Erste Hilfe auf dem Bahnhof Erkner

20 Minuten warten auf Hilfe - zu langeAls ich auf dem Bahnsteig 2 in Erkner ankam, zeigte die Uhr 10:15 an. Auf den Fliesen lag ein alter Mann, um seinen Kopf konnte man Blutspritzer erkennen. Weit und breit war kein Angestellter der Bahn zu sehen, so machte ich mich auf dem Weg zum S_Bahn Container, wo die Fahrkarten verkauft werden. Die Frau von der Bahn war im Bilde: „ist schon gemeldet“, beschied sie mich. Um 10:34 tat sich dann etwas, Einer, dem ein roter Schlips um dem Hals hing, ein Bahnmensch, tauchte auf und in der Ferne hörte ich ein leises Tü-ta-ta. Mein Zug kam, ich musste weg, bekam den letzten Akt nicht mehr mit.

Da lag ein hilfloser Mensch mindestens 19 Minuten auf dem Bahnhof Erkner, bevor sich der erste Bundesbahner um ihn kümmerte. Bis zum Eintreffen des Krankenwagens werden noch einige Minuten vergangen sein. Das dauert zu lange in Erkner.

7 Gedanken zu „Erste Hilfe auf dem Bahnhof Erkner

  1. renate

    Herzmassage … das soll wohl ein schlechter Witz sein. So was sollten nur dazu ausgebildete Menschen machen: Sanitäter und/oder Ärzte.

    Hier auf Bernd zu schimpfen – dazu noch anonym – halte ich für sehr schlechten Stil.

  2. renate

    Ich habe zwar auch den Führerschein … aber einen Verletzten würde ich NIE anrühren. Denn wenn etwas passierte, wäre ich dann möglicherweise noch schuld.

  3. G.Westerquelle

    Sehr geehrte Herr Bernds,
    Superleistung-hilflose Person und keiner leistet aktive Hilfe.

    Wie Sie wissen, ist jeder Bürger gesetzlich zur Ersten Hilfeleistung verpflichtet!!!

    Die anderen auf dem Bahnsteig befindlichen Personen sahen wohl einfach zu, wie Sie Ihren Fotoapparat zückten, anstatt aktiv zu helfen (z.B. Ansprechen der hilflosen Person, ev.Wiederbelebungsversuche/Herz-/Atmungsmassage etc.) oder die anderen Personen zur Hilfe einzubinden.

    So einfach kommt man nicht aus der Verantwortung.

    Ich schlage vor, erstatten Sie sofort Anzeige gegen Unbekannt (oder Bekannt) wegen unterlassene Hilfeleistung.
    MfG
    G.W.

  4. A.-M. Schramm

    Sind wir nicht alle auch Autofahrer?
    Erste Hilfe Maßnahmen am Unfallort gehörten bei meiner Führerscheinbeantragung dazu, doch das ist meist schon lange her.
    Der Begriff Stabile Seitenlage ist sicher auch nicht unbekannt, doch wie funktioniert er doch gleich?
    Ich muss nicht zum Sanitäter ausgebildet sein, um Erste Hilfe unmittelbar am Betroffenen leisten zu können.
    Und wenn ich mich zu Erster Hilfe nicht in der Lage sehe, dann sollte ich darüber nachdenken, vielleicht einen Auffrischungskurs zu besuchen. Kostet zwar ein paar Euro, ist aber für eine gute Sache und auch die Hilfsorganisationen freut es sicher, wenn mehr Menschen wissen, was zu tun ist, wenn Erste medizinische Hilfe gebraucht wird.
    Aber es gibt daneben noch einige andere Punkte zu hinterfragen.
    Wer hat sich denn sich um die Einweisung des Krankenwagens gekümmert und hat dafür bereit gestanden, den Sanitätern falls erforderlich den Weg frei zu machen, damit die Sanitäter möglichst schnell und ohne Umwege Hilfe leisten können. Vielleicht war auch noch der Einsatz eines Notarztes erforderlich, dem der Weg hätte gewiesen werden können.
    Hätte nicht auch der „Bahner“ zusätzliche Hilfe und Unterstützung vor Ort benötigen können?
    Und zuletzt immer die Frage, wann kann ich mir sicher sein, dass meine Hilfsbereitschaft nicht mehr benötigt wird?

    Ich muss meist nicht vom Fach sein, um im Notfall hilfreich sein zu können!

    Bitte ‚mal darüber nachdenken, versuchen zu verstehen und nicht gleich wieder zu ag(it)ieren!

    Danke
    AMS

    1. Bernd

      Lieber Herr Schramm,
      wenn Sie sich das Bild genauer angesehen würden, würden Sie sehen, dass sich der am Boden liegende Mann in einer stabilen Seitenlage befindet. Ebenso können Sie auf dem Foto sehen, dass der Bahnsteig nicht überbevölkert war und somit niemand irgendwelche Wege freihalten musste. Die Bahn hat sicherlich genug Personal, um allen Ärzten und Hilfskräften den Weg zu weisen, besser als ich es jemals könnte. Alle weiteren Fragen wird Ihnen gerne die Bahn beantworten, der Verletzte befand sich schließlich innerhalb ihres Hoheitsgebietes.

      Herzlichst
      Bernd

  5. A.-M. Schramm

    Liebe Redaktion,

    wenn ich mich mit der Mitteilung etwas genauer beschäftige, stellt sich mir die Frage:
    Hätte ich, wenn ich die hilflose Person wahrgenommen hätte, nicht zuerst einmal selbst erste Hilfe leisten sollen, sie versuchen anzusprechen, zu schauen, wie ernst die Lage ist und vielleicht sogar andere Passanten auffordern sollen, weitere Hilfe zu holen, um die verletzte Person nicht allein lassen zu müssen, ihr das Gefühl zu geben, da ist jemand, der kümmert sich und um den Ort des Geschehens erst zu verlassen, wenn ich mir sicher sein kann, dass der Verletzte in die Hände professioneller Hilfe übergeben worden ist.

    Und vielleicht hätte ich dann auch meinen geplanten Zug verpasst!

    Mich nicht selbst intensiv um den Hilflosen zu kümmern, um mir dann noch darüber Gedanken zu machen, warum die, die nach meiner Ansicht hier hätten schneller Hilfe leisten sollen, ‚mal wieder nicht funktioniert haben, empfinde ich dann doch als unangemessen.

    Denn wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann hätte ich auch nicht funktioniert.
    Mein Zug war mir wichtiger, ich musste weg, komme ich doch sonst nicht pünktlich zu meinem Termin, kann dadurch den letzten Akt zu meinem höchsten Bedauern nicht mehr miterleben. Schade, hätte ich doch so gerne noch berichten wollen, wer sich um diesen hilflosen Menschen, der da schon mindestens 19 Minuten auf dem Bahnhof Erkner unversorgt lag, dann doch noch zur Hilfe gekommen wäre.
    Zu ärgerlich, dass der Krankenwagen nicht schneller sein konnte. Das dauert mir einfach zu lange auf dem Bahnsteig in Erkner, so muss ich den Lesern meines Journals wieder einmal einen unvollständige Bericht abliefern, weil die Anderen nicht funktioniert haben!

    Erste Hilfe hört nicht damit auf, die Anderen um Hilfe zu rufen!

    Herzliche Grüße
    AMS

    1. Bernd

      Lieber Herr Schramm,
      wenn Sie aufmerksam gelesen hätten, wäre Ihnen bestimmt nicht entgangen, dass ich mich auf die Socken machte und den nächsten Bahnbediensteten auf den Vorfall aufmerksam machte. Danach blieb ich dort auf dem Bahnsteig, in der Nähe des Verletzten, bis ein Bahner vor Ort war. Von dem Augenblick ging die Verantwortung von mir auf den Bahner über und ich konnte meinen Zug nehmen. An dem Umstand, dass der Zug fast gleichzeitig mit dem Bahner eintraf, dafür kann ich beim besten Willen nichts. Aus welchem Grund sollte ich nun noch auf den Krankenwagen warten? Mehr Hilfe konnte ich nicht leisten, ich bin medizinisch nicht ausgebildet.
      Herzliche Grüße zurück
      Bernd

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