Sport- oder Mehrzweckhalle

Sporthalle
Sondergemeindevertretung – fünfte Stunde
Alles hing langsam in den Seilen, da kam Heinz Vogel vom WBF mit der Lüftungsanlage für die Mehrzweckhalle. In seinen Augen wäre die Lüftungsanlage eine politische, kulturelle und sportliche Entscheidung. Die Fraktionen sollten darüber intensiv nachdenken. Askell Kutzke von UW fragte, da die Baugenehmigung auslaufe, ob eine neue beantragt werden kann. Kerstin Marsand gab dazu ein klares Ja ab.
Also Eile ist nicht vonnöten, vielleich brennen dem WBF aber die 180.000 Euro in der Tasche und die müssen schnell unter die Leute gebracht werden.
Heinz Vogel schaffte es dann noch im Blitztempo Wilhelm Diener, eher einen Gegner der Lüftungsanlage, vom Gegenteil zu überzeugen, indem er ihm mehrere Male erklärte, dass diese Lüftungsanlage gewartet werden muss und die Wartungskosten z.Z. 14.000 Euro/Anno betragen werden. Dann erklärte er dem aufmerksam lauschenden Diener, dass er ja quasi ein Fachmann, ein Spezialist, ein Begutachter, sei. Der Honig kam an, da war was rübergekommen, was Wilhelm Diener spontan zum erklärten Freund und Befürworter einer solchen Anlage machte. Was er uns sofort von höherer Warte aus klarmachte: also so sein Bau braucht Belüftung, Belüftung ist immer gut, das weiß er, das hält die Bausubstanz fit für die Zukunft. Ende des Gutachtens.
Hier möchte ich mich von den wirklich interessanten Ausführungen des gutachtenden Gemeindevertreters mit der tröstlichen Nachricht verabschieden, für die Wartung der Lüftungsanlage brauchen wir nicht händeringend in die Ferne schweifen und einen der seltenen Fachleute mit der Lupe suchen. Wir sind in der außerordentlich glücklichen Lage zu sagen, Woltersdorf hat einen Betrieb, der auch Lüftungsanlagen wartet. Der Betrieb gehört einem Sohn unseres geschätzten Gemeindevertreters Diener.
Als einziges Manko empfinde ich und wohl auch das WBF die immer noch unglücklicherweise im Raum stehende Feststellung des Architekten Gifhorn, der voreilig öffentlich sagte, solange die Sportanlage eine Sportanlage bleibe, brauche sie keine zusätzliche Lüftung, nur, wenn die Halle als Mehrzweckhalle genutzt werden sollte, dann reicht die vorhandene Belüftung nicht mehr aus und die Belüftungsanlage muss her. Mal sehen, wie es das WBF schafft, diese nun mal im Raum stehende Meinung eines wirklichen Experten untergehen zu lassen.

Genug von den Vorgeschichten, blicken wir forsch und mit vollen Kassen, denn die werden wir brauchen, in die Zukunft.
Unsere kleine Halle, denn aus der Dreifeldhalle wurde eine Zweifeldhalle und kann daher logischerweise weniger Sportvereine und sportreibende Schüler fassen, wie eine große Halle. Deshalb ist unsere kleine Halle fast vollständig von Vereinen und Schülern belegt. Die noch verbleibenden freien Zeiten könnte man mit Veranstaltungen füllen. Wollen wir mal hören, was der Werksleiter dazu zu sagen hatte: die Halle ist fast ausgebucht, er braucht drei Tage für den Umbau zum Mehrzweck und zurück und er müsste für die wenigen Veranstaltungen die möglich wären, dem Veranstalter 750 Euro pro Tag in Rechnung stellen. Leider hat er nicht gesagt, was er unter -wenige- versteht. Das muss erst einmal offen bleiben.
Für das – wenige Veranstaltungen – möchte das WBF und Wilhelm Diener den Dukatenesel am Schwanz ziehen und eben 180.000 Euro für die Lüftungsanlage plus 14.000 Euro/Anno Wartung ausgeben. Da kämen dann noch hinzu, ein Bodenbelag, der den vorhandenen Sportboden während der Veranstaltung schützt. Was braucht man so für über 200 bis vielleicht 500 Gäste? Sitzen möchten die auf jeden Fall und Tische möchten sie auch haben. Dann brauchen wir noch die komplette Infrastruktur einer Großgaststätte, riesige Küche, Lagerräume, Theken, Bierkeller, Soundanlage und bestimmt noch diverse Kleinigkeiten, wie da wären, etwas mehr Personal, denn das mit dem Vorhandenen stemmen, da wird’s wohl eng werden.

Reicht das denn? Kommen denn da keine anderen Kosten auf uns zu?
Na ja, falls die Gemeinde nicht so solvent ist, dass aus dem Haushalt zusammenzukratzen, müsste eine Bank einen Kredit gewähren. Die Zinsen sind im Keller, dass wäre noch erträglich, ausgenommen der Pleitegeier kreist hungrig über die Gemeinde. Noch ein Hindernis, wir sind ja eine Kommune, die gesetzlichen Bestimmungen verbieten uns auf Grund fehlender, geprüfter Jahresabschlüsse z.Z. einen Kredit aufzunehmen.
Wir können davon ausgehen, dass wir nicht wissen, ob sich für die Halle interessierte Veranstalter finden werden. Wir können davon ausgehen, obiges Szenario geht sicherlich auf die 300.000 bis 400.000 Euro Marke zu. Ganz schön viel Geld, das die Gemeinde nie wieder reinbekommen wird, weil da der gesetzlich vorgeschriebene Schulsport ist, den die Gemeinde stemmen muss, die den Planern einen fetten Strich durch die Rechnung machen wird.

Unsere Kommune möchte wachsen, möglichst schnell auf 10.000 Einwohner und mehr. Die Neuen brauchen Wohnungen und so sind mehrere Siedlungen mit an die 800 Wohneinheiten in Planung. Das bringt uns auch neue Kinder in den Ort, an die 200 bis 300 Kinder denke ich mal könnten es werden. Darunter werden vielleicht mehr als die Hälfte Schulkinder sein, die den gesetzlich vorgeschriebenen Schulsport betreiben müssen. Wir erinnern uns, der Werkleiter sagte, die Sporthalle ist fast ausgebucht. Könnte das nicht heißen, die kommenden neuen Schulkinder kann die Halle nicht mehr fassen? In dem Moment fallen sowieso alle Veranstaltungen flach und wir sind 300.000 bis 400.000 Euro los, in den Sand gesetzt. Fürs Ego vom WBF. Denn für die Sporthalle ist all der Plunder, den das WBF haben möchte, nicht nötig. Zudem, wenn die neuen Kinder kommen sollten, dann brauchen wir jeden Cent für neue Schul- und Kitaeinheiten.

Wollen wir mal etwas düster in eine Zukunft der Halle als Veranstaltungsort also Merzweckhalle blicken. Dann wird es, erstens richtig teuer und zweites tauchen da Probleme auf, für die erst mal eine Lösung gefunden werden muss.
200 bis 500 Besucher brauchen Parkplätze. Die Sport und Freizeitanlagen haben dafür keinen Platz und in weiter Rund um die Halle ist nirgends eine Fläche dafür vorhanden. Und wenn, müsste sie als Parkplatz ausgebaut werden, reichen 100.000 Euro?
Zur Halle hin gibt es einen kurzen Weg zu “An den Fuchsbergen”, als Zufahrt eher nicht brauchbar. Die einzige realisierbare Zufahrt, wäre die Hochlandstraße. Die ist viel zu schmal, sie müsste auf sechs Meter verbreitert werden, damit sich zwei LKW oder Busse begegnen können. Links und rechts der Hochlandstraße leben aber Menschen, die ihre Vorgärten behalten möchten. So eine Straße, selbst bei Billigheimers, sagen wir mal 200.000 Euro.
Wo bleiben die Massen, wenn eine Panik ausbricht? Die Hochlandstraße wird dann für Rettungskräfte gebraucht. Fluchtwege für ein paar hundert Autos, wo werden die wohl angelegt?
Auch nicht ganz billig.
Der Nahverkehr müsste auch noch berücksichtigt werden, momentan sagen sich da rund um die Halle die Füchse gute Nacht. Die Halle liegt eben im Abseits des Ortes.
Was werden die Anwohner der Sport und Freizeitanlagen eigentlich sagen, wenn da nun auch noch Nachts die Luft brennt. Solche Discoanlagen, die haben Reichweite. Dann die vielen knallenden Türen der Autos und, und, und. Das wird auch spannende Diskussionen geben.

Ich denke mal für Kultur, feiern etc haben wir definitiv keine Hallen, die wurden mit der Zeit alle abgerissen, Bellevue, Küchenbetrieb, Alte Krug. Man hat nur vergessen Ersatz zu schaffen und die ins Auge gefasste Sporthalle, dass wird nicht funktionieren.
Vielleicht kommt aber alles ganz anders, mal sehen, ich bin gespannt.