Drei Hüpfdohlen

In den Wipfeln, in den Nestern von Wolkenkuckucksheim herrscht helle Aufregung, denn es wird immer noch gewählt. Die Fronten haben sich verhärtet, die Vögel sind dünnhäutig geworden. In der aufgeheizten Stimmung wirkt die anonyme Note einer neuen Vogelinitiative wie ein Pulverfass. Dem bornierten Geier werden darin viele Schandtaten unterstellt, denen viele Vögel unbesehen Glauben schenken. So ganz anonym ist das Geschreibsel aber nicht, der Stil und einige andere Merkwürdigkeiten verraten dem Kundigen wer da seine Ideen zu Papier brachte.
Dafür kommen nur drei Hüpfdohlen in Betracht: ein Barbier, ein Brauer und ein Diener. Sie sind bekannt für ihre hinterhältigen Charaktere und grenzenlose Feigheit. Einst wollten sie den Geier stürzen, selbstverständlich nur aus dem Hinterhalt und bedrängten den Anführer der Tauben mit ihnen gegen den Tyrannen zu kämpfen. Die Taube kannte die drei noch nicht und verbündete sich mit den Hüpfdohlen. Kurz vor dem Ende der Wahl liefen die Hüpfdohlen geschlossen, still und heimlich zum Schmutzfinken über, sie hofften mit seiner Hilfe den bornierten Geier noch sicherer in den Hades zu schicken.
Das Ende ist allen Vögeln in Wolkenkuckucksheim bekannt, die Tauben verloren die Wahl, die Hüpfdohlen sind in heller Aufregung, weil sie fürchten bald vom Geier gehackt zu werden. Da haben sie eben mal auf die Schnelle ein Notenblatt verfasst, das soll sie nun vor den tödlichen Schnabelhieben des höhnischen Geiers und seinen Hofschranzen schützen. Ob es ihnen gelingt – ich bin sehr gespannt.

Ein Ergebnis gibt es inzwischen, vom Geier hat der Schmutzfink seine Belohnung nicht bekommen, das freut die Tauben ungemein. (Der Fink kommt in anderen Fabeln aus Wolkenkuckucksheim vor)