Die MOZ und ihr unheimlicher Umgang mit Leserbriefen

Ein Leser der MOZ, Wolfgang Funkhauser, wandte sich mit einem Leserbrief an die Märkische Oderzeitung. Der Inhalt beschäftigte sich mit den traurigen Vorgängen um das sogenannte Fidusdenkmal in der Woltersdorfer Schleusenstraße.

Der Leserbrief enthielt lobende Worte für die Mitglieder des Woltersdorfer Verschönerungsvereins. Die lobende Erwähnung des Verschönerungsvereins muss einem MOZ Redakteur sauer aufgestoßen sein, sie wurde gnadenlos aus dem Text gestrichen.

Es gab auch kritische Worte, die betrafen den Bürgermeister einiger Woltersdorfer, Dr. Rainer Vogel. Kritische Worte über Vogel, in der MOZ? Nein, das ging nun gar nicht und so schnitt die Redakteursschere jedes missbilligende Wort über Rainer Vogel heraus.

Vor langer Zeit, im Dezember 2010 spielte die MOZ mit mir das gleiche Spiel, einen meiner Leserbriefe erkannte ich nicht wieder, so kreativ hatte die MOZ ihn verändert. Seitdem schreibe ich keine Leserbriefe und Kommentare mehr an die MOZ, habe ich doch keinen Einfluss darauf, was sie aus meinen Worten macht.

Die Medien sollen grundlegende Funktionen erfüllen. Sie sollen informieren, durch Kritik und Diskussion zur Meinungsbildung beitragen und damit Teilnahme und Beteiligung ermöglichen. Erfüllt die MOZ diese grundsätzliche Aufgabe der Presse?

Hier der Leserbrief, 391 Worte enthielt er im Original, 295 Worte fielen der Schere zum Opfer, 1 Wort wurde verändert, 4 neue Wörter hinzugefügt. Die Fragmente des Leserbriefs wurde am 26/27. Oktober 2013 in der MOZ veröffentlich. Titel: „Denkmal passte nicht in Gesinnungskonzept“

Der braune Text enthält des Schreibers Worte, die geblieben sind
Der blaue Text enthält des Schreibers Worte, die entfernt wurden
Der rote Text ist nicht vom Schreiber, er ist eine Erfindung der MOZ

Traurig, traurig, was man da aus Woltersdorf hört. Da streitet sich der Bürgermeister mit einem angestammten Heimatverein und seinen ehrenamtlichen aktiven Mitgliedern in einer Art, dass sich eine Provinzposse mit üblem Nachgeschmack daraus zu entwickeln scheint. Viele der „Ehrenamtlichen“ engagieren sich schon seit vielen Jahren, manche gar seit Jahrzenten, für ihren schönen Ort mit seiner bekannten Schleuse und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen.

Nicht nur, dass der Bürgermeister Dr. Vogel nun Ultimaten stellt, Verantwortlichen „national-patriotische“ Töne vorwirft und eine von Spendengeldern bezahlte und von Kreisbehörden und Eigentümerschaft genehmigte Schautafel am Denkmal zur Einnerung für die Woltersdorfer Gefallenen des ersten Weltkrieges, entfernen lassen will. Wo bleiben da Anstand und seriöse Umgangsformen?

Das von den Behörden anerkannt sozial- und kulturhistorisch bedeutsame Denkmal steht seit 1926 in Woltersdorf.
Wie es die Geschichte ergab, kümmerte man sich während In der DDR kümmerte man sich nicht mehr darum, weil man ja mit den Denkmalen zum „Ruhm der roten Armee“ genug zu hatte und diese alten Denkmale nicht in ihr Gesinnungskonzept passten.

Um so schöner, dass heute die Möglichkeiten es zulassen, mit diesem Erbe kompetenter umgehen zu können. Und zum Sommerfest der Woltersdorfer, wollte nun deren „Verschönerungs Verein“, ein Verein mit über einhundertjähriger Tradition und Engagement, dem Ort eine neue Schautafel mit Erklärungen und Zitaten u. a. aus der offiziellen Dorfchronik an dem alten „Kriegerdenkmal“ stiften. Der Mittelteil wurde von dem bedeutenden Jugendstilkünstler FIDUS (d. i Hugo Höppener, 1968-1948) erstellt und ist eines seiner wenigen bildhauerischen Arbeiten, welche von ihm noch exitieren.

Das hat nichts mit nationalistischem Hurrapatriotismus zu tun. Und das Denkmal soll auch nicht posthum politisiert werden, sondern es soll eben den Angehörigen und anderen bewegten Menschen und Besuchern als Ort der Erinnerung, Mahnung und eben des Gedenkens dienen.

Nun traut der Bürgermeister den Bürgern und Besuchern des Denkmals scheinbar nicht zu, zwischen heutigen und damaligen Texten mit ihren unterschiedlichen Ausrichtungen und Vorstellungen des jeweiligen Zeitgeistes umzugehen und unterscheiden zu können. Sind wir Bürger wirklich so naiv und unmündig? Ich denke nein.

Der Bürgermeister verlangt einen Erklärungstext neben der Tafel, wie sie sich jetzt darstellt, sonst will er sie entfernen lassen. Haarsträubend. Über den Text kann man ja nachdenken und sprechen, aber:

Der Ton macht bekanntlich die Musik, Herr Bürgermeister!
Und der sollte zwischen den betroffenen Menschen, was die Schautafel angeht und auch gegenüber den Toten für die dieses Denkmal steht, eben angemessen und respektvoll sein.

Wolfgang Funkhauser (Berlin/Woltersdorf)

Weiterführende Artikel:
Der beschämende Streit ums Fidusdenkmal
Kommentar zu Genehmigung mit Verfallsdatum
Genehmigung mit Verfallsdatum
Vogels Streit um Woltersdorfer Denkmal

  1. Friedrich

    Der Übergang von redaktioneller Freiheit und Meinungsmache ist bekanntermaßen fließend. Mir scheint allerdings, dass hier seitens der MOZ systematisch inhalte verfälscht werden, nicht nur in diesem Beitrag. Eine Tageszeitung sollte doch unabhängig sein.
    In dem vorliegenden Beitrag kann ich keine Formulierung entdecken, die anstössig oder sittenwiedrig wäre, und übermäßig lang ist er auch nicht. Warum also nicht den ganzen Beitrag veröffentlichen ? Das sollte eine gute Zeitung ihren Lesern schon gönnen.

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