Supergeil, heute in Woltersdorf



Heute morgen bei einem Discounter in Woltersdorf entdeckt. Auf dem Bild zu sehen: junge, frische Weintrauben; junge, frische Tomaten, Zwiebeln, Paprikaschoten, Äpfel, Orangen. Neben dem ganzen frischen, jungen Gemüse, ein Friedrich mit grauen Bart, dessen Hand zugreifend ausgestreckt ist. Irritiert hat mich die riesige, knallige Beschriftung: Supergeil. Supergeil – wer? Das junge, frische Gemüse oder der ältere Herr, mit Sonnenbrille getarnt, der seine grabschende Hand irgendwohin streckt?

Ist das Vegetarische supergeil? Woran erkennt man das Stadium von Supergeil, sagen wir mal von Zwiebeln? Im Laden konnte mir die Fachverkäuferin fürs Abgepflückte auch nicht weiterhelfen. Ob ihr Obst und Gemüse Supergeil war interessierte sie nicht die Bohne, sie meinte die Hauptsache ist, es ist frisch. Gut, ob es frisch war konnte ich nicht beurteilen, den Grad einer vielleicht vorhandenen Supergeilheit auch nicht. Jedenfalls fand ich keine sich paarenden Tomaten. Ob sich das Supergeil auch beim Kunden bemerkbar macht, wenn er denn sein Obst und Gemüse eingeschmissen hat? Konnte mir auch keiner sagen. Ziemlich enttäuschend, der Besuch in der Fachabteilung für Super…. Später zu Hause suchte ich Hilfe und Stütze beim neutralen Duden, auch vergebens Supergeil, da musste er passen, ihm reichte Geil völlig aus.

Der Rest, geile Preise – nee, da hab ich schon Bessere gesehen. Geile Qualität, mag sein, das sieht ja jeder anders. Zumindest wird der Preis nicht zu Supergeil hochstilisiert. Was wohl der Grafiker und der Auftraggeber gerade im Kopf hatten, als sie sich von Geil zu Supergeil steigerten, das sprengt gerade mein Vorstellungsvermögen.

Zu Hause machte ich den Test. Vier ganz frische, ganz junge Äpfel pflückte ich vom Ast. Die schmeckten frischer als es sich jeder Werbefuzzi je vorstellen kann, nur auf die Supergeilheit oder doch jedenfalls Geilheit wartete ich umsonst. Verstehen tue ich das alles nicht so recht, vielleicht hilft mir ja einer auf die Sprünge.

  1. Alte Woltersdorferin

    Ja, das hat man oft. Besonders seitens der Presse bzw. Fernsehmedien: Sprachmissbrauch zum Zwecke der Gedankenmanipulation. Die Sprache als Kampfmittel zum Ansporn, zum Erwecken /Aufrütteln, zur Provokation, zur Demütigung / Herabwürdigung /Erniedrigung, kränkenden Entehrung, verletzenden Beleidigung, Ekelerregung und Abscheu, wurde/wird kriegsvorbereitend aus feigem Hinterhalt oder offiziell von den Agitations- und Propaganda-Medien gerne gegen die Klassenfeinde im In- und Ausland eingesetzt.

    „Geil“ ist für mich ein schmuddeliges, gossenhaftes, ja ekelerregendes Vokabular. Eine Verunstaltung der deutschen Sprache. Ein Fehlgriff der modernen Werbebranche bei der nicht-deutschen Wortwahl. (Mit Wortbetonung der Zersetzung/des Verfalls auf dem „o“.) Jedenfalls steht „geil“ nicht in meinem DDR-Duden. Uns Ostdeutsche unterschied von den Multikulti-Wessis nicht nur die Bildung und Kultur, sondern auch die Sprache; das hatte ich einstmals sogar leider bei meinen Westberlinern Verwandten feststellen müssen. (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.)

    Übrigens lieber Bernd, Deine Wortwahl „Werbefuzzis“, ist auch nicht sprachkorrekt. So war das Abkürzungs-Wort „Fuzzi“ in der DDR eine Herabwürdigung für privilegierte Funktionäre. Und als Funktionäre kann man diese „Funktionsarbeit“ der Werbe-Praktikanten, wahrlich nicht bezeichnen.

    1. Bernds-Journal

      Tja, Fuzzi ist schon korrekt, in Anbetracht, dass es eine Herabsetzung ist. Hier setze ich eine(n) Werbemenschen mit Fuzzi gleich, weil ich seine Werbung einfach für …. halte, völlig daneben. Das sich ein Unternehmen zu solch einen Fehlgriff hergibt, ruft bei mir nur noch Kopfschütteln hervor. Grüße!

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