Zeitung und Synonyme

Es gibt Menschen der schreibenden Zunft, die lieben als Stilmittel den ständigen Wechsel im Ausdruck, sie verwenden Synonyme wo es nur geht. Die ständige Suche nach Synonymen produziert manchmal unverständliche Sätze. Diese Wortwechselei ergibt nicht automatisch guten Stil. Nicht Abwechslung, nur Wiederholung schafft Verständlichkeit (La Roche). Das treffende Wort ist fast nie ein Synonym.

Ein schönes Beispiel für den falschen Gebrauch von Synonymen fand ich heute in der Märkischen Oderzeitung (MOZ). Zugunsten von Synonymen verzichtete die Nachrichtenagentur AFP gänzlich auf den wahren Ausdruck. Vier Stilblüten möchte ich hier zum besten geben.

Titel: „Berlin warnt vor Reisen nach Thailand“. Kann Berlin vor etwas warnen? Nein, gewarnt hat das Auswärtige Amt. Weiter geht es mit, …„…rieten Deutschland und andere Länder von nicht notwendigen Reisen ab“. Deutschland und andere Länder raten und warnen nicht. Berlin und Deutschland sind hier Synonyme für den wahren Ausdruck – Auswärtiges Amt.

Weiter gehts: „…wirken sich nun auf den für das Land so wichtigen Tourismus aus“. Das Land braucht keinen Tourismus, es bleibt das Land, mit und ohne Touristen. Die Menschen in Thailand brauchen Tourismus. Das Land dient hier als Synonym für die Thailänder.

Noch eine Blüte im Text: „Für die Granatenangriffe machen sich beide Lager gegenseitig verantwortlich“. Können sich Lager für etwas verantwortlich machen? Nein, die Granaten wurden von Menschen abgefeuert, so können auch nur Menschen verantwortlich sein und nicht dieses oder jenes Lager. Ich nehme an, hier wurden Soldaten der Armee und deren Gegner die Rothemden gemeint. Lager wird hier als Synonym für Menschen verwendet.

Viermal werden Synonyme in einem winzigen Text verwendet, der wahre Ausdruck wird nicht ein einziges Mal erwähnt. Die Verständlichkeit fördert solche Schluderei bestimmt nicht.