Woltersdorfs Amtsleiter Hannes Langen

Unser Bürgemeister betreibt wie sein Vorgänger eine introvertierte Bürgerinformation, Information für die Bürger gleich Null. Nur über die Zeitung erfahren wir Einwohner ab und zu etwas über unsere Gemeindeverwaltung. Bei den Artikeln in der Zeitung ist es aber angeraten zwischen den Zeilen zu lesen, ich hab es mal versucht.

Die Gemeindevertretung und unser Bürgermeister suchten einen neuen Amtsleiter für das Ordnungsamt und fanden ihn. Vom Leiter eines Ordnungsamtes erwarte ich ein fundiertes juristisches Fachwissen, soll doch in dem Amt das Recht mit Hilfe unzähliger Gesetze aufrecht gehalten werden. Beworben haben sich mehrere Juristen, die Auswahl an Fachleuten war gegeben. Woltersdorf wollte aber keinen Fachmann, aus welchen Gründen, dass würde ich gerne wissen. Werde ich aber nie erfahren, siehe Informationspolitik weiter oben.

Die Gemeinde hat sich für einen Stadtplaner entschieden. Der soll sich nicht so sehr um das Ordnungsrecht kümmern, obwohl er speziell dafür gesucht wurde. Der Neue soll sich um die weichen Standortfaktoren im sozialen Bereich kümmern. Das ist eine gelungene schwammige, selten komische Beschreibung einer Stelle. Was wollte uns Phytia mit dem Satz sagen? Frank Müller-Brys (SPD) muss sich damit auch nicht ganz wohl gefühlt haben als er sagte: Im Ordnungsrecht ist die Verwaltung so gut aufgestellt, da muss man sich keine Sorgen machen. Klasse Spruch, wozu braucht Woltersdorf dann eigentlich einen Leiter für das Ordnungsamt?

Na, dann wollen wir mal sehen, was der Neue, Hannes Langen, der Architektur studiert hat, selber sagt: Der Weg nach Woltersdorf führt über eine besondere Annonce. Da wurde nicht nach einem Amtsleiter gefragt, sondern nach einem kreativen Kopf. „Ich habe in den Spiegel geguckt und gedacht, das bin ich.“ Am Ende des Zeitungsartikels kommt dann noch ein dicker Klops: Das der Bereich Ordnung und Soziales, Neuland für ihn ist, kümmert ihn nicht. „Ich bin Leiter und habe fachkompetente Mitarbeiter.“ Sein beruflicher Weg bis zu uns ist bemerkenswert. Ab 1989 ist er in Köpenicks Stadtplanungsamt, er hat’s sogar aufgebaut, 1993 gab er den geliebten Stadtplanungsjob auf und wurde für acht Jahre sein eigener Chef und beschäftigte sich mit Bauleitplanungen der Kommunen. Irgendwann muss es damit zu Ende gegangen sein und der, der die Stadtplanung so über alles liebte, entwickelte jetzt Software und betreute Kunden in der Verwaltung, also so etwas wie ein Vertreter. Eine spannende Karriere, vom Leiter eines Stadtplanungamtes bis zum Kundenbetreuer. Ist solche Vielfalt unterschiedlichster Jobs ein zwingendes Merkmal für die Verwendung als Leiter des Woltersdorfer Ordnungsamtes?

In Neu-Gifhorn, einer gut entwickelten Versorgungsbasis für Architekten und Planungsbüros, da könnte ich mir Hannes Langen viel besser vorstellen, da braucht man Architekten mit kreativen Köpfen. Im Woltersdorfer Ordnungsamt würden wir, die Einwohner, lieber einen erfahrenen Juristen sehen, das können wir ja nun knicken. Kann Hannes Langen sich fachkundig um die weichen Standortfaktoren im sozialen Bereich, was immer das ist, kümmern? Soziologie hat er nicht studiert, Sozialarbeiter ist er auch nicht, Psychologe ebenfalls nicht. Was, in Herrgotts Namen, befähigt ihn eigentlich für den sozialen Bereich?

Was ist das für eine Gemeinde, die einen Leiter benötigt, den es nicht kümmert, dass er von seinem neuen Job nichts oder nur wenig versteht, so verstehe ich Neuland. Hauptsache man ist Leiter von Irgendetwas und kennt die grundsätzliche Norm, was immer das ist.

Das, was wir über die Personalie erfahren durften, wirft mehr Fragen auf als beantwortet werden.

  1. Bernd

    Stimmt. nur ein Bürgermeister ist ein politischer Beamter, der kein Fachwissen braucht, obwohl es die Sache erleichtert. Ein Leiter des Ordnungsamts ist dagegen ein FACH-Angestellter/Beamter von dem erwarte ich unbedingt sehr gute Fachkenntnisse in Jura. Herr Langen ist Archtitekt würde er für das Bauamt kandidieren, sähe es anders aus, da besitzt er zweifelsfrei Fachkenntnisse. Sein Pech, wir haben schon einen guten Bauamtsleiter.

  2. Herbert

    Googeln, googeln. Eine Frage kann ich gern beantworten: Hannes Langen kommt von der ARCHIKART Software AG. Die Firma vertreibt Software an den öffentlichen Dienst. Der neue Boss vom Ordnungsamt war dort als Senior Consultant oder auf deutsch als Berater tätig. Ob das die rechten Voraussetzungen für den übernommenen Dienst sind, bezweifle ich auch.

    1. Robert Henkel

      Was sollen denn die rechten Voraussetzungen sein, die ein Ordnungsamtschef mitbringen sollte? Grundsätzlich finde ich es begrüßenswert, wenn ein Mann aus der freien Wirtschaft einen Posten in der Verwaltung übernimmt. Das bringt frischen Wind in die Amtsstube. Bleibt zu hoffen, dass ihm die Ordnungsangelegenheiten der Gemeinde (z.B. Winterdienst) ebenso am Herzen liegen werden, wie die der Bürger.

    2. Bernd

      Hallo Robert, falls Sie einmal ein Haus bauen sollten, empfehle ich, anstatt eines Maurers einen Schlagersänger zu nehmen. Ist das Haus dann fertig, werden Sie wissen weshalb Facharbeit einen Facharbeiter benötigt der sein Fach gelernt hat.

    3. Robert Henkel

      Hallo Bernd,

      ich kann mich noch sehr gut an Diskussionen auf diesem Blog erinnern, als es um die fachliche Eignung diverser Bürgermeisterkandidaten ging. Damals haben sie ganz anders argumentiert.
      Vielleicht sollte man den neuen Ordnungsamtschef doch besser an seinem tun messen, ohne ihn gleich vorzuverurteilen..

Kommentare sind geschlossen.