer erreicht. Will man bei der Telecom – beispielsweise – eine Störung melden, dann darf man auch berappen. Service – so heißt das Ding zwar, ist aber längst keiner mehr.
    Auch bei anderen Unternehmen gibt es kaum noch „normale“ Nummern. Überall wird über Anrufe abgezockt. Vor allem darf man schon berappen, wenn einem in epischer Breite erzählt wird, was bei der Firma sonst noch alles so los ist, und WIEVIELE Abteilungen sie haben … und wenn man Glück hat, haben sie auch einen Knopf für die Abteilung, die einem weiterhelfen kann. Die meisten Serviceabteilungen können das nämlich nicht, weil dort nämlich keine Fachkräfte sitzen, sondern angelernte Damen und Herren, die meistens keine Ahnung haben.
    Eine angenehme Ausnahme ist die Firma Logitech (Computermäuse). Die haben eine normale Nummer und in der Serviceabteilung sitzen System-Ingenieure. Eine Ratität, heutzutage!

    1. Bernd

      So ist es, liebe Renate, wir sind einer Bande von Unfähigen und Abzockern ausgeliefert. Ich habe meinen Anschluss gekündigt. Meine Familie ist winzig, Firmen bekomme ich damit nicht mehr und mein Sohn hat nur Handy.
      Lieben Gruß
      Bernd

Kommentare sind geschlossen.