Die Kleinen als Werbeträger

Schaue ich mir die Fotos an, sehe ich eine größere Anzahl Kinder. Diese Kinder tragen Trikots mit Werbung, Werbung für einen Mann, der wie zu lesen ist sich Michael Hauke nennt. Wer hat die Jungs animiert, als Litfaßsäule für diesen Mann umherzurennen? Ihr Sportverein, schleppen die Boys doch ein Schild mit dem Namen: SV Woltersdorf … Jahrgang 2002, mit sich herum. Da lässt der SV-Woltersdorf zehnjährige Kinder, die ihr Tun nicht im geringsten abschätzen können, Reklame laufen. Können Zehnjährige abschätzen, für was sie da verwendet werden? Nein, können sie nicht, sie freuen sich ihres Lebens, schleppen den Fummel umher, halten den edlen Spender für einen Freund, der ihnen etwas schenkte.

Bei den Verantwortlichen des SV Woltersdorf sieht das schon anders aus. Sie sind erwachsen, tragen die Verantwortung für ihre Schützlinge. Auch beim Trikot, ihrer Kindermannschaften, sollten sie genau hinsehen, sich Gedanken machen. Gedanken wie: können wir es verantworten, unsere Schutzbefohlenen als Werbetafel für Dinge die sie noch nicht begreifen aufs Feld zu schicken? Oder, sind es uns die paar Euro, die wir bei den Trikots sparen wert, unsere Kinder als Werbeträger zu missbrauchen? Oder, für welches Unternehmen, für welche Organisation, für welchen Kommerz, für welche politische Richtung geben wir unsere Kinder her?

Kleine Kinder Werbung schleppen lassen, für Menschen oder Organisationen, die politische Meinung transportieren, ob die richtig oder falsch ist sei dahingestellt, halte ich für besonders verantwortungslos. Kinder wurden im Laufe der Geschichte mit schwarzen, blauen und roten Halstüchern für politische Parteien und Diktatoren und deren Ziele ins Rennen geschickt. Auch wenn die Kinder Trikots für demokratische Parteien, mit ehrbaren Zielen, herumschleppen, werden die Kinder missbraucht, denn sie können noch nicht erkennen was dahintersteckt.

Der Hauke-Verlag aus Erkner, zu dem auch der „Kümmels Anzeiger“ und die „Fürstenwalder Zeitung“ (FW) gehört, transportiert in seinem Blättchen, außer Annoncen auch Meinung, politische Meinung und Meinungsmache. Politische Statements, die viele Woltersdorfer Eltern nicht teilen wollen, dennoch sollen deren Kinder Litfaßsäule für den Transporteur der politischen Meinung sein? Hier ist der Vorstand des SV Woltersdorf gefragt, eine Lösung zu suchen. Unsere Kindern haben es nicht verdient für einen Verlag, der in seinen Postillen politische Meinung verbreitet, erst recht nicht wenn sie den Boden der Sachlichkeit verlässt, Reklame zu laufen.

Mein Sohn spielte auch Fußball, die Trikots kauften wir Eltern und darauf war nur das Logo des Vereins zu finden. Das solltet ihr auch euren Kindern und Schutzbefohlenen gönnen.

  1. Johann

    Euer Abgeordnetenhaus sollte sich einmal mit den Zuschüssen an den Sportverein befassen. Manchmal weckt ein Blick in den Geldbeutel das demokratische Grundverständnis

    1. Bernd

      Nu mal nicht so scharf auf den SVW ballern, der muss sich ja erst einmal klar werden was da plötzlich passiert ist. Ich glaube, die im Vorstand des SV werden es sich nicht leicht machen, also abwarten und Tee trinken.

  2. Minerva McGonagall

    Gegen Kultur- und Sportsponsoring ist ja prinzipiell nichts einzuwenden,
    es findet überall statt und macht vieles möglich.

    ABER:
    Der hier geschilderte Fall verdient etwas mehr Aufmerksamkeit.

    Unternehmer / Verleger Hauke ist Mitglied des Sportvereins und Förderer des Vereins, wie andere Unternehmer aus Woltersdorf auch.
    Unternehmer und Sponsor Hauke verlegt Anzeigenblättchen im Landkreis,
    z.B. „FW“ und „Kümmels Anzeiger“, er verkauft in seinem Geschäft in Erkner Tickets u.a. für Konzerte, Fußball, Eishockey und die Berliner Theater – ein sehr nützliches und gutes Angebot.
    Auch das kann man ihm im Prinzip nicht zum Vorwurf machen.
    Er hat offensichtlich Anzeigenkunden, die seine Blättchen finanzieren – auch das ist nicht ehrenrührig, wenn es denn für alle Seiten stimmig ist.
    Auch, dass Herr Hauke eine politische Position bezieht und von der Pressefreiheit Gebrauch macht, ist sein gutes Recht.

    Solange seine Anzeigenkunden bereit sind, ihm seine politische Meinungsäußerung in der Anzeigenpostille zu bezahlen.

    Da haben alle Seiten das Recht, Verträge auszuhandeln – also Vertragsfreiheit.

    Nicht allen Anzeigenkunden gefällt jedoch diese politische Stimmungsmache, und immer öfter hört man, dass Unternehmer auf eine Anzeige in den Hauke-Blättchen lieber verzichten, weil sie auf gar keinen Fall mit der populistischen Propaganda für den Woltersdorfer BM in Verbindung gebracht werden wollen.

    Denn der einzelne Anzeigenkunde will es sich seinerseits zurecht nicht mit seiner Kundschaft verderben.

    Auch unter den Adressaten – nämlich z.B. den Woltersdorfer Bürgern gibt es zunehmenden Unmut, wenn am Wochenende die Hauke-Blätter mit ihrem Agit-Prop ins Haus flattern.

    Man hört und sieht, dass immer öfter an den Briefkästen Aufkleber mit der Ablehnung von Postwurf- und Werbesendungen zu finden sind.

    Man will einfach den Bürgermeister-Sprech nicht mehr lesen.

    Da müssen sich die Anzeigenkunden fragen, ob sie ihr Werbebudget
    nicht an anderer Stelle besser investieren sollten und ob sie bereit sind sich vor andererleuts politischen Karren spannen zu lassen.
    Aber das kann deren Problem sein.

    Nach diesem Exkurs zurück zum Thema Sportverein:

    Der SV Woltersdorf.

    Nun scheint der Herr Hauke, ebenso wie der Dr. Vogel, ein irgendwie gebrochenes Verhältnis zum Rechtsstaat und der demokratischen Willensbildung und Entscheidungsfindung beispielsweise in der Woltersdorfer Gemeindevertretung zu haben, so konnte man es wiederholt lesen.

    Auch unterstützt der Herr Hauke den Dr. Vogel sehr in seiner Grundhaltung, dass für ihn die kommunalrechtliche Verpflichtung, Bürgermeister aller Woltersdorfer zu sein und in dieser Hinsicht als Verwaltungsbeamter eine gewisse Neutralität zu wahren (dafür wird er von uns Steuerzahlern schließlich bezahlt) , außer Kraft gesetzt ist.

    Vielmehr meinen beide Herren irrtümlich, Woltersdorf befände sich seit mehr als zwei Jahren in einem permanenten Wahlkampf.

    Vor diesen permanenten Wahlkampfkarren werden nun die kleinen Fußballerinnen und Fußballer gespannt, ohne dass sie wissen oder verstehen können, welchen und wessen Karren sie ziehen.

    Der Sportverein, unter dessen Dach das alles passiert,
    verpflichtet sich laut seiner Satzung zur Gemeinnützigkeit.
    Das macht Spendern das Spenden leichter und befreit von manchen Steuerpflichten.

    Der Sportverein verpflichtet sich gleichzeitig, sein Angebot allen Interessierten ohne Einschränkung zu ermöglichen, Kameradschaftlichkeit, Leistungsorientierung und Humanität hochzuhalten.

    An dieser Stelle muss man sich fragen, ob dies noch gegeben ist, wenn ein Mitglied und einer der örtlichen Hauptsponsoren des Sportvereins sich mit öffentlichen Drohgebärden gegenüber der Mehrheit der Gemeindevertreter und wiederholt immer wieder gegen einzelne Bürger hervortut.

    Der Sportverein täte gut daran, diesem Vereinsmitglied und Sponsor vielleicht mal die eigene Satzung zu erläutern oder sich besser von diesem Sponsor zu trennen.

    An einem Verlust der Gemeinnützigkeit kann dem Sportverein jedenfalls nicht gelegen sein, aber das wird letztlich das zuständige Amtsgericht überprüfen.

    Minerva

  3. Johann

    Umsonst? Der Trikotspender erhält ein Maximum an Werbung oder Propaganda, für ein Minimum an Geld. Obendrein erhält er eine Spendenquittung, die mindert sein Einkommen und damit seine Einkommenssteuer. So zahlen am Ende die Steuerzahler dem gewitzten Geschäftsmann die Spenden und Trikots. Sehr teuer zahlt ihr, für ein paar Peanauts lasst ihr eure Kinder als Werbebotschafter alles zeigen, was der Propagandist möchte.

  4. Thorsten

    Heute ist es leider notwendig geworden das man Sponsoren für bestimmte Dinge findet.So auch die Trikos die getragen werden…ich finde darin überhaupt nichts verwerfliches! Zumal es sich um jemanden handelt der im Ort wohnt und mit dem Sportverein verbunden ist. Ich find es gut das sich jemand gefunden hat!!!!

    1. Bernd

      Mag ja sein, nur der Spender sollte sich dann nicht politisch einer Person verbunden fühlen und in seiner Postille gegen den Rest der Gemeindepolitiker unsachliche Polemik betreiben. Das ist der Pferdefuß, ein Verlag, der sich so einseitig der politischen Landschaftspflege verpflichtet fühlt, sollte seinen Verlag nicht mit unschuldigen Kindern bewerben.

      Wir haben Anno Tobak sehr wenig verdient und kauften unseren Kindern die Trikots aus eigner schmaler Kasse und das soll heute nicht mehr möglich sein? Das klingt eher nach der heute üblichen – alles umsonst – Mentalität

  5. Dorit

    Propaganda ist Werbung, wenn es sich um Politik handelt

    Kinder sind besonders anfällig für verschiedene Arten von Propaganda-Techniken. Sie können nicht argumentieren, um zu entscheiden, ob eine Nachricht Propaganda ist oder nicht. Sie sind stark von Medien fasziniert und beeinflusst von dem Verhalten ihrer Altersgenossen. Sie assimilieren Propaganda wahllos. Eigentlich die meisten von uns an vielen Punkten der Zeit zum Opfer fallen, Propagandisten und sind versucht, Dinge, die sie zwingen uns zu tun!

    1. Bernd

      Das ist ja die Crux – Kinder als Werbemittel zu nutzen ist sehr umstritten, sie aber für politische Parteien, einen sich politisch betätigenden Verlag, einer Zeitung, die politische Ziele verfolgt, als kindlich lächelnde Propaganda zu nutzen – nicht sehr schön.

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