Woltersdorf sucht Erzieherinnen

Auf der letzten Sitzung des Sozialausschusses trat zutage, die 2 Kindergärten der Gemeinde suchen dringend Erzieher(innen). Seit Jahren sind die Kinderbetreungsstätten überbelegt und dürfen so nur mit einer Sondergenehmigung betrieben werden, und die Genehmigungen laufen dieses Jahr aus. Ob die schwierige Betreung von Kindern in einer überbelegten Gruppe mit einer Sondergenehmigung besser, leichter oder kindgerechter wird als ohne Genehmigung, kann ich mir nicht vorstellen. Mit zunehmender Gruppenstärke wird die Erziehung immer mehr zur Aufbewahrung, wie sollte es auch anders sein, so eine Kindergärtnerin ist auch nur ein Mensch und irgendwann ist die Leistungsgrenze auch bei ihr erreicht.

So ein jahrelanger laxer Umgang mit der Personaldecke birgt Risiken. Es spricht sich unter Erzieherinnen herum, wie die Arbeitsbedingungen hi und da in den diversen Kindergärten sind, wo es besser ist einen weiten Bogen um die Bewahranstalten zu schlagen. Ebenso spricht es sich herum, bei wem die Arbeitsbedingungen gut sind. Klar ist, dass es für Kindergärten, die einen schlechten Ruf verteidigen, deutlich schwerer wird gutes Personal zu rekrutieren. Einen schlechten Ruf erwirbt sich so ein Kindergarten nicht nur mit einer permanenten Überbelegung, sondern auch damit, wie er mit seinen Angestellten und Bewerbern um einen Arbeitsplatz umgeht. Wie es in Woltersdorf gehändelt wird, kann ich an Hand eines wahren Beispiels aufzeigen.

Sabrina Bandelier aus Woltersdorf, wurde nach dem Abitur an der Staatlichen Fachschule für Sozialpädagogik zur Erzieherin ausgebildet. Während ihrer Schulzeit an der Rahn-Schule machte sie von August 2002 bis Juli 2003 ein einjähriges Praktikum im „Haus der kleinen Strolche“. Dort wurde sie gerne gesehen, die Arbeit machte ihr Freude und sie bekam von der dortigen Leiterin, Frau Nöske, zwei sehr gute Zeugnisse. Sabrina gefiel es dort und sie machte sich Hoffnungen, nach der Beendigung ihrer Ausbildung, einen Arbeitsplatz in der Kita zu bekommen. Im Juni 2007 war es dann soweit, Sabrina durfte sich staatlich anerkannte Erzieherin nennen. Sie machte sich auf den Weg zum „Haus der kleinen Strolche“ und wurde von Frau Nöske postwendend abgewiesen. Die Leiterin sagte, es tummelten sich die Bewerber in Scharen vor der Kita und sie sei in der glücklichen Lage, in den nächsten Jahren kein Personal suchen zu müssen. Sabrina merkte hier schnell, wie es im wirklichen Leben zuging. Die kostenlose Praktikantin für 12 Monate, die hat sich das „Haus der kleinen Strolche“ nur zu gerne gegönnt, mehr war nicht drin.

Sabrina hat Bewerbungen an die Woltersdorfer Kitas „Fantasia“ von der AWO und an die christliche Kita „Schatzkiste“ geschickt. Geantwortet haben die beiden Kitas nicht, ihre Bewerbungsunterlagen, die beiden Kitas fanden es nicht für notwendig, ihre Unterlagen zurückzuschicken. Jetzt ist sie seit Jahren in einer Berliner Kita fest angestellt, in einem Woltersdorfer Kindergarten möchte sie niemals mehr arbeiten. Sie wissen schon, ein einmal erworbener schlechter Ruf hängt einem ewig an.