Ein Hartzler und sein Amt – Teil 1

„Haste mal nen Euro“, so begann unsere Bekanntschaft mit Uwe in einem U-Bahn Waggon. Er erzählte, dass er obdachlos geworden war und sein Bett mal die Hasenheide, mal die U-Bahn oder S-Bahn sei. Er war uns symphatisch oder wars sein schwanzwedelnder Terrier. Uwe erzählte aus seinem verkorksten Leben, in dem all das was schiefgehen konnte auch schief gegangen ist, meist durch gekonnte Eigentore. Plötzlich, der Zug hielt quietschend, zog er die Tür auf, weg war er und die Unterhaltung verflüchtigte sich bei uns.

Zwei Wochen später hörte ichs wieder, diesmal vor dem Portal eines Berliner Bahnhofs: „Haste mal nen Euro“. Die Stimme kannte ich doch und die kurzbeinige Fußhupe auch. Ich nahm die beiden mit nach Hause, gab ihnen zu essen und trinken und dann wollte ich wissen, ob er sein restliches Leben als Penner auf einer Parkbank verbringen wolle. Uwe wollte gern ein eigenes Zuhause, aber wie? Sein gesamter Besitz hatte bequem in einem kleinen Backpack Platz. Kein Ausweis, fast keine Unterlagen, keine Kleidung, dafür hatte er einen grandiosen Schuldenberg errichtet, dessen Kuppe noch nicht erforscht ist.

Ich mietete ein billiges Zimmer in einer Wohngemeinschaft und Uwe konnte sich in einem Berliner Bürgerbüro anmelden. Er bekam einen vorläufigen Ausweis für 14 Euro. Jetzt wußte ich, weshalb er keinen Ausweis hatte, der Betrag war für Einen der vom Betteln lebt zu hoch. 14 Euro bedeuteten zwei Tage keinen Hunger zu spüren, wer gibt da Geld für ein Stück Papier aus. Den richtigen Ausweis hat er gleich mit beantragt und zwei Wochen später abholen können. Die erste Hürde war genommen, nun galt es eine kleine, billige Wohnung zu finden. Wir haben die Behausung in Rüdersdorf bekommen, es war nicht leicht, schließlich glänzte Uwes Biographie mit einigen Einträgen in der Schufa und die wurden noch von einer Eidesstattlichen Versicherung getoppt. Nun hat sich Uwe im Ort angemeldet und seinen Erstantrag bei der ARGE-Strausberg abgegeben.

Seit zwei Wochen wohnt Uwe in seiner kleinen Wohnung und fühlt sich wie neugeboren. Heute waren wir in Strausberg bei der ARGE oder wie der Volksmund es nennt, beim HartzIV Amt. Alles, Personalausweis und Wohnung haben wir in die Reihe bekommen, wir haben es fast geschafft. Nur fast, jetzt am Ende des Tunnels türmt das HartzIV Amt, die ARGE-Strausberg Probleme auf, vom Amt liebevoll selbstgebastelte Probleme und deren versalzene Suppe soll der Antragsteller auslöffeln, möglichst jeder. Über all das was wir mit dem Amt erleben, möchte ich hier in lockerer Folge, wie es sich ergibt, berichten. Es wird das Tagebuch eines HartzIV Antragstellers, der seinen Antrag stellt und was er dabei so alles erlebt, von Anfang an.

Auf die Idee bin ich gekommen, als ich bei Sozialhilfe24 einen Beitrag über die ARGE-Strausberg gelesen habe. Soviel Negatives, von so vielen Menschen, zu einem bestimmten Amt, konnte ich noch nie lesen.