Die Vierte Gewalt in unserem Ort

In einer Zeitung wird immer wieder über die Verwaltung unseres wohlbekannten märkischen Dorfes gejubelt. Sie jubelt nicht ohne Grund, ist sie doch seit langem nicht mehr Beobachter und Analytiker des politischen Geschehens, sondern aktiver Akteur. Sie entscheidet, wer hochgejubelt, ignoriert oder abgewertet wird. Sie entscheidet für ihre wohl schwindende Leserschaft in unserem Ort, welche Themen erörtert werden und welche nicht einmal erwähnt werden. Sie verteilt Zensuren, da können unsere Oppositionsparteien noch so redegewandt Klartext sprechen, der Daumen des in unseren Ort abgesandten Redakteurs zeigt allzeit nach unten. Seinem Selbstverständnis entsprechend, erzeugt sein Blatt öffentlichen Druck, will Meinung aufbauen für ihren Favoriten, sei es in Fragen des Haushalts, der Christlichen Kita, der Entscheidung für oder gegen die Kita am Rathaus, die Mehrzweckhalle, im Straßenbau, Grundstücke Körnerstraße, Fidusdenkmal. Die Liste der Artikel, die die Meinungen den Wünschen der Regierenden anpassen sollen, könnte ohne Not weitergeführt werden.

Die Vierte Gewalt, die Medien sollen grundlegende Funktionen erfüllen. Sie sollen informieren, durch Kritik und Diskussion zur Meinungsbildung beitragen und damit Teilnahme und Beteiligung ermöglichen. Mit der Vierten Gewalt in unserem Dorf ist kein Staat zu machen, mit ihr werden wir von Artikel zu Artikel mehr Demokratie, Öffentlichkeit, Offenheit und Transparenz verlieren. Die Opposition unseres Ortes kann noch so wichtige Sachthemen anstoßen, kein Wort verliert die Redaktion unserer Postille darüber. Dass sich die Verwaltung vor jeder inhaltlichen Debatte drückt, kein Wort verliert der Redakteur darüber. Dass hier in diesem Ort nicht mehr geklärt, sondern vernebelt wird, kein Wort ist es der Zeitung wert.

Müssen wir uns da noch über 86 Bürger wundern, die ihre Stimme ungültig machten. Ganze 184 NPD Wähler sind Barometer für die Verachtung demokratischer Werte in unserem Ort. Die Antidemokraten mit ihrer angepassten Presse trugen dazu ein gerütteltes Maß bei. Es ist an der Zeit, dass diesem Redakteur und seiner Zeitung Einhalt geboten wird. Einige Freunde haben dem Blatt bereits die Freundschaft gekündigt, lesen jetzt eine andere Zeitung und werden, was die Politik der Gemeinde angeht, nicht mehr zugenebelt.