Gehört pöbeln und drohen zur Politik?

Was erwarte ich von einem Mann, der in der Politik den Willen des Volkes vertreten möchte: Lebenserfahrung, Bildung, Kompromissbereitschaft, die Fähigkeit für seine Vorstellungen Mehrheiten zu finden, anderer Meinung zu akzeptieren, Verzicht auf Gewaltanwendung, ein freundliches Wesen und insbesondere Ehrlichkeit.

In Woltersdorf haben wir ein Bürgerforum, einer der Vorsitzenden heißt Jürgen Felte und er ist für den WBF als sachkundiger Bürger aufgestellt. Er kann somit als Politiker bezeichnet werden. Ist er es, so messe ich ihn an der obigen Messlatte. Seine Taten und Worte werde ich wiegen, dass Gewicht ist das Gesetz und die Moral.

Ich habe Jürgen Felte gemessen und gewogen und ihn für zu leicht befunden. Wieso? Wohl jeder in Woltersdorf weiß, wie übel er Dr. Bronsert mitgespielt hat. Bei der Scheckübergabe an der Liebesquelle soll er ihn angebrüllt und geschubst haben. Eine Entschuldigung für dieses haarige Fehlverhalten lehnt Jürgen Felte ab, wie die MOZ schreibt. Ein Politiker der schubst, pöbelt – wie verträgt sich das mit den Anforderungen an das Amt.

War es nur ein einmaliger Ausrutscher, würde er sich entschuldigen. Die eigene Moral würde ihn nicht in Ruhe lassen, bis er es denn täte. Sind diese archaischen Handlungsweisen aber seine innere, feste Natur, dann wird er keinen Sinn in einer Entschuldigung sehen. Nach seiner innersten Überzeugung hätte er ja Recht getan.

Es dauerte nicht lange, auch an der Liebesquelle, da rastete Jürgen Felte wieder aus. Diesmal pöbelte er mich an – faselte von Zähne ausschlagen, hatte die Faust zum Schlag erhoben. Warum? Weil ich seine Worte, die er in einem Ausschuss sagte, hier wiedergegeben hatte. Viele Menschen hörten seine Worte, die MOZ gab sie ebenso wieder, wie ich. Dennoch leugnete er sie gesagt zu haben, will den, der sie niederschreibt, die Zähne ausschlagen. Auch bei mir hat er sich nicht entschuldigt. Das braucht er auch nicht, ich habe begriffen – Gewalt gehört einfach zu ihm, er sieht nichts anrüchiges in der Anwendung von Gewalt. Ich habe aber auch begriffen, dass er den bedroht, der die Wahrheit verbreitet, wenn sie ihm nicht passt. Nun gut auch das gehört zu seiner Vita.

Nur, ist ein Mensch, dessen Charaktereigenschaften solche Züge aufweist, ein guter Politiker? Ist er geeignet, der Gemeinde, als sachkundiger Bürger zu dienen? Ist er geeignet, Vorsitzender eines Bürgerforums zu sein? Ist ein Mann, der unbeherrscht die Wahrheit mit Zähne ausschlagen bekämpfen will, der unliebsame Anwesende schubst und anpöbelt, für solche Ämter geeignet?

Dr. Bronsert erwartete eine Entschuldigung vom WBF. Dessen Fraktionsvorsitzender Jens Mehlitz lehnt diese ab, weil Jürgen Felte an der Liebesquelle als Privatperson agierte. Zu kurz gedacht, meine ich. Dadurch, dass sich der WBF finanziell an der AG Liebesquelle beteiligte, war Jürgen Felte sehr wohl auch als Vertreter des WBF anwesend. Selbst wenn der WBF Vorsitzende dort privat pöbelte und von Zähnen ausschlagen faselte, was soll ein Bürger in Woltersdorf von einem Bürgerforum halten, das sich einen Jürgen Felte als sachkundigen Bürger und Vorsitzenden des WBF leistet? Bürger erwarten Politiker wie ich sie eingangs schilderte. Bürger erwarten keine Politiker, die sich mit schlagenden Argumenten profilieren wollen und werden bestimmt bei der nächsten Wahl darüber nachdenken.

GV – September 2011
Adventure an der Liebesquelle

  1. Renate

    Wie einige Politiker sich verhalten (daneben benehmen, konnten wir ja erst vor kurzem in den Medien verfolgen. Pofalla …

    Diese machtgeilen Typen halten sich einfach für omnipotent und erlauben sich Frechheiten jeglicher Art. Irgendwann werden sie abgestraft … hoffentlich!

    Liebe Grüße
    Renate

    1. Bernd

      Habe ich in einem Korb Äpfel einen faulen Apfel, entferne ich ihn, damit die restlichen nicht faulen. Hier ticken die Uhren aber anders, deshalb ist eine Diskussion – wie viel politisch motivierte Gewalt verträgt Woltersdorf – angebracht. Die auslösende Person ist dabei an sich nebensächlich.

      Liebe Grüße
      Bernd

  2. Sebastian Habecker

    Schade,
    ich lese ihr Forum sehr gerne, da Sie einen Einblick in die Ausschüsse verschaffen, welche ich durch meine wenige Freizeit leider nicht besuchen kann. Wenn man nur die Sachebene in ihren Artikeln verfolgt, so war man immer gut informiert, welche Themen gerade aktuell sind in der Gemeinde. Doch warum sie jetzt in eine Schiene abdriften, eine Privatperson mit Steinen zu beschmeissen, finde ich sehr abschreckend. Es sei dahingestellt, ob Herr Felte so agiert hat, wie sie beschrieben, so gehört diese Themenebene jedoch nicht auf eine Internetpräsenz. Ich erinnere nur an den Vorgang des Kümmels Anzeiger gegen Herrn Stock, welchen sie aufs schärfste verurteilten. Sie wirken in ihren Artikeln auf mich nicht wie jemand, der sich hinter geschriebenen Worten verstecken muss, sondern wie jemand der den Dialog sucht und interessiert ist am Fortschritt in Woltersdorf. Und da bedarf es meiner Meinung nach keiner nachkarrenden Verurteilungen in den Medien.

    1. Bernd

      Danke für Ihre Zuschrift. Ich möchte mit meiner Antwort am Ende Ihres Kommentars beginnen. Sie können W. Stock und J. Felte nicht miteinander vergleichen, dass eine war eine politische Intrige und das andere Pöbeleien und Drohungen, vom Grunde her gewöhnliche Straftaten.

      Wolfgang Stock wurde falsch beschuldigt, es waren bereits Zeitungen verurteilt, die fadenscheinigen Behauptungen nicht weiter zu verbreiten. Danach erst trat Kümmels Anzeiger auf den Plan und versuchte sich an dem Thema, mit den bekannten Folgen. Trotz seiner erwiesenen Unschuld gab Prof. Stock sein Amt an der Viadrina auf, um der Universität nicht zu schaden. So handelt eben ein Ehrenmann!

      Mit J. Felte verhält es etwas anders. Der Mann bekleidet zwei politische Ämter im Ort, ist damit keine Privatperson, wie Sie meinen. Er ist eine Person des öffentlichen Interesses. Schlagen Sie die Zeitung auf, sehen sie die Tagesschau, überall auf der Welt werden Entgleisungen solcher Personen, insbesondere von Politikern, ich möchte da an R. Pofalla erinnern, verarbeitet. Der Mann hat in aller Öffentlichkeit Reue gezeigt und sich entschuldigt.

      J. Felte dagegen ist nicht bereit für seine Fehler einzustehen, das deutet darauf hin, dass er das Pöbeln und Drohen, welches schon das Strafrecht tangiert, für gerechtfertigt hält. Streitet er dann noch ab, was er sagte und alle hörten, dann beginne ich darüber nachzudenken, wie der Mann es mit der Ehrlichkeit hält. Stellt sich obendrein noch seine Partei in Nibelungentreue hinter ihren Vorsitzenden, dann meine ich, da läuft etwas schief im Staate Dänemark (wo ich gerade bin). Hätte sich J. Felte bei Dr. Bronsert entschuldigt, wie es sich gehört, wäre alles erledigt. So bin ich der Meinung, dass Thema Jürgen Felte, ist noch nicht aufgearbeitet. Dass ist es erst, wenn er einsieht, dass er falsch und überzogen gehandelt hat.

      Zitat Hermann Gröhe, Generalsekrätar der CDU: „Bürgerlichkeit bedeutet nicht, fehlerlos zu sein, sondern vor allem Fehler zu erkennen und zu korrigieren“

      Ihren Satz: „Sie wirken in ihren Artikeln auf mich nicht wie jemand, der sich hinter geschriebenen Worten verstecken muss, sondern wie jemand der den Dialog sucht…“ finde ich merkwürdig. Wie wollen Sie mit einem Menschen diskutieren, dessen Argument die Faust ist?

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