Karl Holzfäller

Karl Holzfaeller Woltersdorf
Es gibt in Woltersdorf eine Straße, die seinen Namen trägt und es gibt im Ort ein Grab mit seinem Namen. Am 12. Dezember bekam die Grabstelle einen neuen Grabstein aus dunklen Stein von der Kriegsgräberfürsorge. In weißen Druckbuchstaben steht darauf, Karl Holzfäller von 1884 bis 1945. Wer war der Mann, der dort beerdigt wurde? Gehen wir in der Zeit zurück bis Anfang Januar 1945, dem letzten Monat seines Lebens. Am 5. Januar 1945 wurde er vom Volksgerichtshof (VGH) Potsdam zum Tode verurteilt:

Zitat aus dem Urteil: „Der Angeklagte Holzfäller hat im Oktober 1943 dem Wehrmachtsangehörigen Niendorf gegenüber Äußerungen kommunistischer Prägung getan, um ihn in seiner staatsbejahenden Einstellung schwankend zu machen. Im gleichen Sinne hat er auch den Wehrmachtsangehörigen Petereit beeinflusst. Er wird deshalb wegen Wehrkraftzersetzung, Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode und dauernden Ehrenrechtsverlust verurteilt. Die Angeklagten Katz und Schulze haben Holzfäller bei der Beeinflussung des Niendorf unterstützt. Sie werden deshalb ein jeder zu je acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Das beschlagnahmte Rundfunkgerät wird eingezogen. Die Angeklagten tragen die Kosten des Verfahrens.“

Drei Wochen später am 29. Januar 1945 wurde Karl Holzfäller im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit dem Fallbeil hingerichtet.

Karl Holzfäller wurde am 5. Februar 1884 im pommerschen Köslin, heute gehört es zu Polen und nennt sich Koszalin, geboren. Er wurde Steinmetz, hat im Ersten Weltkrieg gedient und das Eiserne Kreuz bekommen. Zum Ende des Krieges 1918 trat er dem revolutionären Spartakusbund bei und wurde Mitglied in einem Arbeiter und Soldatenrat. Eine Quelle gibt an, dass er 1918 auch Gründungsmitglied der KPD war, dafür konnte ich keine Bestätigung finden. Holzfäller leitete von 1920 bis 1928 eine Berliner KPD Zelle und wirkte von 1921 bis 1929 in der Berliner Stadtverordnetenversammlung mit. Nach Woltersdorf zog er 1931, hier arbeitete er wieder in seinem erlernten Beruf als Steinmetz.

1943 bekam Karl Holzfäller Besuch von dem Soldaten Niendorf, einem Kameraden seines Sohnes, der in Russland gefallen war. Der Steinmetz begrüßte den Besucher mit den Worten: „Schämst Du Dich nicht, hier in Uniform hinzukommen, wo wir doch unseren Sohn verloren haben?“ Im Laufe der Unterhaltung sagte er auch, der Sohn sei gefallen, weil ein Wahnsinniger sich gegen das wehrt, was kommt. Dann stellte er im Radio den Sender Moskau ein, obwohl inzwischen noch mehr Besucher anwesend waren.

Der Kamerad seines Sohnes, der Soldat Niendorf, ging am 18. Oktober 1943 zur Geheimen Staatspolizei und zeigte Karl Holzfäller an. Die Gestapo verhaftete ihn am 11. November 1943 und bis zu seinem Prozess am 5. Januar 1945 soll er in einem Konzentrationslager eingesperrt gewesen sein.

Woltersdorf hat die von der Vogelsdorfer Straße abgehende Andreas-Hofer-Straße in Karl-Holzfäller Straße umbenannt. Wann, wie, was, warum, der Anlass ist mir nicht bekannt. Irritierend finde ich es, dass der Freiheitskämpfer Andreas Hofer, den Napoleon Bonaparte hinrichten ließ, seinen Platz unter den Straßennamen zugunsten von Karl Holzfäller verlor.

zum zweiten Artikel über Karl Holzfäller

  1. Bernd

    Warum muss ein Freiheitskämpfer, Widerständler dem andern, dem die gleichen Attribute gebühren, weichen? Es gab und gibt doch bestimmt Straßen, deren Namen nichts aussagen. Die Änderung eines solch farblosen Straßennamens wäre m.E. passender gewesen.

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