Vereinsförderung – Ein seltsamer Antrag

Ich habe mir einmal die Webseite der Erkneraner Woltersdorfer Karnevalgemeinschaft e.V. (EWG) angesehen. Da fällt mein Blick auf Bilder von Damen in edlen Abendroben, Herren im Smoking mit glitzerndem Blech am Band geschmückt. Wertvolle Jeckenkostüme der Darsteller, quellen samt Inhalt, aus allen Ritzen. Es sieht alles so gediegen aus, nein das ist falsch ausgedrückt, es sieht aus, als ob im EWG der Hochadel mit Pomp und Gloria residiert.

Pomp und Gloria kostet einen pompösen Batzen Euros und an die verschwenderische Pracht der aufgedonnerten Ladies and gestylte Gentlemen sollen sich Woltersdorfer Steuerzahler beteiligen, so die Vorstellung der Jeckengesellschaft. Auch die Masse der Woltersdorfer, die sich Mangels Masse kein Abendkleid, keinen Smoking und kein Blech mit Glassplitter am Bandl um den Hals leisten kann. Doch die Jecken dachten logisch, ist es doch seit Jahrtausenden guter Brauch aller Regierungsformen, den Armen zu nehmen und den Reichen zu geben.

Schauen wir uns doch einmal um, in dem bedürftigen Verein der Karnevalisten. Verarmt, von Hungersnot bedroht, muss er ja wohl sein, hätte er sonst um Vereinsförderung gefleht? Denn die Förderrichtlinien von Woltersdorf sehen nur eine Förderung bedürftiger Vereine vor.

Die Satzung der honorigen Gesellschaft muss entstanden sein, als die EWG e.V. bessere Zeiten sah. Damals, 2012, tröteten die Gentlemen, wir zahlen unsere Feten, unsere Speisen, unseren Champagner allein, jedenfalls verstehe ich ihre Satzung so. Denn da steht in Paragraf 9, Abs. 1: Der Verein finanziert sich aus Beiträgen, Veranstaltungseinnahmen und Spenden. Kein Wort von Betteltouren bei den Gemeinden, aber das war 2012 und jetzt haben wir 2014 und seit 2014 hat die Gemeinde Woltersdorf, Wilhelm Diener als Gemeindevertreter der FDP. Wer viel mehr über den Guten wissen möchte, gebe in die Suchmaske von Bernds Journal die Begriffe Diener, FPD und Sommerfest ein.

Da haben wir den Präsidenten des Vereins, Regisseur Christoph Albert, der bis vor kurzem auch Vizepräsident des Woltersdorfer Mittelstandsvereins war. Dann taucht auch gleich der Karnevals-Senator Wilhelm Diener auf, der zudem Führer des Mittelstandsvereins von Woltersdorf ist und die Firma Abluft-Diener sein Eigen nennt. Ebenfalls Senator im Karnevalsverein Erkner und Mitglied im hiesigen Mittelstandsverein Rainer Gehrmann mit seiner Firma „Stage Craft“. Es gibt noch einige andere Senatoren und Sponsoren, die auch nicht nach Armut aussehen, denen kein Hunger aus den Augen sticht.

Der Förderantrag kommt mir vor, als wenn die Deutsche Bank an der Ecke zum Sozialamt den Rolls-Royce abstellt, Smoking samt Glitzerorden im Kofferraum versteckt und sich in die Robe eines Bettelmönches zwängt, die Rolex dem Chauffeur verwahren lässt und dann hingeht Förderung zu beantragen.

Vor Tagen, da brachte das Fernsehen eine Doku über den moralischen Wandel der Menschheit, da sagte doch glatt ein Wissenschaftler, den heutigen Generationen geht mehr und mehr das Schamgefühl ab.

Sozialausschuss. Hier ging es um die Vereinsföderung

  1. Quasselstrippe

    Wunderbarer Beitrag, hat mich sehr amüsiert.
    Die Bilder mit den eleganten Roben sind allerdings aus der Zeit vor 2012 als es dem Verein noch wesentlich besser ging, aber dann hat der Herr Regisseur die Präsidentschaft übernommen und nun………………
    Früher konnte man auch noch mit Spaß zu den Veranstaltungen der EWG gehen, echte Faschingsbälle eben mit Musik, Schunkeln und Stimmung. Auch das ist leider anders geworden in den letzten Jahren und dann geht man jetzt eben eher nach Rüdersdorf zum Karneval. Weniger Zuschauer und Gäste bedeutet auch weniger an Veranstaltungseinnahmen und dann muss man den Verlust ja irgendwie ausgleichen und fragt nach Förderung durch die Gemeinde, der Freund Bürgermeister wird’s schon richten! Oder auch nicht, hoffentlich!!!!!!

    1. Bernd

      Mit dem Sommerfest ging’s bergab und das Kirchturmfest, na – bergab. Die gleichen Protagonisten, wie beschrieben. Können hat eben nichts mit sich alles kaufen können zu tun.

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