Gähnende Leere am Rathaus

Gähnende Leere am RathausDas Buon Gusto neben dem Rathaus wurde schon längst aufgegeben. Vom einstigen Restaurant zeugt nur eine vergessene Speisekarte am Eingang. In den Fensterhöhlen hängen noch immer die dreckigen Gardinen, die einst so manchem hungrigen Gast den Appetit vergehen ließen. Der Niedergang im Zentrum Woltersdorfs muss ansteckend gewesen sein. Als nächstes gab der Rote Netto und eine Fleischerei auf, heute sah ich, auch der Schreibwarenladen ist nicht mehr. Nur ein Schlecker harrt noch aus, ob’s sich für ihn noch lohnt?

Warum gehen die Geschäfte am Rathaus nicht? Beim Roten Netto kann ich mir vorstellen, dass der Neubau eines Lidls in unmittelbarer Nähe eine große Rolle spielte. Die zur Verfügung stehende Kundschaft hat sich ja nicht verdoppelt und die Vorhandene reichte nicht einmal für das Überleben des einen Ladens. Wer für den Neubau des Lidls die Genehmigung gab, musste wissen, das ist das Aus für den Netto. Dem Fleischer, der seine Wursttheke im Netto hatte, blieb nichts übrig als mit ihm zu gehen. Der Schreibwarenladen glänzte mit einer Tabelle von unterschiedlichen Öffnungzeiten, kam ich hin, war der Laden zu. Das macht jeder nur ein paar Mal mit und bleibt dann fern.

Es scheint, unsere Ortsmitte sinkt langsam aber unaufhaltsam in einen tiefen Schlaf, wie im Märchen von Dornröschen.

  1. Fam. Schmidt

    Alles richtig, was hier gesagt wird. Aber…
    Bei einer Miete von über 2700 € plus NK für eine heruntergekommende Gaststätte in toter Ortslage.
    Naja, ich würde max 500€ plus NK pro Monat zahlen.

    1. Bernd

      Wir haben uns mal für den Schreibwarenladen neben Schlecker interessiert, wollten mal wissen, woran wir sind. Der Laden hat 23,29 Quadratmeter und kostet 200 Euro kalt ohne Nebenkosten. Das ist ein Quadratmeterpreis von 8.59 Euro. Nun stellt euch mal die Riesenfläche von dem Ex Netto vor, wer soll das bezahlen. Kein Wunder, wenn die lieber selber bauen.
      LG Bernd

  2. Robert Henkel

    Hallo lieber Bernd,

    Warum gehen die Geschäfte am Rathaus nicht?
    Die Antwort ist doch recht simpel. Das der rote Netto geschlossen hat verwundert wirklich niemand. Als nun schon der fünfte Lebensmittelmarkt im oberern Teil von Woltersdorf öffnete (wobei es im Schleusenviertel nicht einen einzigen gibt) war es doch nur eine Frage der Zeit das einem von denen mal die Puste ausgeht.
    Das der biedere Italiener wie er dort war, nicht gerade das war, was Leute ins ‚Dorfzentrum‘ zieht, ist wohl auch klar.
    Es ist nicht die Frage ob die Geschäfte am Rathaus laufen oder nicht, sondern eher die Frage ob sich dort die richtigen Geschäfte angesidelt haben oder nicht.
    Wenn ich mir den Asia Imbiss anschaue….da ist immer was los…nur leider passen dort nur ein paar Leute rein. Die Eisdiele ein paar Schritte weiter, ein beliebter Treff für Mütter und Kinder…macht im Winter zu?!
    Vielleicht lohnt ein kleiner Blick in unsere Nachbargemeinde Erkner um zu begreifen, wie man mit der Ansiedlung des richtigen Gewerbes ein Ortzentrum richtig beleben kann! – Stichwort „Bechsteins“

    1. Bernd

      Dem Argument „richtige Geschäfte“ stimme ich gerne zu, nur was ist richtig und wie kann gesteuert werden? Ist ganz schön schwierig bei fast NULL Interessenten. Nebenbei der Italiener war nur während der Geschäftzeit Italiener. Beim Asia ist zwar immer was los, nur ist ein Imbiss eine die Gegend hebende Einrichtung?

      Interessant finde ich auch die Ansätze von Herrn Schramm s.o.

    2. Robert Henkel

      Die Interressenten(also Kunden, so verstehe ich deine Frage) kommen sobald die richtigen Angebote da sind. Eine attraktive dem Zeitgeist ensprechende Gastronomie kann da schon viel bewirken. Wie man einen leerstehenden Supermarkt ausfüllt, das gibt es sicher viele Möglichkeiten. Man muss sich nur Gedanken machen, was wirklich gebraucht wird. Vielleicht gibt es auch den einen oder anderen Einzelhändler im Ort der mehr Platz benötigt…

    3. Fam. Schmidt

      Das „Bechstein“ in Erkner schreibt rote Zahlen. Wird sich auch nicht durchsetzen. Nur durch den Pachterlass von Herrn Wegeleben konnten überhaupt Gehälter gezahlt werden.
      Nicht immer alles glauben, was man liest.

    4. Werner

      Mit der Winterpause der Eisdiele halten sich die Kosten in Grenzen. Leider ist der Zuspruch nicht so wie im Bechstein, dass sich eine Öffnung im Winter gelohnt hätte. Kunden bzw. Gäste entscheiden wie lange geöffnet ist und da schau ich einfach mal wie es sich in diesem Jahr entwickelt. Ich bin bereit 365 Tage im Jahr Eis und Kaffee anzubieten.

  3. Armin-Matthias Schramm

    Die Fläche des ehemaligen Netto wäre doch auch eine gute Mehrzweckfläche für Veranstaltungen der Gemeinde.
    Für kulturelle Nutzungen, Ausstellungen, Vorträge, Vorlesungen Tanzgruppen, Jugendarbeit etc., wenn da nicht immer die „teure“ Miete wäre, die ein Neubau nun einmal so mit sich bringt.
    Es ist aber auch kein Konzept oder eine nachhaltige Initative erkennbar,
    Woltersdorf einen wirklich lebendigen Kern geben zu wollen, der auch von den Woltersdorfern wirklich gewollt und dann auch finanziell mitgetragen wird. (Dazu gehört auch, die tatkräftige Unterstützung zur Ansiedlung von Gewerbe aller Art in Woltersdorf.)
    Warum nicht ´mal eine Satzung aufstellen, die das kulturelle und wirtschaftliche Leben in einer Gemeinde fördern hilft, an dem sich alle Einwohner dann auch mit einer kleinen jährlichen Gebühr beteiligen müssen
    Wie wäre es mit einer Kultur- und Gemeinschaftssteuer ( z.B. grob gerechnet je Einwohner 2,- € mtl. oder 24,- € jhl. + Gewerbeumlage) ?
    Damit könnten dann Fixkosten für ein Gemeinderestaurant, eine Mehrzweckveranstaltungsstätte, eine buntes Internetportal und einen Veranstaltungsbeauftragten bezahlt werden. Und ein Trägerverein, in dem sich Jedermann mit einbringen kann, wäre für die konzeptionelle Linie federführend.
    Um einen lebendigen Kern siedeln sich dann auch gerne Gewerbe aller Art an, da sie dort ihre Kunden auch antreffen!

    Schnell wird von allen Seiten Kritik geübt, wenn es aber um Taten und wenigstens finanzielle Unterstützung geht, dann wird die Gruppe derer, die „Hier“ rufen, meist sehr sehr klein – schade!
    Da kann dann auch kein Bürgermeister allein etwas stemmen und schon gar nicht, ohne finanzielle Mittel, geeignetes Personal und eine starke Unterstützung und Rückendeckung durch mindestens die Gemeidevertretung.
    Wie es nicht geht, das weiß ich, spätestens wenn es schiefgegangen ist, ganz genau, aber wie es gleich richtig geht, da ist dann meist Schweigen angesagt, denn es könnte ja schiefgehen?

    Das Ziel ist der Auftrag, nicht persönliche Animositäten und Machtgerangel!

    Aber vielleicht ist ja Woltersdorf wirklich nur eine „Schlaftstadt“?

    Ich bin gespannt, auf die weiteren Entwicklungen und bin gerne bereit,
    mich bei den Taten nach Kräften mit einzubringen!

    Es grüßt
    AMS

    1. Bernd Brauer

      Hallo Herr Schramm,

      ja, Woltersdorf ist eine Schlafstadt. Das war so, das wird wohl auch so bleiben. Ich wohne mit einigen Unterbrechungen seit Ende der 60 – ziger in diesem Ort. Von Anfang an schien mir Woltersdorf immer von der Entwicklung vergleichbarer Gemeinden um Berlin abgehängt zu sein.
      Vielleicht erklärt sich dies auch aus der Entwicklung, denn in Woltersdorf dominierten zunächst die Berliner Wochenendler und die Infrastruktur, sprich Straßenbahn, wurde von den damaligen Gastronomen nicht konzipiert um die Woltersdorfer nach Berlin, sondern um die Berliner ins Grüne zu bringen. Die Infrastruktur, von Straßenbahn bis Gastronomie mit großen Sälen wurde für die Besucher geschaffen, die Ortsansässigen konnten bei Bedarf daran partizipieren. Nun kommen kaum noch Berliner zur Schleuse, die Liebesquelle ist versiegt, wie der Strom der Touristen und die leerstehenden Geschäfte laden auch nicht zum Verweilen ein. Andere Gemeinden haben in den letzten 20 Jahren touristische Attraktionen geschaffen, Woltersdorf hat sich auch von dieser Entwicklung abgekoppelt. Wundert es da, dass auch das Ortzentrum verödet, denn viel Geld wird in anderen Einkaufszentren ausgegeben und die Euroreste können auch nur einmal ausgegeben werden.
      Ihr Vorschlag mit einer Umnutzung der Verkaufsflächen hat einen gewissen Scharm, würde den Investoren um unseren Stararchitekten wohl sogar gut gefallen, obwohl ihm dann ein neuer lukrativer Auftrag entgehen würde. Wichtig ist, es sollte nicht nur ein Bedarf dargestellt werden, sondern auch die langfristige Finanzierung und die Folgekosten. Da das Hallenprojekt real für derzeit 7 Woltersdorfer Schüler pro Jahrgang konzipiert wird und wenige Kulturveranstaltungen dort stattfinden würden, sehe ich noch nicht, wie das langfriste Kostenproblem gelöst wird, es sei denn, die Kommune will dauerhaft erhebliche Subventionen zahlen. Ich habe mal versucht, die unterschiedlichen Argumente beim Projekt Mehrzweckhalle zusammenzutragen. Sie können sich dies mal detailliert ansehen unter wwoltersdorf. Vielleicht fällt Ihnen noch etwas dazu ein. Ideen sind gefragt, bevor die Bagger endgültige Tatsachen schaffen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Bernd Brauer

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