Sozialausschuss 04. 2019 – Teil 2; Das Hospiz an der Schleusenstraße

Punkt 5: Diakonie-Hospiz Woltersdorf – Bericht der Geschäftsführerin Frau Angelika Behm

Woltersdoorf Hospiz Rohbau Anf. 2019

Hospiz Rohbau Anf. 2019

Angelika Behm stellte sich kurz vor. Sie ist die Geschäftsführerin der Hospize Wannsee (seit 2011) und Woltersdorf (seit 2015) und habe über 23 Jahre Erfahrung als Sozialarbeiterin. Sie bedankte sich für die Einladung und meinte, dass von dem Hospiz bereits etwas zu sehen wäre. Sie wolle jetzt etwas über die Aufgaben des Hospizes berichten.Sie zitierte als Leitsatz des Hospiz ein Zitat des Theologen Heinrich Pera: „Der Mensch kann nur Mensch werden, wenn nach seiner Geburt Menschen da sind, für ihn, mit ihm. Er kann sich aus seinem Leben als Mensch nur verabschieden, wenn er in seinem Sterben nicht allein ist, sondern jemand da ist, für ihn, mit ihm.“ Das bedeutet, dass der Mensch in immer wichtige Bezugspersonen braucht, ob am Anfang oder am Ende.

Sie berichtet weiter, dass im letzten Monat das gut besuchte Richtfest gefeiert werden konnte. Sie warf den Lageplan des Gebäudes noch einmal an die Wand und erklärte, dass es wie Windmühlen angeordnet wäre. Außen herum wurden 14 Zimmer mit Dusche und Terrasse für die Gäste (im Hospizbereich werde nur von Gästen gesprochen) angeordnet und in der Mitte die Versorgungsräume. Durch diese Anordnung wurde erreicht, dass alle Zimmer im Laufe des Tages Sonnenlicht bekämen. Im ersten Stock würden sich dann noch Büroräume und ein Zimmer für Angehörigen befinden.
Da der Erdwall abgetragen wurde, gehe bei einem Teil der Zimmer der Blick nun bis zum Kalksee.
Anfang Oktober soll das Gebäude fertiggestellt sein und die Eröffnung im November erfolgen. Die Stellenausschreibungen sind herausgegeben worden und es konnte schon die Pflegedienstleitung und die stellvertretende Pflegedienstleistung bestätigt werden. Es werden noch 12 – 13 Bewerbungen für Stellen im Pflegedienst geprüft. Der Pflegeschlüssel eines Hospizes beträgt 1:1,4 (1 Gast zu 1,4 Pflegende) dies bedeutet, dass es 19 Vollstellen in der Pflege geben werde mit grundsätzlich rein examinierter Gesundheits- und Krankenpflege oder Altenpflege. Dazu käme dann noch Verwaltungs- und Hauswirtschaftspersonal. Die Leitung des Hauses geschehe durch die Geschäftsführung und die Pflegedienstleitung. Das Hospiz habe drei Gesellschafter, mit 51 Prozent das Hospiz Wannsee, mit jeweils 24,5 Prozent das Krankenhaus Gottesfriede Woltersdorf und das Krankenhaus Märkisch Oderland in Strausberg.

Der Zeitplan des Baus lege im Rahmen, ebenso die Kosten mit 3,2 Mio. blieben im festgelegten Rahmen. Für Hospize gebe es keine Fördermittel, so dass sie auf Spenden angewiesen wären. Bisher wurden 300 TE aus der Klassenlotterie gespendet und Angelika Behm erklärte, dass sie an weitere Sponsoren herangetreten wäre.

Zu den Aufnahmemodalitäten erklärte sie, dass jeder der unter den § 39a SGB V (Sozialgesetzbuch) fällt, aufgenommen werde. Da es sich bei einer fortschreitenden Krankheit nur noch um eine begrenzte Lebenszeit von Wochen oder Monaten handeln würde, wie z.B. Tumorerkrankungen, COPD oder HIV-positiv Endstadium. Die Kosten dieses Aufenthaltes werden zu 95 Prozent von der Krankenkasse und der Pflegeversicherung übernommen. Die restlichen 5 Prozent, etwa 100 TE im Jahr, müsse das Hospiz erbringen.
Da Sterben ein Teil des Lebens wäre, ginge es dem Hospiz darum noch eine hohe Restlebensqualität und Geborgenheit zu bieten. Da es keine festangestellten Ärzte gebe, wurde die medizinische Versorgung mit Frau Dr. Stahlhut, Leiterin der Palliativstation im Rüdersdorfer Krankenhaus, geregelt. Des Weiteren gebe es eine ehrenamtliche Zusammenarbeit mit den Hospizen in Fürstenwalde und Strausberg.
Angelika Behm unterstrich, dass es sich bei diesem Hospiz in Woltersdorf um das erste Hospiz handeln würde, das von zwei Landkreise nämlich LOS und MOL getragen werde. Es gebe eine weitere Besonderheit, die Gäste würden ihre Wohnung behalten, denn es wäre schon vorgekommen, dass Gäste wieder aus dem Hospiz entlassen werden konnten. Die müssen dann natürlich irgendwo wohnen können.

Jens Mehlitz fragte, da mehr Bäume gefällt wurden als vorgesehen, ob es Nachpflanzungen gebe. Angelika Behm bestätigte, dass im hinteren Teil die Bäume nachgepflanzt werden und zur Schleusenstraße eine Parklandschaft entstehen soll.

Siegried Bronsert wollte wissen, ob Woltersdorfer bevorzugt aufgenommen werden. Angelika Behm meinte, dass das sehr schwierig werde, da einmal die Situation der Aufzunehmenden und auch die Warteliste zu berücksichtigen wäre. Für die Warteliste wäre der Sozialdienst zuständig, der die Situationen vor Ort kennen würde.

Jutta Herrmann fragte nach den Übernachtungsmöglichkeiten der Angehörigen und den dafür entstehenden Kosten. Angelika Behm erläuterte, dass der Angehörige entweder im Zimmer des Gastes oder im ersten Stock übernachten könnte und beide Varianten wären kostenlos.

Antje Berthold -Riedel fragte ob das Hospiz vor Lärm geschützt wäre. Angelika Behm meinte, dass lediglich vier Zimmer zur Schleusenstraße hinausgehen, aber die 4-Fachverglasung der Lärm gut abdämmen würde.

(Anmerkung: Für die Unmengen von gefällten Bäumen, die angeblich alle auf einen Schlag ihre Standfestigkeit verloren hatten, interessierte sich bis auf ansatzweise Jens Mehlitz kein weiterer Gemeindevertreter. Dabei spielten die Bäume doch bei der Erstvorstellung eine wichtige Rolle fürs Wohlbefinden der Gäste. Scheint, je größer das Unternehmen, umso frecher kann es getrieben werden)

Teil 2/?