Nur kein Ehrenamt

In der Zeit als Vogel hier das Zepter schwang, da flüsterte mir ein Freund zu, „Bernd, bau dem Verschönerungsverein eine Webseite.“ So richtig wollte ich nicht, doch eines Tages begab ich mich zu den Oberen des Vereins und fragte, „Wollt ihr im Internet stehen? Wollt ihr eine Webseite?“ Sie wollten und ich hatte ein Ehrenamt. Die Webseite ist lange schon fertig, ich guck nur noch ab und zu nach der Technik, sponser das Projekt.

Dann begann der Kummer mit dem Ehrenamt. Erst ging der Woltersdorfer Vogel zu den Oberen des Vereins, wünschte mit massiven Druck das mein Copyright, ein Link zu meiner Seite, gelöscht wird. Da nichts pasierte, machte sich der Vogel Fan, Wilhelm Diener, Führer des Mittelstandsvereins auf den Weg zu den Oberen des Vereins, mit dem gleichen Begehr. Mein Ehrenamt begann mir zum Halse rauszuhängen, nein mein Copyright lösch ich nicht, eher lösch ich die Seite.

Ruhe kehrte ein, dachte ich, ich armer Tor. Ein Vereinsmitglied, Vertrauter der Oberen, trötete nun ins Vogelhorn, begehrte Gleiches und sofort. Nein, nicht Gleiches – mehr – wollte der Vertraute der solch Miesen Plan ausgeheckt hatte. „Der die Webseite baute beschäftigt sich mit Politik, ist in Opposition zum Vogel, abgeben muss er die Seite, notfalls müssen wir sie ihm wegnehmen.“ Genug hab ich von allen Ehrenämtern, wer eine Webseite will – der soll in Zukunft zahlen und kein Freund soll mir nochmals ein Ehrenamt aufschwatzen.

Nur kein Ehrenamt

Willst du froh und glücklich leben,
las kein Ehrenamt dir geben!
Willst Du nicht zu früh ins Grab
lehne jedes Amt gleich ab!

Wie viel Mühen, Sorgen, Plagen
Wie viel Ärger musst Du tragen;
gibst viel Geld aus, opferst Zeit –
und der Lohn? Undankbarkeit!

Ohne Amt lebst Du so friedlich
Und so ruhig und so gemütlich,
Du sparst Kraft und Geld und Zeit-
wirst geachtet weit und breit.

So ein Amt bringt niemals Ehre,
denn der Klatschsucht scharfe Schere
schneidet boshaft Dir, – schnipp-schnapp –
Deine Ehre vielfach ab.

Selbst Dein Ruf geht Dir verloren,
wirst beschmutzt vor Tür und Toren,
und es macht ihn oberfaul
jedes ungewaschene Maul!

Drum rat ich Dir im Treuen:
Willst Du Weib und Kind erfreuen,
soll Dein Kopf Dir nicht mehr brummen,
lass das Amt doch and’ren Dummen.
von Wilhelm Busch

  1. Dr. Bentrup

    Werter Herr Wohlers,

    ein Ehrenamt hat in der Bundesrepublik einen anderen Stellenwert als Sie vermitteln. Möglicherweise haben Sie die Ironie von W. Busch nicht verstanden.

    Gruß

    1. Bernd

      Ironie ist Busch sein Lebenselexier, die erwartet mich in seiner Welt an allen Ecken und Kanten. Ich, für meinen Teil möchte es wörtlich sehen. Jammerschade ist, die Gelehrten streiten, war’s Busch oder Ringelnatz der die Zeilen verbrochen hat.
      Gruß
      Bernd

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