Woltersdorf – Ein giftiges Naturerlebnis?

Der Naturerlebnisgarten der Gemeinde Woltersdorf


An der Ecke Heidelberger und Rüdersdorfer Straße soll ein Natur-Lehrpfad auf einem Teil eines Grundstücks, das Toralf Kisan gehört, entstehen. Das besondere an dem Gelände ist, dass es schon während der vierziger Jahre als wilde Müllkippe in Gebrauch war. Was mögen die Woltersdorfer wohl von damals bis heute dort abgekippt haben, Öl, Karbid, Farbreste, alte Medikamente, Cadmium, Quecksilber, Zink, Säuren, Laugen, Asbest und was es noch so alles gibt, dass besser auf eine Müllkippe verschwindet als im eigenen Garten.

Ein Naturlehrpfad für die Kleinen aus den Kindergärten und den Jugendlichen aus unseren Schulen, dazu ein Mehrzweckhaus für Senioren, Vereine und Kinder im Hundertwasserstil auf solch einem Gelände? Eine Antwort erhielten wir bereits 1993, da wurde auf dem Gelände tief in die Erde gebohrt, 21 Metern tief hinein in das einstige Müllparadies. Das anschließend erstellte Gutachten von Dames & Moore kam zu dem Schluss, die ermittelten Werte sagen, dass das Gelände für eine sensible Nutzung als Gärten und Kinderspielplätze ungeeignet ist.

Nun gut das war 1993 und inzwischen mögen sich alle ungeeigneten Werte in Luft aufgelöst, mögliche Schadstoffe auf wundersame Weise nicht mehr auffindbar sein. Also ran ans Gelände, ein neuer Versuch dort etwas Kindgerechtes zu beginnen. Ob die Verantwortlichen so dachten, ist mir nicht bekannt. Bekannt ist aber, vorsichtshalber beließen sie es dabei, eine Bodenuntersuchung nur in 35 cm unterhalb der Landoberkante durchzuführen. Mit dem genialen Einfall, anstatt 2100 nur 35 Zentimeter in die Tiefe zu gehen, ist doch das Risiko auf unliebsame Tatsachen zu stoßen erheblich minimiert worden, was einem neuen Gutachten doch sehr zugutekommt. Ob es unseren Kindern und den später nachrückenden Senioren auch gut bekommt, ist eine andere Frage und vielleicht nicht so relevant, wie gute Geschäfte machen.

Damit haben wir den Rahmen abgesteckt, auf dem der Naturlehrpfad von Toralf Kisan gebaut und bereits von unseren Kindern genutzt wird. Am 14. Juli schrieb eine Zeitung, dass sich Katrin Fleischer vom Verein „Alte Schule“ mit Kindern aus der Grundschule und der FAW dort plagte. Erwähnt wird auch die Christliche Kita, die ihre Kleinen dort alles Bestaunen ließen und offerierte ein Foto mit umherhüpfenden, strahlenden Kindern. Eine gründliche Bodenuntersuchung nach Paragraf 12 BauGB hat zwar nicht stattgefunden, vorsichtshalber blieb es beim beschleunigten Verfahren nach Paragraf 13 BauGB, aber das ist wohl in Anbetracht des Vergnügens zweitrangig.

Die altgediente Müllkippe muss es Katrin Fleischer und ihrem Naturpflegeaktiv sehr angetan haben, schon im August wollte sie Kinder bei einem Spaziergang die Entwicklung des Geländes näherbringen. Spechtstation, Barfußpfad und ein Feuchtbiotop sollten bewundert und erfahren werden. „Pflanzen retten und Mundräubern“, so das Credo der kindlichen Veranstaltung. Mundräubern – sollten die Kinder etwa die dort wachsenden Kräuter und Beeren futtern? Von einer ehemaligen Müllkippe? Ohne ausreichende Untersuchung auf die Unbedenklichkeit des Geländes?

Warum Katrin Fleischer es so eilig hatte, unsere Kinder zum giftig schimmernden Tümpel hinzuschleppen kann ich nicht sagen.
SAM_4558
Sieht doch der Naturlehrpfad aus wie angefangen und dann liegen gelassen. Spechtstation, Barfußpfad und Feuchtbiotop, ein Teich im Feuchtbiotop mahnte mich mit seiner giftgrünen, schlammigen Oberfläche Abstand zu halten, sicher ist sicher.
Es ist ein netter Gag für fünf Minuten und bestimmt ausbaufähig zu einem wirklichen Naturpfad, wenn es denn wirklich durchgeführte gründliche Bodenuntersuchungen zulassen.

Zumindest die Bürgermeisterin behielt einen klaren Kopf und untersagte das fragwürdige Naturerlebnis, Gärten anlegen und futtern von fragwürdigen Beeren, vielleicht auch ein Schlückchen aus der giftgrünen Tümpelpampe.

Bei aller Fragwürdigkeit der Geschehnisse bleibt doch die Ahnung, für den Grundstückseigentümer müssen die Aktionen von Katrin Fleischer und deren mediale Begleitung in der örtlichen Zeitung eine willkommene und kostenlose Werbung gewesen sein. Jetzt weiß jeder, da werden Grundstücke verkauft. Katrin Fleischer mag ich bloß das Lesen von Sprichwörtern empfehlen, wie „Schuster bleib bei deinen Leisten“. In der DDR-Pionierorganisation war Umweltschutz wohl eher ein kleingehaltenes Thema und damit sei vieles jetzt Geschehene entschuldigt.

  1. Bernds Journal

    Liebe Frau Elsner, ein giftiger Beitrag – wahrlich – treffender kann es nicht gesagt werden. Cadmium, Quecksilber und Zink sind wahrhaftig, absolut sicher, tödlich giftig

    Ihr und anderer Personen Engagement in Ehren, an den guten Absichten der Mitwirkenden möchte ich keinen Augenblick zweifeln. Darum geht es in dem Artikel auch nicht, es geht einzig darum, dass hier eine Gemeindeverwaltung zusah, wie überagierende Erwachsene unwissende Kinder in eine wohl nicht ausreichend untersuchte Müllkippe zum Spielen etc. führten. Hier ist aus meiner Sicht der FAW und auch der Grundschule vorzuwerfen, bei der Betreuung ihrer Schutzbefohlenen völlig versagt zu haben. Katrin Fleischers Bemühungen weitere Kinder auf die einstige Müllkippe zum Verkosten und spielen zu führen sind ja Gott sei Dank von der Bürgermeisterin gestoppt worden. Warum Frau Decker das Treiben der beiden Schulen nicht unterband, ist unmöglich zu verstehen.

    Nun einmal zu den Fakten. Im Bauausschuss, September 2015, bemängelte der Vorsitzende des Ausschusses Gutjahr, dass bei Kisans Gutachten nur bis zu einer Tiefe von 35 Zentimeter gegraben wurde. Dabei wurden Cadmium, Quecksilber und Zink in erhöhter Konzentration gefunden. Frage, was würden sie wohl alles finden, wenn sie gründlich bis 21 Meter tief gebohrt hätten. Zweite Frage, wäre ein Gutachter, dessen Auftraggeber nicht Kisan heißt, womöglich noch zu anderen Ergebnissen gekommen.

    Die Gutachten von 1993 und 2015 konnten wir nicht einsehen, das ist der gänzlich fehlenden Transparenz, die diese politischen Führung pflegt, zuzuschreiben.

    Sie, liebe Frau Elsner wünschen sich eine -entgiftete Stimmung- in Woltersdorf. Bis Oktober 2015 konnte kein ehrlicher Mensch in Woltersdorf frei atmen, so vergiftet war die Stimmung. Mit der Abdankung des Bürgermeisters reinigte sich auf wunderbare Weise die vergiftete Stimmung blitzartig. Nur zwei übrig gebliebene, jetzt orientierungslose Anhängsel der alten Schickeria giften noch aus dem letzten Loch und suchen verzweifelt Anschluss bei den Parteien.

    Mit freundlichen Grüßen
    Bernds Journal

  2. Christine Elßner

    Ach, Herr Wohlers, was für ein „giftiger“ Beitrag, war das wirklich notwendig.

    Ich verfolge das „Kisan-Projekt“ seit März 2015 und habe über die Zeit einen „Investor“ kennengelernt, der sich auf seiner redlich erworbenen privaten Grundstücksfläche neben der Entwicklung von Baugrundstücken, wir leben im Kapitalismus und man muss von etwas leben, einen gemeinnützigen Traum auf eigene Kosten verwirklichen will: das Projekt „Natur-Erlebnisgarten Woltersdorf“, für das ein geordnetes B-Plan-Verfahren läuft.
    Die Fläche entlang der Rüdersdorfer Straße zwischen Heidelberger Straße und ehemaliger Turnhalle ist Wald, in dem in Abstimmung mit der Forst ein Naturlehrpfad entsteht.
    Die anschließende Fläche bis zur Saar- und Wilhelm-Tell-Straße wird sich vielfältig entwickeln, mit Garten der Sinne,Schrebergarten, Kräuterspirale, asiatischem Bereich u.s.w., eine natürliche Wunderwelt für Kinder, Betätigung für Jugendliche und weitgehend behindertengerecht.
    Ein bisschen verrückt ist das ganze schon auf diesem schwierigen Gelände, aber es ist auch schon eine ganze Menge angelegt und zu sehen.
    Herr Kisan ist ein Macher, der die Information über sein Vorhaben und die Akzeptanz dafür durch die stückweise Entstehung von „Bildern“ befördern will.
    Dafür und um die Idee der naturpädagogischen Nutzung des Geländes fortzusetzen, fanden vom 13. bis 15. Juli Projekttage von Grund-und Gesamtschule (FAW) statt. Diese Projekttage hatten eine längere Vorbereitungszeit und dann eine professionelle Leitung durch Birgit Schürmann vom Naturschutzaktiv Schöneiche und Katrin Fleischer von der Alten Schule.
    Ich selbst habe an zwei Vormittagen mitgewirkt und Kinder bei der Umsetzung ihrer Teilaufgaben am Gesamtprojekt unterstützt, so wie andere Woltersdorfer, Lehrer und Sozialarbeiter auch. Es war anstrengend, aber auch eine wunderbare Gelegenheit, Kinder im aktiven Einsatz für eine natürliche Umwelt zu erleben. Und ich habe Mirabellen „genascht“.
    Und nun „Deponie !!!“ und der abrupte Abbruch dieser Initiative, der die Eltern verunsichert und die Akzeptanz vielleicht nachhaltig beschädigt.
    Ich kenne die Bodenuntersuchungen aus 2015 (übrigens 60cm statt 35cm tief) und die Stellungnahmen des Umweltamtes und hatte keine Bedenken, so oft ich mich auf dem Gelände bewegte.

    Nun also: „Schadensbegrenzung“ und mein Vorschlag an Herrn Wohlers:
    Eine Recherche über den aktuellen tatsächlichen Stand der „Deponie-Überprüfung“ und Überlegungen zu der möglichst frühzeitigen Entlassung der Flächen für den Natur-Erlebnisgarten Woltersdorf in die geplante Nutzung.
    Das wäre wahrscheinlich mal ein echter Beitrag für die „Entgiftung“ der Stimmung in Woltersdorf.

    Übrigens: Die „Schutzhütte“ am Zugang zum Lehrpfad ist ein „Bild“ für das „Märchenhaus“ (mit öffentlicher. Toilette und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten).
    Der Stil hat nun wirklich gar nichts mit „Hundertwasser“ zu tun, sondern es handelt sich um „…märchenhafte Holzhäuser“ der Firma CasaKaiensis.
    Und das Design für das „Märchenhaus“ ist so wunderbar, dass ich mir wünsche, dass es unbeschadet den Übergang in eine Baugenehmigung nach Brandenburger Vorschriften (mit Statik, Höhe, Fläche…) bewältigt.

    Christine Elßner 27. August 2016

Kommentare sind geschlossen.