Bürgermeisters Moderator mag keinen Tonmitschnitt

10. August 2013 Aus Von BerndWohlers

Heute Nachmittag trieb es mich zum Sommerfest an die Schleuse. Toll war’s nicht, was ich da sah, ein paar Buden, zwei Bierwagen, die auf Kundschaft lauerten. Kein Vergleich mit den Sommerfesten früherer Jahre. Die einsamen Buden waren auch nicht mein Antrieb das geschrumpfte Sommerfest zu besuchen. Ich wollte den Vorsitzenden des Vereins Krokodilsbucht e. V. Dr. Peglau hören, der sich zu einem öffentlichen Small Talk mit Christoph Albert auf der am See aufgebauten Bühne verabredet hatte.

Christoph Albert moderiert nun schon seitdem wir einen neuen Bürgermeister bekamen, dieses öffentliche Sommerfest. Ich gehe mal davon aus, dass der Bürgermeister sein Auftraggeber ist und für alles, was der Moderator da auf der Bühne abzieht selbstverständlich auch die volle Verantwortung übernimmt. Ach ja, der Mittelstandsverein mit seinem Führer, Wilhelm Diener von Abluft-Diener zählt wohl auch zu den Ausrichtern und ist dann ebenfalls in der Verantwortung für das, was der Moderator so von sich gibt.

Albert macht diesen Job gar nicht schlecht, ich beobachte ihn dabei ganz gern. Heute muss der gute Mann aber mit dem linken Fuß aufgestanden sein und der gute Geist ihn für einen kleinen Moment verlassen haben.

Was war passiert? Dr. Peglau vom Verein Krokodilsbucht e.V. und der Moderator Albert betraten die Bühne. Darauf hatte ich gewartet, schrieb ich doch gerade einen Artikel über den Verein und wollte dem Text eine Tonaufnahme anhängen. Also schaltete ich mein zu groß geratenes Aufnahmegerät ein und wartete auf das kommende Gespräch.

Vergeblich, Christoph Albert sah meine Blackbox und begann über die gewaltige Lautsprecheranlage, eine übers halbe Dorf verbreitete Ansprache an mich. Ich will’s kurz machen, Christoph Albert, der als Regisseur die geltenden Gesetze kennen dürfte, verbot mir Tonaufnahmen zu machen, weil ich ihn nicht um Erlaubnis gefragt habe. Ja, er ging so weit, dass er mir mit quer durchs Dorf hallender Stimme den Sicherheitsdienst auf den Hals hetzen wollte. Meinen Einwand, dass ich rechtmäßig aufnehme, wischte er weg. Was soll’s, Christoph Albert befand sich momentan in der stärkeren Position und mit seinen Auftraggebern, Bürgermeister und dem Führer des Mittelstandsvereins, im Schulterschluss. Also verzichtete ich auf die weitere Aufnahme, was Christoph Albert veranlasste, das Auditorium aufzufordern, mich zu beklatschen. Die Show, lieber Moderator war wohl nicht dolle, denn es klatschte nicht einer. Das sagt allerhand über die Qualität ihres Auftritts, darüber sollten Sie einmal in Ruhe nachdenken. Leidtragender ist der Verein Krokodilsbucht, sein Artikel wird nun niemals mehr beendet werden können. Danke, Herr Albert. Über den Rest schweigen wir, es würde zu Weit führen.

Gerne mache ich es nicht, eines so erfahrenen Regisseurs und Moderators Rechtskenntnisse aufzufrischen. Dennoch, es muss sein, er könnte ja mal an einen kommen, der keinen Spaß versteht.

Fakt ist § 48 UrhG sagt: Zulässig ist die Vervielfältigung und Verbreitung von Reden über Tagesfragen in Zeitungen, Zeitschriften sowie in anderen Druckschriften oder sonstigen Datenträgern, die im Wesentlichen den Tagesinteressen Rechnung tragen, wenn die Reden bei öffentlichen Versammlungen gehalten werden.

Im Strafrecht sieht’s ähnlich aus § 201 StGB sagt: Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer unbefugt das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt oder eine so hergestellte Aufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht.

Die Betonung, lieber Herr Alberts, liegt hier eindeutig auf – nichtöffentlich. War ihr Auftritt mit Dr. Peglau nun öffentlich oder nichtöffentlich? Darüber sollten Sie einmal nachdenken. Die Tonaufzeichnung werde ich nicht veröffentlichen, Sie wird mich noch oft an Sie erinnern. Vielleicht hören wir sie uns ja einmal gemeinsam bei einem Gläschen Wein an.