Ein alter Fall, der nicht zur Ruhe kommt

27. März 2017 Aus Von BerndWohlers

Es ist eine reichliche Zeit her, da bekam ich einen anonymen Brief. Eineinhalb Zeilen lang, gedruckte Buchstaben, eine lange Rüge, Missbilligung, Kritik.

Die Wörter sagten: „Herr Wohlers, wo ist die ‚christliche Verantwortung‘ gewesen?, und wo ist ihr Kommentar/Verantwortung und Bericht, Hartz 4 hin oder her.“

Bis heute pappte die Mitteilung an meinem Monitor. Immer wieder las ich die Zeilen und fragte mich, was sollst Du dazu sagen, was kannst Du dazu sagen? Die Fakten bekam ich niemals zu Gesicht, die Polizei, wie viele Behörden, bedient nur die Presse die hauptberuflich Journalismus betreibt, wobei das Kriterium die Hauptberuflichkeit ist, alles andere ist nebensächlich. Die regionale Zeitung dieser Gegend habe ich nicht abonniert. Aus dem Rathaus dringt meistens nur Verweigerung. Über den Landkreis war bisher das Gleiche zu sagen, hier hat in diesem Jahr, nach der Wahl von Rolf Lindemann zum Landrat, ein erfreulicher Wandel eingesetzt. Somit erarbeite ich mir alle meine Themen, wie einst 1850 die ersten Zeitungsleute, unter recht schwierigen Bedingungen.

Mein Wissensstand war geringer, wie die des verärgerten Anonymus, der seinem Brief dankenswerter Weise eine Kopie eines Zeitungsartikels zum Missbrauchsfall beilegte. Auch der Artikel hing bald festgeklemmt am Monitor. Schreiben oder nicht schreiben, die Frage kam erst noch in weiter Ferne, dann immer drängender hoch.

Im März dieses Jahres kam das Geschehene in die Gemeindevertretung. Siegfried Bronsert (CDU) fragte danach. Ganz offensichtlich war sein Wissensstand nicht besser als meiner. Die Bürgermeisterin wollte oder konnte nichts dazu sagen, was ich durchaus verstehen kann. Nur Stefan Bley, ebenfalls CDU, verwies darauf, dass der Fall schon ein paar Jahre zurücklege, etwa um 2013. Das stimmt nicht ganz, wie ich heute weiß. Geendet hat es im Juli 2014 und es begann 2012.

In meinem Archiv fand ich, dass die damalige Leiterin der Kita, eine lebensfrohe Mutter von drei Kindern, im Januar 2014 Suizid begann. Wir alle rätselten, warum tat sie das. Ob sie dahinter kam, was in ihrer Kita geschah? Niemand kann es beantworten oder einen Zusammenhang zu dem Fall herstellen.

Soweit zur allgemein bekannten Faktenlage. Zur Tat, zum Täter kann ich nichts sagen. Pädophilie hat es immer gegeben und wird es wohl immer geben. Keinem dieser Menschen ist seine Krankheit auf der Stirn geschrieben. Erkannt wird es erst, wenn der Täter entdeckt wird. Bis zu diesem Punkt der Erkenntnis irgend jemandem eine Mitschuld zu geben, halte ich für falsch. Einzig, diejenigen werden mitschuldig, die versuchen die Tat zu vertuschen, zu verschleiern, klein zu reden.

Soweit ich weiß, wurde hier in Woltersdorf eisern geschwiegen. Zu der Zeit, 2014, stand ich der CDU und der Christlichen Kita recht nahe, dachte ich, was, wie ich lernen musste, ein Irrtum war. Die Nachfrage in der Gemeindevertretung, zweieinhalb Jahre später und die anonyme Mitteilung an mich sprechen eine eindeutige Sprache. Hier wollen Bürger mehr wissen, wollen sich mit dem Durchgesickerten nicht zufrieden geben. Vielleicht wäre die Christliche Kita gut beraten, den Fall, soweit es möglich ist, öffentlich aufzuarbeiten, der Bedarf danach scheint zu bestehen. Totschweigen ist immer der falsche Weg, nur Transparenz schafft Vertrauen.

Die auf mich zielenden Vorwürfe, wo meine christliche Verantwortung geblieben ist und meine Kommentierung zu finden sei, habe ich oben bereits beantwortet. Ich erfahre von solchen Taten nichts, die Polizei gibt sich nur mit hauptberuflichen Journalisten ab. Ob der Hauptberufliche seinen Job beherrscht oder nicht ist dabei völlig nebensächlich. Der Nebenberufliche bleibt hier immer außen vor. Somit können mich Vorwürfe dieser Art auf Grund der manchmal anachronistischen öffentlichen Verfahrensabläufe erst gar nicht erreichen. Dennoch, Danke für den anonymen Brief. Er hat mich täglich daran erinnert, dass hier noch etwas gesagt werden muss.