Im Krähenwinkel; Umweltschutz u. Bevölkerungsexplosion

Bürgermeisterin Decker

Die Bauleitplanung für Woltersdorf am Stolp liegt vor mir, ohne einen Verfasser zu nennen. Ja, das habe ich schon im vorherigen Teil gesagt. Ist ja auch nur als Erinnerung gedacht. Blättern wir einmal auf die Seite 19 des zwanzig Seiten langen Ideenkompotts. Dort werden die Belange des Umweltschutzes beleuchtet.
Unser Verfasser spricht hier von Umweltprüfungen, die bereits 2009 und 2012 erfolgten. Die uns unbekannten Ergebnisse wurden in die Abwägemasse einbezogen. Woltersdorfs Bürger können nicht wägen, ihnen sind diese Gutachten bisher nicht zugänglich. Wir kennen nicht einmal die Auftraggeber. Quasi stehen wir vor einer gutachterlichen Umwelt-Blackbox.

Wir wissen, dass Schnieber im Februar 2013 Im Krähenwinkel einen Harvester anrollen ließ, um mit dem Koloss den Wald ratzekahl abzusäbeln. Schnieber nannte das Waldernte. Gesetzlich darf er das. Das Gesetz sieht aber auch vor, dass die kahl geschlagene Waldfläche binnen drei Jahren wieder aufgeforstet wird. Dem ist Schnieber nicht nachgekommen und unsere Gemeinde hat’s nicht gekümmert. Ich habe auch nichts davon mitbekommen, dass sich das Forstamt darum kümmerte.

Waldgesetz des Landes Brandenburg (LwaldG) § 11 Wiederbewaldungspflicht (1) Kahl geschlagene sowie stark verlichtete Waldflächen mit weniger als 40 vom Hundert des nach gebräuchlichen Ertragstafeln oder bekannter standörtlicher Wuchsleistung üblichen Vorrates und einer Größe von mehr als 0,5 Hektar sind mit standortgerechtem, forstlichem Vermehrungsgut innerhalb von 36 Monaten wieder zu bewalden. Soweit die natürliche Wiederbewaldung unvollständig bleibt, sind die Flächen zu ergänzen oder aufzuforsten.

Vorsitzender Bauausschuss

Das Gesetz hat ein Schlupfloch, das heißt „Ausgleichsflächen“ und so eine Ausgleichsfläche wird auf Seite 19 aufgezeigt. „Es bietet sich innerhalb der Gemeinde das Gelände des Anglerheims an. Weitere geeignete Flächen werden aktuell gesucht“. Meines Wissen ist der Grund des Anglerheims nicht Eigentum von Schniebers Venture 2000, sondern gehört der Gemeinde Woltersdorf. Da möchte ich doch die Frage in den Raum stellen, warum die Gemeinde der Venture 2000 der Gemeinde gehörende Flächen als Ausgleichsfläche anbietet. Das kommt doch nur infrage, falls die Gemeindeverwaltung der Venture GmbH von Schnieber das Aufforsten der Flächen am Im Krähenwinkel ersparen will. Nächste Frage, warum will sie ihm das ersparen? Da gibt es nur eine Antwort, die Verwaltung möchte die Bebauung der kahl geschlagenen Flächen am Im Krähenwinkel. Meine Wahrnehmung sagt mir, damit sind von der Verwaltung der Gemeinde alle Weichen für Schniebers Vorhaben gestellt.

Kerstin Marsand

Bauamtsleiterin Kerstin Marsand

Die untere Naturschutzbehörde sah manches anders, am 29.11.2012 schrieb sie. „Mit dem geplanten Bebauungsplan wird ein intakter Wald beseitigt…..Diese komplette Zerstörung eines Naturraumes stellt einen erheblichen und nachhaltigen Eingriff in Natur und Landschaft dar. Grundsätzlich ist zu prüfen, ob tatsächlich Bedarf für die Erschließung eines 2.5 ha großen Wohngebietes besteht….Daher ist vonseiten der Gemeinde nachzuweisen, dass die Ausweisung neuer Bauflächen erforderlich ist.“

Hier hat Herr Schnieber für klare Verhältnisse gesorgt. Rund drei Monate nach Eingang des Briefes erntete, er den Wald ratzekahl ab und unsere Verwaltung sucht für ihn nach Ausgleichsflächen. Damit haben sich diese Einwände der unteren Naturschutzbehörde in Luft aufgelöst.

Weiter teilte die untere Naturschutzbehörde mit. „Die Erweiterung des Geltungsbereichs des Flurstückes 660 wird kritisch bewertet. Im FNP (Flächennutzungsplan) ist dieser Bereich bereits als Wald dargestellt. Insbesondere eine Beeinträchtigung des auf dem Flurstück 660 vorhandenen Biotops ist auszuschließen.
Auch das hat sich erledigt, mit der plötzlichen Waldernte verschwanden Nist-, Brut- und Lebensstätten der dortigen Tierwelt, insbesondere Vögel. So ein Harvester ist eine feine Sache, ein richtiger Problemlöser.
Verlassen wir die untere Naturschutzbehörde, die ist hier, danken wir’s dem Harvester, arbeitslos wurde und wenden uns den in dieser Bauleitplanung prophezeiten Bevölkerungszuwächsen zu. Da heißt es:
„Als realistisch und sozial verträglich erscheint ein Bevölkerungswachstum von
ca. 1.500 Personen bis zum Jahr 2000, also 6.300
ca. 3.500 Personen bis zum Jahr 2010, also 8.300
ca. 4.000 Personen bis zum Jahr 2015, also 8.800
ca. 4.500 Personen bis zum Jahr 2020, also 9.300
Als Sahnehäubchen wird aufs pulsierende und wachsende Berlin und dem aus allen Nähten platzenden Speckgürtel um die Hauptstadt gezeigt. Obendrein sind noch nicht einmal die Flüchtlingszahlen einkalkuliert. Die ganze Betrachtung zeigt, man bewegt sich am unteren Ende des erwarteten Zuwachses an Bevölkerung. Nach oben hin, so wird suggeriert, ist eine richtige, wie der Börsianer sagt, Hause möglich. Die Zahlen stammen wohl von unserer Verwaltung.
In dieser Woche tagt nicht nur der Bauausschuss, sondern auch der Sozialausschuss. Wie es so kommt, das Amt für Soziales und Ordnung, Leiterin Frau Loponen, hat eine Kitabedarfsplanung erstellt. Diese Planung wird sie im Sozialausschuss vorstellen. Dort heißt es: „Trotz der gegenüber dem Landesvergleich deutlich positiveren Geburtenzahlen, wird es Woltersdorf nicht gelingen, die Elterngeneration zu ersetzen, denn diese würde durchschnittlich 2,13 lebendgeborene Kinder je Frau bedingen. Demnach ist auch in Woltersdorf langfristig mit einer Abnahme der Bevölkerung zu rechnen.“ [Quelle: Gutachten der Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft mbH].
Hier beißt sich die Katze in den Schwanz, das Bauamt attestiert einen Bevölkerungszuwachs. Das ist günstig für Schniebers Pläne. Das Amt für Soziales und Ordnung attestiert einen Bevölkerungsschwund.. Das ist nicht so günstig für die Venture 2000.
Da Bürgermeisterin und Bauamtsleiterin scheinbar einem Investor nichts, rein gar nichts abschlagen zu können, warum eigentlich nicht, kann ich jetzt schon sagen, die Beiden werden den Widerspruch auflösen.


Text aus einen im Internet veröffentlichten Schreiben der Gemeinde Woltersdorf an das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung Berlin-Brandenburg vom 15. Dezember 2016. Nun wissen wir, weshalb die Gemeinde mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit Bauvorhaben durchpeitscht.

  1. Milchmädchen

    Liebes Woltersdorf,

    eine größere Zahl Deiner gewählten Vertreter wie auch Planungsbediensteter im Rathaus glauben wohl, eine Bevölkerungszahl von 10.000 würde vor einer Gemeindefusion schützen.
    Anders kann ich mir diese Hysterie bei der Entwicklung von Bauflächen nicht erklären.
    Baugrundstücke werden immer kleiner parzelliert, Altgrundstücke doppelt und dreifach aufgeteilt.
    Die Versiegelung mancher Grundstücke nimmt Ausmaße an, die vom Baugesetz wohl kaum geduldet sein dürften.
    An die Planungsgrundsätze einer lockeren, parkähnlichen Bebauung im Ort mit viel Grün und Duchblicken, die bisher den Charme des Ortes mit ausmacht, mag sich wohl auf Entscheidungs-Ebene keiner mehr erinnern.
    Wem nützt es? Letztendlich nur den Personen und Firmen, die günstig erworbenes Wald- und Brachland in lukratives Bauland umwandeln wollen. Ist es Aufgabe der Gemeinde, ihnen beim Geld verdienen zu helfen?
    Schade, liebes Woltersdorf, dass Du Dich so hässlich machst.

    Mit den Konsequenzen muss der ganze Ort leben.
    Mehr Einwohner = mehr Steuereinnahmen? Bedingt richtig. Aber für all die Einwohner muss auch Infrastruktur geschaffen werden. Wer zahlt die benötigten Kita- und Schulplätze? Die Mehreinnahmen nur zum geringen Teil. Also müssen zur Finanzierung andere Mittel, z.B. Strassenbau, aber auch Kultur, Sport und Freizeit gestrichen werden
    Kleinere Grundstücke lassen den öffentlichen Verkehrsraum immer mehr zum geduldeten Parkplatz werden, mittlerweile auch immer mehr an Hauptstraßen. Die Zeche zahlen die Anwohner per Umlage der Ausbaubeiträge, egal, ob ihr Auto vor oder auf dem Grundstück parkt.
    Nicht zuletzt wollen oder müssen alle Bürger ja auch Einkaufen, zum Arzt, Frisör, … Wachsen hier die Angebote im gleichen Maße wie der Ort oder muss da zukünftig der Mangel verwaltet werden?

    Vielleicht spielen ein paar dieser Punkte ja bei den anstehenden Entscheidungen doch noch eine Rolle,

    wünscht sich das
    Milchmädchen.

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