Der rote Sioux von Oberhammeln

Es gibt in brandenburgischen Landen einen kleinen Marktflecken. Nennen wir ihn einfach Oberhammeln. Über die Hammel aus Oberhammeln berichtete ich hier des Öfteren und nun, ich komme grad von dort her, zurück nach Woltersdorf, ist es mal wieder soweit über Oberhammeln zu berichten.

Oberhammeln, hat wie bereits erwähnt, ein Rathaus und einen Bürgermeister und der wiederum hat einen Diener, der immer bemüht ist dem Chef von hintenrein ganz nahe zu kommen. Aber das wissen Sie ja bereits. Diesesmal möchte ich über die Arbeit im Rathaus von Oberhammeln berichten, genauer über einen Abgeordneten des Marktfleckens Oberhammeln, einem Oberhammel, einem Fossil längst vergangener Tage, bar jedem Charismas.

Der rote Sioux Kleinwicht ist ein kleiner Mann, so wie Stalin. Schaue ich ihn mir genau an, in der gealterten Visage unseres Sioux, erahne ich die markigen Gesichtszüge des verblichenen Kremlchefs. Kleine Männer platzen oft vor Ehrgeiz, erst recht, wenn sonst nichts dahintersteckt, das trifft auch auf unseren Kleinwicht zu. Viele Jahre strampelte er, bis er einem Ausschuss vorstehen durfte. Nun ist er wer, nun kann er andere herumkommandieren. Damit wollen wir die Beschreibung seiner Person beenden und uns seinem Ausschuss zuwenden.

Kleinwicht leitet einen Ausschuss, der in der Tat, in stundenlangen Sitzungen, reichlich Ausschuss produziert, der wiederum denen von Oberhammeln ab und zu die Tränen in die Augen treibt. Kleinwicht liebt lange Sitzungen, je länger, desto besser, da ist er wer. Am liebsten wären ihm noch zwei bis drei Sondersitzungen in der Woche. Das hebt und Kleinwicht wäre noch mehr Stunden ein großer Wicht.

Kleinwicht regiert seinen Ausschuss mit autokratischer Ichbezogenheit. Sein Wort ist zumindest dem Wort Gottes gleichwertig. Sioux Kleinwicht mag es nicht, wenn die anderen Indianer seines Meetings sich allzulange in ein Thema verbeißen. Solche Typen bringt er, kraft seines Amtes und allerlei Vorschriften, schnell zum Schweigen. Hat er einen solchen unbotmäßigen Indianer gründlich skalpiert, ist er endlich wieder dran. Mit pseudorevolutionärer Biederkeit und hohl wirkendem Phatos, salmt er dann die Hirne seiner Stammesgenossen zu. Wobei es dem Sioux Kleinwicht nicht so genau auf Richtigkeit, Wahrheit und chronologischer Reihenfolge ankommt. Das ist ihm, Kleinwicht, Schietegal, denn es hört sowieso keiner seiner Indianer mehr so richtig hin, aber seiner dürftigen Autorität bekommt das stundenlange Gelaber ausgezeichnet.

Auch der längste Ausschuss geht einmal zu Ende und so auch Kleinwichts seiner. Er muss, so weh es ihm ankommt, Ade sagen. Jetzt ist der Moment gekommen, wo Kleinwicht, wie ein heißer Schrumpfschlauch, schrumpelt. Zischend und pfeifend entweicht mit einem Schlag die ganze aufgeblasene heiße Luft aus dem Sioux. Kleinwicht verschwindet schlurfend im Dunkel von Oberhammeln, kaum zu erkennen so sehr ist er wieder auf Normalmaß geschrumpft.