Im Fläming, da schoss ein Jäger einen Wolf tot

WolfskopfEin Jäger aus den Niederlanden hat am Freitag, den 18. Januar um 12:00 Uhr im Fläming einen Wolf erschossen. Fünf ganze Stunden brauchte der Jagdverantwortliche, bis er sich aufraffte die Polizei zu verständigen. Da fragt man sich, wieso brauchen die im Handyzeitalter fünf Stunden für etwas, das dem Meldezwang unterliegt und in Minuten hätte erfolgen können. Das fragt sich die Polizei wohl auch und ermittelt in diese Richtung. Zudem hat sie eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz in die Wege geleitet. Der erschossene Wolf wurde im Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin zur Untersuchung abgegeben.

Und dann kommt die Story des Schützen. Gerafft auf den Kern hört sich das so an, der gefährliche Wolf spazierte im Abstand von zehn Metern am niederländischen Jäger vorbei, so das Jagdportal Jawina. Dann die Vermutung, der Wolf wollte wohl zu Rehen, die auf einer Lichtung zu sehen waren und zog in einem Bogen um die Jagdgesellschaft einer Drückejagd herum. Jägers Jagdhunde sollen ebenfalls die Rehe geschnuppert haben und waren auf den Weg zu ihnen.
Der Wolf ließ dann die wartenden Rehbraten sausen und machte sich daran den freilaufenden Hunden das Fürchten zu lehren, so der Jäger, und ich denke mal, die ganze Jagdgesellschaft wird das unisono bestätigen. Der Jäger habe dann geschrien und gepfiffen, um den Wolf zu verjagen. Nichts half und auch ein Warnschuss konnte den Wolf nicht von seinem schrecklichen Mordvorhaben abhalten. Seine Hunde wollte der Niederländer nicht aufs Spiel setzen und erschoss das fürchterliche Ungeheuer.

So, der Tenor des Jägers in ungefähr. Nur stellen sich da Fragen. Hier befindet sich eine Jagdgesellschaft, also mehrere bewaffnete Jäger und unzählige Hunde auf einem überschaubaren Areal. Seelenruhig äsen auf einer Lichtung in Sichtweite einige Rehe und warten wohl auf den Abschuss. Viele Menschen und Hunde und die Rehe verschwinden nicht schleunigst, nein die warten und warten. Dann kommt auch noch ein Wolf hinzu, wandert ebenfalls in abgeklärter Ruhe, ohne jede Furcht, im Abstand von, wie sagt Jawina – ca. 10 Meter – um Mensch und Hunde herum. Schreien, Pfeifen und Warnschuss, nichts konnte die Bestie von ihrem Spaziergang abhalten. Also wohl ein Wolf, der mit Suizidgedanken durch die Botanik trottete, denn wäre er ein normaler Wolf, hätte er schleunigst die Fliege gemacht, wäre verschwunden wie Daniel Düsentrieb. Vielleicht war er aber schwerhörig, die Brille vergessen und die Nase verstopft. Dann hat er den Wolf totgeschossen unser niederländischer Weidmann, um seine Hunde zu retten. Da war’s 12:00 Uhr und nun brauchte es fünf satte Stunden bis der Verantwortliche die Polizei informierte.
Ich persönlich glaube kein Wort dieser Story und die Polizei hat wohl auch Probleme mit den fünf Stunden.

Wie sehen das denn Andere?
Beim Nabu Brandenburg zeigte Christiane Schröder Verständnis für den Jäger. Es wäre ein Notstand gewesen, wenn sich der Wolf nicht vertreiben ließe. Der Wolf habe womöglich den Respekt vor Schusswaffen verloren. Allerdings hätte gar keine Jagd mit nicht angeleinten Hunden stattfinden dürfen. Es ist bekannt, dass im Fläming Wolfsrudel unterwegs sind.
(Anmerkung: Ich kann mir keinen Wolf vorstellen der Schussfest ist, ausgenommen er lebt auf einen Schießplatz der Bundeswehr).

Der Vorsitzende des zuständigen Belziger Jagdverbandes, Martin Bassüner. Die Jagd in dem großen Wäldern sei mit angeleinten Hunden nicht durchführbar.
(Anmerkung: Kann ich mir vorstellen. Wenn es denn aber untersagt ist, dann ist es untersagt. Alles andere wäre Rechtsbruch).

Der Geschäftsführer des Brandenburger Bauernbundes, Reinhard Jung, fand der Jäger habe korrekt gehandelt. Es sei das Recht jedes Tierhalters wertvolle Tiere in Notwehr gegen angreifende Wölfe zu verteidigen. Dann wiederholte er die Forderung seines Bundes in diesem Jahr mindestens hundert Wölfe zum Abschuss freizugeben.
(Anmerkung: Na ja, die Forderung nach der Massentötung von Wölfen sagt alles über die unvoreingenommene Herangehensweise des Brandenburger Bauernbundes).

Kommentar: Mit der Schießerei in freier Wildbahn ist das so eine Sache, da ist schon alles nur Vorstellbare von den Jägern in die ewigen Jagdgründe befördert worden. Gerade einen Tag vor dieser bösen Geschichte, die wahrscheinlich für den Schützen ohne Folgen bleibt, hat bei Briesen (Brandenburg) ein Jäger den Hund eines Jagdkameraden erschossen. Jeder der in den Wald geht sollte sich gegen versehentliches Erschießen durch Jäger versichern lassen. Hilft dann jedenfalls den Hinterbliebenen.

Hier die Meldung von Jawina, samt Bild des getöteten Wolfes: https://www.jawina.de/wolfsabschuss-djv-fordert-rechtssicherheit-fuer-jaeger/

Ebenfalls von Jawina, Jagdhund auf Drückejagd erschossen:
https://www.jawina.de/brandenburg-jagdhund-auf-drueckjagd-erschossen/

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