Sommerfest für Touristen und Investoren

Woltersdorf ist ein Sandpistenvillage im Brandenburgischen und ganz dicht bei Berlin gelegen. Solche Nähe zur Millionenstadt lässt jedes Investorenherz höher schlagen, wenn denn in dem nahen Ort noch Wälder, Wiesen und schnucklige Biotope mit dicht aneinandergereihten Häusern geschmückt werden können.
Woltersdorf hat noch bebaubare Flächen, einige nennen sich Naturschutzgebiete, andere wieder sind Landschaftsschutzgebiete, wieder andere sollen nur zur Freizeit und Erholung genommen werden. Die Maiwiese ist auch noch nicht zugebaut. Dann sind da noch Flächen, die aus der Sicht von Baulöwen völlig falsch deklariert sind, die nennen sich Außenbereich. Da soll niemals etwas gebaut werden, da soll die Natur schalten und walten, wie sie will. Eine Vorstellung, die jedes Investorengemüt tieftraurig stimmt. Da wollen sie uns helfen, deshalb sind sie gekommen. Zusammen mit einer gefälligen Bauverwaltung werden sie Woltersdorf umkrempeln.

Unsere Gemeindevertreter und die Bürgermeisterin schwören, bisher ohne einen Beweis für ihre These zu liefern, dass es in Woltersdorf auch Touristen geben soll und die Investoren nur eine vorübergehende Plage seien, so etwa wie in Ägypten. Frau Bürgermeisterin ist sich ganz sicher, dass sich die Erholungssuchenden nicht irgendwelche Naturschutzgebiete unter den Nagel reißen werden und Flächennutzungspläne mit Grundrissen vollpinseln wollen.

Das sollen Typen sein, die von Rahnsdorf mit einer nostalgischen Tram mit hölzernen Bänken zu uns kommen. Am Ziel, die Woltersdorfer Schleuse, angekommen, stürzen sich diese Städter-Touristen in dichten Pulks auf die dort am Flakensee verdichtete Gastronomie und genießen die sporadisch vorhandene feinstaubarme Landluft.

Diese These vom Erholungsressort beruht darauf, dass vor einem Jahrhundert einige kluge Männer sahen, dass die Metropole nicht ganz weit weg von der Schleuse lag und sich mit dieser Nachbarschaft für das Dorf eine Lebensgrundlage schaffen ließe. Darum bauten sie eine Straßenbahn von Rahnsdorf bis zur Schleuse in Woltersdorf. Daraufhin entwickelte sich an der Schleuse ein reger Ausschank.

Irgendwann entstand dann noch die Maiwiese oberhalb der Schleuse, damit die angelockten Touristen sich im Wonnemonat Juli beim urigen Woltersdorfer Sommerfest ordentlich mit Bier volllaufen lassen können. Trotz zweier Kriege und eines untergegangenen Arbeiter und Bauernparadieses funktionierte der Tauschhandel – dörfliches Bier und Bratwurst gegen begehrte städtische Taler gut und alle waren’s zufrieden.

Zufrieden waren die Bierschwenker, bis in Woltersdorf ein Vogel an allen Ecken seine Klappe aufriss und von den Woltersdorfern das Plazet erhielt, alles besser zu machen. Er entwickelte ein Faible fürs Sommerfest, da wollte er wirken und gestalten, denn der Vogel hielt sich zu allem Übel für einen begnadeten Künstler, so wie Nero. Der Künstler legte sich für das Organisieren der Sommerfeste einen Diener und einen von der Kunst verlassenenen Marktschreier zu.

Diese drei Giganten des gemeindlichen Showbusiness schafften das altehrwürdige Sommerfest auf schnellstem Wege von der Maiwiese weg an die Schleuse. Seitdem wartet das Sommerfest auf seine feierliche Beerdigung.

Der Vogel ist weggeflogen und eine Bürgermeisterin gelandet. Ihr erstes Sommerfest an der Schleuse pfiff ebenfalls auf dem letzten Loch. Ende letzten Jahres verkündete sie, sie werde sich zum Jahresanfang nach einem Ausrichter für das diesjährige Sommerfest umschauen. Großartige Idee, nur zu spät. Zu spät fürs Umschauen. Schon damals, als sie erstmals den Gedanken fasste, waren längst alle guten Veranstalter gekapert. Das konnte sie aber nicht wissen, denn Sommerfeste ausrichten musste sie erst lernen. Sie hätte fragen können, auch mich, ich hätte es ihr sagen können. Auch einige der alten Gemeindevertreter wussten, was nun kommt. Die Bürgermeisterin, die hat nicht gefragt. Sie hat ’s angegangen, mit Versuch und Irrtum, learning by doing and flying on the nose.

Wir haben März und kein vernünftiger Ausrichter ist in Sicht. Abbekommen können wir noch einen, vielleicht, wenn wir ihm die Zeche im Voraus bezahlen. Cleveres Bürschchen, dieser Veranstalter, er weiß, wir, die Bürger, werden der Bürgermeisterin ihr Lehrgeld blechen. Tröstlich, er will die in Agonie versunkene Maiwiese reanimieren. Dafür gebührt im Dank. Nur, die Bühne liegt im Argen, die Gemeindevertreter wollten all die Jahre, allesamt keinen Cent für die Restaurierung bewilligen. Hofften eher auf die Selbstheilungskräfte der Maiwiese.
Eines Tages, vor Jahren, tauchte da so eine Vermutung auf. Ganz flüchtig erwähnte doch eine Dame aus der Verwaltung in einem Ausschuss, dass sie einen Investor, damals wurden die noch Interessenten genannt, für die Maiwiese hat. Es war nur eine flüchtige Bemerkung und der Investor wurde auch schnell wieder flüchtig, aber wir wussten jetzt, wieso das Sommerfest von der Maiwiese runter zur Schleuse ziehen musste, in den sicheren Exitus.

Hier verabschiede ich mich mit den Worten eines Lesers, der bei Licht betrachtet nicht so ganz daneben liegt.

Wort zum Sonntag, von Matthias: „Und überall der gleiche Unsinn. Ein Woltersdorfer Fest. Gut. Aber für wen und aus welchem Grund? Zu feiern scheint ihr bei euch ja eigentlich nichts zu haben. Für die Woltersdorfer soll es ja nicht sein, also ist es eine reine Werbeveranstaltung? Aber für wen? Die Gastronomen? Die Investoren, die sich die Reste quasi mit Hilfe der Verwaltung schon aufgeteilt haben? Warum organisieren sich die Bürger ihr Fest nicht selbst? Stühle und Tische raus, Kasten Bier, Wein, Sekt und Brause ebenfalls. Grill aufgestellt, zusammenkommen, quatschen, nen schönen gemeinsamen Tag hab. Fertig ist das Fest. Ich kann diesen Müll einfach nicht mehr nachvollziehen.“

  1. Der Verstärker

    Moin Moin….

    Christian, warum nennen Sie die ehrenamtlichen Helfer der Gemeinde als Feiergarde??
    Das ist ein wenig weit her genommen. In jeden Dorf, Ort oder Stadt gibt es Feste. Nicht um sich volllaufen zu lassen, sondern um Bekannte, Freunde etc. mal wieder zu sehen, Kontakte zu knüpfen oder sich vielleicht auch in jemanden zu verlieben. Mit Sicherheit gibts auch Ausnahmen.

    Wenn die Feuerwehr sich seit Jahren freiwillig bereit erklärt, solch Veranstaltungen zu bieten, dann sollten wir diesen Personen verbeugend danken.
    Oder meinen Sie, das diese Menschen an ihren Wochenenden die sie dafür opfern nicht auch was besseres zu tun hätten?
    Meinen Sie Herr Christian, das einfach das Gebäude aufgeschlossen wird und die Gäste strömen ein?
    Nein, es bedarf einer Menge Arbeit dieser freiwilligen Helfer, was die dort leisten.

    Wenn Sie keine Person sind, die gern unter Leute geht, dann bitte, aber machen Sie nicht andere dafür verantwortlich und ziehen das in den Dreck. Das gehört sich nämlich nicht.

    Seit Höhne und Pieper nicht mehr im Amt sind, funktionieren solch Feste einfach nicht mehr. Seit der ausgeflogene an der Macht war, wurde alles kaputt gespielt und einigen Gastronomen die goldene Karte zugespielt was das Thema angeht. Und diese Gastronomen füllten sich die Taschen mit Zuschüssen der Gemeinde. So kusiert es in den Sprachrohren der Woltersdorfer…..

    Einfach mal Danke sagen an alle freiwilligen Helfer auf der Welt, das sollten Sie mal tun!!!

  2. Petruschka

    100 Leute – 100 Meinungen.
    Dem davon geflatterten Vogel alles über zuhelfen wäre zu einfach. Die Maiwiese war ein VA-Ort, der einen riesigen Ruf hatte. Nach der Wende ging es etwas weiter, bis ja bis Höhne und Pieper nicht verstehen wollten, das es auch im Ort fähige Veranstalter, die OHNE Geld etwas organisierten. Wörtl. Pieper: Ich glaube nicht das da einer etwas ohne Geld macht. Irrtum Herr Pieper, alles andere ist bekannt.
    Es gab von genanntem Veranstalter den Versuch das Kino ua wieder zu beleben, dazu hätten ein paar Werbebanner angebracht werden müssen( im Bühnenbereich). Das war für BM Höhne zuviel. Ende der Veranstaltung. Aber dafür gabs gute Immobiliengeschäfte.

    1. Bernds Journal

      Ich weiß, liebe/r Petruschka, nur die Zeit vor Höhne kenne ich nicht und die mit Höhne auch nicht aus eigener Anschaung. Somit fallen diese Zeiträume für mich weg. Vielleicht schreibt ja mal ein Woltersdorfer, der diese Zeit selbst erlebte, darüber und schickt möglichst noch einige Fotos mit. Ich veröffentliche das dann gerne.

  3. Jenny

    Hier einmal ein bisschen Historie zur Maiwiese. Nach 1945 erfand der Volksmund den Namen Maiwiese, da dort immer der Festzug zum 1. Mai endete. Zur Sommerszeit gab es dort Filmveranstaltungen, die die Urlauber teilweise als „Autokino“ nutzten. Die Maiwiese bekam eine Bühne (die erste) und mutierte dann zur Feierwiese auch für das Sommerfest.
    Otto Hintze und Franz Hintze hatten ihre ganz eigene Einstellung zur Maiwiese. Unter persönlichen Einsatz gestalteten die Beiden die Wiese zeitweise zu einem Chinesischen Garten um. Ich glaube im Heimatmuseum gibt es davon Bilder.
    Ich persönlich fände es schon, wenn an diesem Ort wieder das Sommerfest stattfindet.

  4. Christian

    Geld gespart….so einfach könnte man es sehen.
    Wir haben ja schliesslich noch die Feiergatde der FFW. Da muss ja schon Geld dazugesteuert werden.
    Ich brauch solche bestellte Lustigkeit nicht. Um von wichtigen Problemen abzulenken, werden schon seit Jahrhunderten Feste gefeiert fürs gemeine Volk.

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