Gemeindevertretung Teil 1 – Juni 2016; Ehrenmal der Roten Armee am Thälmannplatz

Ich fange heute einmal mitten in der Sitzung an. Es geht um den Tagesordnungspunkt 8. Der erscheint mir, ist der wichtigste Punkt der Tagesordnung.

Punkt 8. Beschlussvorlage Aufstellung von Informationstafeln am sowjetischen Ehrenmal (Antrag Fraktion Linke/Grüne)
Sebastian Meskes erklärte kurz, dass in dem Sozial- und Bauausschuss das Aufstellen der Tafeln, die nun nur durch Spenden finanziert werden, positiv beschlossen wurde.

(Anmerkung: wir berichteten bereits darüber).

Monika Kilian fragte nach, ob nicht auch die russische Botschaft mit einbezogen werden müsste, wenn dort Tafeln aufgestellt werden. Sebastian Meskes meinte dazu, dass es ja in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalschutz geschehe und auch keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden.
Karl-Heinz Ponsel gab zu bedenken, dass, so wurde es ihm zugetragen, in diesem Bereich nicht nur russische Soldaten liegen. Deshalb müsse seiner Meinung nach der Beschluss erweitert werden, damit auch die sonstigen Toten Wertschätzung erhalten und in einen schriftlichen geschichtlichen Kontext gestellt werden.

Edgar Gutjahr widersprach und erklärte, dass es ein Friedhof der Roten Armee sei und dort liegen Soldaten der Sowjetarmee, die hier in dem Bereich gefallen wären. Außerdem fand er es beschämend, dass eine Gemeinde nicht bereit sei, für ein solch großes Ehrenmahl die Kosten für eine Tafel zu übernehmen, mit der die Leistungen und der Tod dieser Menschen gewürdigt werden.
(Anmerkung: Die Gemeinde übernahm auch keine Kosten für die Tafel am Denkmal für die gefallenen deutschen Soldaten, da diese Bitte nie an sie herangetragen wurde. Dort wurde die Tafel privat erstellt und angebracht, wobei der damalige Bürgermeister Vogel und die Linken heftig gegen die Tafel kämpften).

Askell Kutzke warf ein, dass die Partei „Die Linke/Grüne“ den Antrag auf Kostenzuschuss zurückgezogen hatte. Gleichzeitig verwies er darauf, dass laut dem Gerücht, dass ihm zugetragen wurde, dort nur ein Drittel sowjetische Soldaten legen, der Rest wären andere Kämpfer, die gefallen sind. Es müssten in dieser Richtung noch weitere Nachforschungen angestellt werden, wer da nun genau liegt.
Michael Hauke war von der Diskussion persönlich sehr emotional betroffen. Er erzählte, dass nicht weit weg von dem Standort des Ehrenmahls, seine Großeltern sich in den letzten Tagen des Krieges mit den Kindern in den eignen Keller versteckt hätten und dort und Leben kamen, weil russische Soldaten einfach eine Handgranate in den Keller warfen und damit seine komplette Familie ausgelöschten. Er habe deshalb ein Problem mit den Tafeln und könne nicht zustimmen.
(Anmerkung: in meiner Familie gab es zu Kriegsende keine Toten, nur vergewaltigte Frauen, die das Russen-Trauma ihr Leben lang nicht loswurden. So etwas vergisst man nie im Leben und vergeben kann man es auch nicht und die Armee der Täter als Befreier feiern und dafür die Wahrheit verbiegen geht schon gar nicht. Das ist ein Feld für die Linken).

Sebastian Meskes ruderte zurück und erklärte, dass aufgrund des Antrages von Karl-Heinz Ponsel nicht auszuschließen wäre, dass dort auch noch andere Personen liegen, er würde den Antrag übernehmen und in dem Beschluss „…die Angehörigen der sowjetischen Streitkräfte“ streichen und dafür „… der dort Bestatteten“ einsetzen. Im Bauausschuss wurde bereits darüber gesprochen, dass es nicht nur Gefallene wären, sondern auch solche die an Krankheiten gestorben oder wegen Fahnenflucht erschossen wurden, die dort hingelegt wurden. Das könne er nicht ausschließen.

Edgar Gutjahr beantragte Rederecht für Anny Przyklenk. Dem wurde zugestimmt.

Anny Przyklenk erklärte, dass ihnen Listen mit den Namen der Bestatteten vorlägen. Außerdem wurde Kontakt aufgenommen mit Herrn Dr. Pries vom Deutsch-Russischen Museum, er ist zuständig für die russisch-sowjetischen Kriegsgräber. Dr. Pries erklärte, dass auf den verschieden russischen Friedhöfen, die es hier gebe, keine deutschen Menschen begraben wurden. Es könne sein, dass aus den umliegenden Orten Soldaten beerdigt wurden, die dort zu Tode gekommen waren oder nach Ende des Krieges 1945/46 umgebettet wurden. Man könne davon ausgehen, dass es sich hier nicht um in Woltersdorf gefallenen Menschen handeln würde. Weiter gebe es auf dem Areal eine Begräbnisstätte, wo noch nicht feststehen würde, ob es Antifaschisten waren, was aber eigentlich nicht sein könne, da Deutsche dort nicht beerdigt wurden oder polnische Zwangsarbeiter. Da müsse noch weiter geforscht werden. Allerdings könne sie, so Anny Przyklenk, aus humanen und persönlichen Gründen dieser Diskussion nicht ganz folgen, da sie der Meinung sei, dass man diese Menschen, die dort liegen nicht für die Kriegshandlungen der anderen verantwortlich machen könne. Es gebe sieben Zeitzeugen, die sie befragen konnten und eine Zeitzeugin habe ihr versichert, dass es nachweisbar eine Vergewaltigung durch russische Soldaten gab. Deshalb bat sie um Unterstützung des Antrages, denn der Text soll mit den Fraktionen und dem Denkmalschutz beraten werden. Sie sprach die Hoffnung aus, dass bis zur Aufstellung der Tafeln im Jahr 2017 noch weitere Beweise vorlegen, die dieses Ansinnen gerechtfertigen würden.
(Anmerkung: Dort liegen auch keine Zwangsarbeiter, sondern befreite Kriegsgefangene der deutschen Wehrmacht. Das sind keine Deutschen und keine Zwangsarbeiter, sondern Soldaten einer ausländischen Armee, Rumänen, Bulgaren etc. Als sich die Wehrmacht nach Berlin zurückzog, überlies sie diese jungen Männer ihrem Schicksal. Sie wurden von den einrückenden Russen gefunden und erschossen. Die Russen hielten ja ihre eigenen Landsleute, die in deutsche Gefangenschaft gerieten für Verräter. Diese Toten sollen die Russen, nach Erkennen ihres Irrtums dort begraben haben).

Wilhelm Diener musste nun auch noch erklären, dass über die Tafeln eigentlich nicht gestritten werden bräuchte, da der Gemeinde keine Kosten entstünden.

Sebastian Meskes verlas nun den geänderten Beschluss: „Die Gemeindevertretung der Gemeinde Woltersdorf beschließt die Aufstellung von zwei Informationstafeln an den Eingängen des sowjetischen Ehrenmals am Thälmannplatz. Die erste Tafel soll über die Namen und Daten der dort auf dem Gelände des Ehrenmals Bestatteten informieren. Die zweite Tafel soll eine Übersetzung der russischsprachigen Inschriften des Ehrenmals und eine historische Einordnung derselben enthalten. Die Erstellung der Texte soll in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalschutz erfolgen. Die Kosten von je 500 Euro pro Tafel werden durch Spenden finanziert.“ Dem wurde so zugestimmt.

Kommentar: Immer wieder plappern Politiker gedankenlos von der Roten Armee als von unseren Befreiern. Befreien kann man nur ein Land, das von einer fremden Macht besetzt ist. Diese Armee kam nicht als Befreier und wollte auch kein Befreier sein. Die Rote Armee kam als Besatzungsmacht in allen Ländern Osteuropas bis zur Elbe und das für rund 50 Jahre und sie führte sich in all diesen Ländern als Besatzer auf. Es gibt noch unendlich viele Familien, die über Tote, Verschleppte und Vergewaltigte in ihren Familien trauern für die die „Befreier“ verantwortlich zeichnen.

Klagt ein Deutscher, öffentlich über die Opfer in seiner Familie, wird er hier auf dem Gebiet der ehemaligen DDR quasi als Lügner abgestempelt. Immer wieder kommt das falsche Geschichtsbild, das von der SED und ihren Nachfolgeparteien gepflegt wird hoch. Alls Allererstes werden einem dann, jedenfalls von den Linken in Woltersdorf, quasi als Totschlagsargument, die unerhörten Opferzahlen der Roten Armee und der russischen Bevölkerung vorgehalten.
Wie sah es denn wirklich aus?
Am 22. Juni 1941 griff die Wehrmacht die UdSSR an. Es war ein Angriffskrieg und allein damit ein Verbrechen. Die der Wehrmacht folgenden Organisationen, insbesondere die SS hauste dort barbarisch. Die Besatzungspolitik der Wehrmacht kann man getrost als kriminell bezeichnen.
Nur war die UdSSR Opfer? Der Krieg begann ja nicht erst 1941 mit der Operation Barbarossa, er begann 1939. In dem Jahr wurde der Hitler-Stalin Pakt abgeschlossen. Unter anderem wurde dort der Angriffskrieg gegen Polen beschlossen. Angriffskriege haben wir festgestellt, sind verbrecherisch. Die UdSSR führte einen Angriffskrieg gegen Polen. Die UdSSR, die Rote Armee, Stalin waren Mittäter, bevor sie Opfer wurden.
Auch die vielen Millionen sowjetischen Toten alle als Russen zu erklären geht an der historischen Wahrheit vorbei. Die Wehrmacht besetzte zuerst die die Ukraine, Weißrussland und die baltischen Staaten. Dort hauste die SS viele Monate, bevor die Wehrmacht überhaupt in die Nähe Russlands kam.
Warum gedenkt die Woltersdorfer Linke nicht einmal dieser Millionen Toten aus den baltischen Staaten, aus Weißrussland und der Ukraine? Warum immer nur die Russen? Warum zeigen sie nicht einmal, dass ihnen das Leid dieser Völker nicht gleichgültig ist.
Warum verwenden so viele Politiker im Verhältnis zu Russland Redewendungen (Befreiung), die mit der historischen Wahrheit nichts zu tun haben.
In dem Krieg waren Deutsche und Russen gleichzeitig Opfer und Täter. Mit historischen Verdrehungen, wie es jetzt hier in Woltersdorf versucht wird, bei der die Opfer der Einen auf der Strecke bleiben sollen, kann es keine echte Versöhnung geben.

Teil 1/5

  1. Dr. Ingrid Rechenberg

    Hallo Herr Wohlerd,
    wo ist mein Kommentar und Ihre Antwort darauf (Ihre Meinung zu R.v.Weizsäcker., die sehr aufschlussreich ist)
    Gruss Dr. Ingrid Rechenberg

    1. Bernds-Journal

      Liebe Frau Dr. Rechenberg,
      ich würde mich freuen, wenn es Ihnen gelänge meinen Namen richtig zu schreiben. Zu Ihrer Frage, Sie schrieben ihren Kommentar im falschen Artikel und da ist er immer noch.

      Gruss Bernd Wohlers

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