Bildungscampus am Bauersee?

Fast alle hoben die Hand, die Abgeordneten des Bau- und Hauptausschusses stimmten der Annahme eines Geschenks zu. Das Geschenk, der Bauersee, könnte sich im Laufe der Zeit als Danaergeschenk erweisen. Die Danaer schenkten der Stadt Troja ein hölzernes Pferd und wir alle wissen wie die Geschichte für die Troer ausging.

Nicht kalkulierbare Risiken, kaum überschaubarer Kosten und menschliche Habsucht, könnten neuen Streit unter den Bürgern unserer Gemeinde aufflammen lassen. Da gibt es einen Bürgermeister und einen Fraktionsvorsitzenden von „Die Linke“, die gemeinsam die Abgeordneten zu gieriger Eile trieben, das Geschenk sofort und auf der Stelle einzusacken. Gier macht blind, kaum einer unserer Abgeordneten wehrte sich gegen die eilige Jagd aufs kostenlose Präsent. Noch muss die Annahme des Bauersee in der Gemeindevertretung beschlossen werden. Nimmt die Gemeinde den See nicht, greift das Land Brandenburg zu, damit würden alle Risiken beim Land liegen und der See bliebe uns trotzdem erhalten. Zudem würde es nicht zu weiterem bösen Blut in der Gemeinde Woltersdorf kommen.

Da gibt es in der Kalkseestraße ein Wassergrundstück am Bauersee mit Eigentümern und Mietern, die Nähe zum Bürgermeister haben und der Bürgermeister treibt bei der Übernahme zur Eile. Edgar Gutjahr von „Die Linke“ treibt ebenso eifrig zur Eile und interessierte sich besonders für die Größe der Ufergrundstücke. Warum interessiert ihn die Quadratmeterzahl der Uferflächen, wenn’s doch Natur, Heimat für Amphibien bleiben soll? Interessant wird die Größe der Grundstücke doch nur für Leute, die bauen wollen oder irre ich da?

Zitat aus einer Gesprächsnotiz mit Namen „Bildungscampus“ vom Donnerstag, 10.01.2013 geführt zwischen Katrin Fleischer, die am Bauersee wohnt und einem Ingo Wolf: „Auf dem Gelände am Bauersee soll…….ein erlebnispädagogischer Bildungs- und Begegnungsort entstehen: ZUR WILDEN TULPE.“

Am 26. März 2014 taucht im Sozialausschuss Uwe Reyher (Schulleiter der freien Schule Woltersdorf) und Heike Jonen auf und stellten kurz das Montessoriprinzip vor. Dabei kristallisierte sich heraus, dass Uwe Reyher ein Bildungscampus vorschwebt, von der Krippe bis zum Gymnasium, alles auf einem Gelände. Ihm schwebt ein anderes Objekt als der Bauersee vor, aber da ist der Mensch ja flexibel. Vorsicht ist dennoch geboten. Vergleichen Sie einmal den zitierten Satzteil von Frau Fleischer und den Sprachgebrauch von Uwe Reyher. Mir fiel ins Auge, beide benutzen den Begriff „Bildungscampus“. Weiter fiel mir auf, mit welch ungewöhnlichen Elan sich der Bürgermeister für die Montessoris ins Zeug schmiss, obwohl Herr Reyher bei der Frage nach seiner Rolle in dem Spiel mächtig herumeierte und im Endeffekt keine klare Aussage traf.

Monika Kilian (SPD) mahnte, eine Übernahme kommt nur in Frage, wenn die Grundstücke nicht als Wassergrundstücke verkauft werden. Schwant da einer Abgeordneten, wohin der Zug unterwegs ist?

  1. Gordon Eggers

    120.000 QM Seefläche in Bestlage unweit der Hauptstadt und das geschenkt ! Nehme ich sofort denken wohl die Meisten und das war auch meine erste, spontane Reaktion.
    Nach etwas Bedenkzeit fragte ich mich, was denn im See so alles schlummern könne, außer ein paar Fischen.
    Der Bauernsee ist durchschnittlich nur 1 Meter tief und verfügt aber über eine bis zu 2 Meter dicke Schlammschicht am Grund. Also nicht gerade ein ideales Gewässer, zumal ein Abfluss in den Kalksee nicht wirklich besteht. Den versumpften, meist ausgetrockneten Kuhgraben kann niemand wirklich als Verbindung zum Kalksee ansehen. Als wohl einziger Zufluss in den Bauernsee bleibt wohl nur die Strassenentwässerung von der Rüdersdorfer Strasse. Von dort sind in den vergangenen Jahrzehnten nach meiner Einschätzung viele Tonnen Streusalz, Öl, Russpartikel und sonstiger Unrat in den See gelangt aber nicht abgeflossen. Wir sprechen somit über Altlasten.
    Leider ist seitens der Woltersdorfer Verwaltung bislang nicht geprüft worden, in welchem Maße der See von Altlasten betroffen ist. In Frage kommen auch Munition aus dem 2. Weltkrieg, Waffenentsorgungen in den Nachkriegsjahren, zu Ostzeiten übliche Entsorgung von Sondermüll usw.
    Da wird schon nichts sein, mögen jetzt viele denken. Tatsächlich kenne ich allein 4 Flächen in Woltersdorf mit einer Grösse von mehr als 10.000 QM, die zum Teil erheblich mit Altlasten kontaminiert sind. Eine Überprüfung des Bauernsees auf Altlasten vor der Übernahme durch die Gemeinde Woltersdorf erscheint mir zwingend notwendig, denn eine Entsorgung könnte Millionen kosten und die Gemeinde in den Ruin treiben.
    Aus meiner Sicht ist eine Übernahme des Bauernsees vor Klärung der Altlastenfrage nicht ratsam. Und schließlich bleibt uns der See ja erhalten.

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