Der Alte Krug, ein Rückblick

alter-krug2Das heutige Grundstück, auf dem der „Alte Krug“ steht, wurde 1910 in einer Karte vom Dorf Woltersdorf erwähnt. Es war damals das Grundstück Nummer 6 gegenüber der Kirche (erbaut 1555) und der „Alten Schule“(erbaut 1715). Interessant war die weitere Eintragung zum Grundstück. Dort steht, dass der „Alte Krug“ 1642 von Andreas Petrich, Krüger genannt, erbaut wurde. Der nächste Krüger war Martin Petrich der den „Alten Krug seinem Sohn Michel Petrich vererbte. Dieser starb 1737, kurz danach 1742 auch seine Frau. Aufgrund der Bewertung der Erbschaft, gibt es aus dieser Zeit eine sehr detaillierte Aufstellung, wie es im und um den „Alten Krug“ bestellt war.

Um in den Keller zu kommen, musste eine Falltür im Flur geöffnete und eine steile Treppe hinabgestiegen werden. Das ist bis heute noch so. Der Keller selber ist 10 Fuß breit und 10 Fuß lang und 8 Fuß hoch. Die Kellerdecke ist als Bogen gewölbt. Das Ganze ist fensterlos und eine schwere, schmale und niedrige Tür führt in den nächsten Raum. So wird es in der Chronik beschrieben. Von diesen massiven Gewölben gab es acht. Ob sie heute noch alle existieren, kann ich nicht beurteilen. Da unten war es zu dunkel.

In der Mitte des Hauses lag die Küche. Sie hatte einen offenen Schornstein. Ich glaube diesen offenen Schornstein gibt es heute noch. Durch die Küche gelangte man in den Stall, wo an die 10 Stück Rindvieh untergebracht war. Es gab noch einen weiteren Stall, der diente als Schlafstelle „Vor reisende Leute“. Im Gastraum gab es einen Tisch mit sieben Schemeln und den Schankkrug. Alles in allem war es eine heruntergekommene Gaststätte, die 1854 verkauft wurde. Der neue Besitzer war Karl Gottlieb Ludwig Kühne. Nach seinem Tod ging der Alte Krug in den Besitz von Ludwig Hirseland aus Hohenstein über. Der Krug gehörte nun den Hirselandschen Erben und wurde 1910 verpachtet. Wie er dann in den Besitz der Kirche kam, konnte ich leider nicht feststellen. Fakt ist, dass er irgendwann vom Rat der Gemeinde Woltersdorf über sieben Ecken von der Kirche erworben wurde. Als letzten Inhaber, kurz nach der Wende, finden wir Günter Wittig, den ich nicht kenne.

Vom „Alten Krug“ zur Kirche soll jahrhundertelang eine unterirdische Verbindung bestanden haben und von den Kirchendienern eifrig begangen worden sein. Inzwischen wird erzählt, ist er verschüttet, Pech für Pfarrer Trodler.

Wir sehen, der Ursprung vom „Alten Krug“ reicht zurück bis kurz nach Ende des dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648). Wollen wir, dass dieses Gebäude, das fast so alt wie Woltersdorf selbst ist in private Hände geben? Ich meine, hier sollte sich vor einem Verkauf erst einmal die „Untere Denkmalbehörde“ einschalten und sich des alten Gemäuers annehmen. Die Tonnengewölbe, rund 500 Jahre alt, sollten auf jeden Fall zum historischen Erbe von Woltersdorf gehören. Hier sollten unsere Gemeindevertreter die vielleicht etwas voreilige Idee eines Verkaufs noch einmal überdenken.

Unter den Kaufinteressenten befand sich auch Dirk Schwuchow, der Inhaber der Schleusenwirtschaft, der an der Schleuse mehr Platz für seine Brauerei schaffen möchte. „Das hier wäre eine Lösung für mich“, sagte er. Da war noch ein weiterer interessanter Herr bei der Besichtigung, der Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, Torsten Löwe. Torsten Löwe arbeitet in der Liegenschaftsverwaltung, er betreut die Grundstücke der Gemeinde. Schwuchow und Löwe sind Geschäftspartner, beide sind Inhaber der Schleusenwirtschaft. Im Handelsregister von Frankfurt/Oder ist das unter dem Zeichen HBR 13566 FF zu finden.

Einst, so hörte ich, besichtige Dirk Schwuchow als Kaufinteressent die Halbinsel, voll mit Gebäuden, an der Schleuse. Mit dabei der Grundstücksverwalter der Gemeinde Woltersdorf, Torsten Löwe. Raten Sie einmal wer den Zuschlag bekam, richtig Dirk Schwuchow kaufte für nen Apel und nen Ei, eben ein richtiges Schnäppchen. Es wird geraunt, die Gemeinde soll bei dem Geschäft Millionen verschenkt haben. Lange dauerte es dann nicht mehr und der rührige Liegenschaftsverwalter der Gemeinde wurde Miteigentümer der Schleusenwirtschaft. Die Gemeinde hat daraus niemals Konsequenzen gezogen. C’est la vie.

Wie wird wohl dieser Spaziergang der beiden Herren Schwuchow und Löwe durch den „Alten Krug“ mit seinen schlappen 1400 qm für Woltersdorf ausgehen? Ich fürchte, Woltersdorfs Gemeindevertreter müssen noch viel Demokratie und politischen Anstand lernen.

Die Herren Schwuchow und Löwe

  1. Kaethner

    25.10.2016
    Sehr geehrte Woltersdorfer Bürger,
    mit heutigem Datum ging uns die Nachricht zu, dass das historische Gebäude – ALTER KRUG – vom Landesdenkmalamt (BLDAM) auf seinen Denkmalwert fachlich überprüft wird. Frau Bauamtsleiterin Marsand werden wir unverzüglich über diesen Umstand in Kenntnis setzen und sie an die verwaltungsrechtliche Konsequenz der Aussetzung des Bieterverfahrens erinnern. Im Sinne der Herstellung der dringend gebotenen Transparenz bei Denkmalen, als besonderes Zeugnis der kulturhistorischen Geschichte eines Ortes, werden wir eine Kopie dieses Schreibens an die Redaktion von “ Bernd´s Journal“ mit der Bitte um Veröffentlichung senden.
    Mit freundlichen Grüßen an die Woltersdorf Bürger,
    Vorstandsvorsitzende des Vereins für Kulturgüter in Brandenburg und Sprecherin der Gesellschaft für Kulturgüter im ländlichen Raum
    Hildegard Vera Kaethner, Grünheide

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