Ein unerwünschtes Geschenk

Heute Morgen um acht. Fest verankert mit einem Brötchen hebt eine Dohle schwerfällig vor unserer Haustür vom Weg ab. Mit dem gewaltigen Frühstück im Schnabel flattert sie einige Meter weit, landet, beäugt mich und Anton meinen Terrier misstrauisch. Wir wollen ihr das morgendliche Fest nicht streitig machen, gehen weiter, der graue Flattermann pickt beruhigt ins teigige Mahl. Vor unserem Eingang liegt noch ein einsames Kürbisbrötchen, im weiten Umkreis umgeben von zerfetzten Papierschnipseln. An der Türklinke hängt eine weitere Tüte mit Backwaren. Schön sieht das Arrangement nicht aus, mit einer Fächerharke vernichte ich es.

Wer hängt mir eine Tüte mit Schrippen an die Tür und verstreut in kleine Teilchen eine weitere Tüte mit fünf Brötchen im Garten? An der Tüte klebte ein Aufkleber, beschriftet mit unseren Namen, Wohnort und Inhalt der Tüte: 1 Norma, 1 Sesa, 1 Mehrk, 1 Kürbi und 1 Sonne, darunter stand das Wort „Probe“.

Der unbekannte Gönner wurde uns durch einen Flyer bekannt, den ich in der Schrippentüte fand. Da stand: Wriezener Backstube, Brötchenzustelldienst, frisch gebacken, früh geliefert, wir hängen die Brötchen an Ihre Haustür, froh gefrühstückt.

Froh und früh frühstückte, mit gutem Appetit, die Dohle. Mir blieb das Aufräumen im regnerischen Morgen und das Grummeln über das ungewünschte Geschenk.

Die „Wriezener Backstube“ möchte ich bitten, uns keine weiteren Präsente, insbesondere Teigiges, an die Türklinke zu hängen und im Vorgarten als Vogelfutter zu verstreuen. Wir füttern die uns besuchenden Gefiederten selber mit allen möglichen Körnern. Wir würden uns aber freuen, liebe „Wriezener Backstube“ wenn im nächsten Winter eine große, sehr große Tüte, Vogelfutter an nämlicher Türklinke baumelt.

Bis dahin möchte ich behaupten, diese Art der Werbung ist keine gute Idee. Wie leicht kann jemand die unbeaufsichtigten Lebensmittel manipulieren und dann?