Die EU und Miles and More

miles and more

Jeden Tag lese ich ’s, wir sind richtig pleite. „Wir sitzen nun alle in einem Boot und müssen die Folgen der Krise solidarisch, mit vereinten Kräften schultern“, so ungefähr empfahl es der Steuermann der Deutschen Bank, Ackermann. Zuvor bei sonnigen Zeiten, mit den vielen Gewinnen, da haben die uns nicht ins gemeinsame Boot eingeladen, eher noch den Rettungsring weggenommen. Jetzt bei schlechten Wetter sollen wir – nein müssen wir mit einsteigen. In Europa-Dimensionen denkende Politiker, die sich dem Wohle der Banken etc. verpflichtet fühlen, haben den EU-Völkern diese Diät zum Wohle aller verordnet, wirklich aller?

Sich selber haben die EU Granden mit dem Sparen aber wohl nicht gemeint. Da steigen sie schnell wieder aus, aus dem alliierten Boot für alle. Um uns das gemeinsame „Riemen enger schnallen“ zu erleichtern, haben sie sich eine Notverordnung übergestülpt:

Neue Verordnung erlaubt Parlamentariern Business Class Flüge und privates Meilensammeln

Unsere 736 EU Abgeordneten werden dann von Champagner reichenden Stewardessen verwöhnt durch die Gegend fliegen, auch wenn ’s mal nur um die Ecke ist. Obendrein dürfen sie ihre im Dienste der EU erworbenen Bonusmeilen für sich privat verballern. Da haben wir auch den Grund: Je teurer der dienstliche Flug, um so schneller wächst das private Bonuskonto. Ein Business Class Flug ist meist zwei- bis dreimal so teuer, wie ein Economy Class Flug. So richtig zuzulangen haben unsere Volksvertreter sich wohl nicht getraut. Warum nicht gleich First Class Flüge? Das erst bringt richtig Schotter fürs eigene Miles and More Konto. Die Bescheidenheit unserer EU Parlamentarier treibt mir die Tränen in die Augen.

Der Boss vom Bund der Steuerzahler, Karl Däke, findet es dreist, dass sich Politiker in Zeiten einer Wirtschaftskrise Luxusflüge vom Steuerzahler bezahlen lassen.

Mit der Reform soll die Kostenerstattung von Reisen transparenter werden, so der CSU Europaabgeordnete Ingo Friedrichs. Jetzt werde nur noch der Preis erstattet, der auf dem Ticket steht. Früher mussten sich die Abgeordneten mit einer Pauschale abfinden, selbst wenn der Flug viel, viel billiger war.

Anno 2002 hat der Grüne, Cem Ödzdemir in Berlin wegen so einer Miles and More Affäre sein Mandat verloren und wurde EU Paramentarier. Jetzt, sieben Jahre rackert er sich schon in Brüssel ab, endlich wieder Miles and More fürs Private und alles ganz legal.

Zum Teufel mit solch einer Europäischen Union und ihrer Einladung zur Bootsfahrt, Arm in Arm.

  1. harDi

    dieses system ist auch keine alternative zu dem vorgängersystem, was wir hier in neu-5-land vorher hatten, und was sich sozialismus geschimpft hat. schade dass die, denen das 1989 schon klar war, sich bei den demos nicht durchsetzen konnten.

    dein artikel hat mir gefallen.
    lg dirk

    1. Bernd

      Das die sich nicht durchsetzen konnten bedaure ich auch, aber wer konnte dem Fleischberg Kohl etwas entgegensetzen?
      LG Bernd

  2. Renate

    Wir sind pleite? Da lachen ja die Hühner. Mehr als 5 Milliarden (Steuergelder) für das Verschrotten von Autos, die gut und gern noch durch die Gegend rollen könnten. Mehr sage ich nicht dazu, sonst müsste ich mich aufregen.
    Leicht erregter Gruß von Renate

    1. Bernd

      Jo, ich hatte mein ziemlich altes Auto in der Werkstatt und der Meister stöhnte, „wenn das so weitergeht, muss er Leute entlassen“ Die Reparaturaufträge brechen weg. Tausende kleine Pleiten kratzen keinen, die Pleite eines Großen, wo sie in den Aufsichtsräten sitzen, muss verhindert werden. Politik – wieder mal zu kurz gedacht – keine Ahnung von nichts.
      Ich hab das Thema schon mal vor einer Weile unter der Feder gehabt und ich glaube meine Meinung von damals bestätigt sich.
      http://www.bernds-journal.de/abwrackpramie/
      Lieben Gruß
      Bernd

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