Woltersdorf – Die Kandidaten

17. September 2015 Aus Von BerndWohlers

„Bürgermeister kann meines Erachtens nur werden,“ schreibt der Gastautor Konfuzius, „wer unabhängig von der Parteizugehörigkeit akademisch zertifiziertes Fachwissen, gepaart mit ausreichend langer praktischer Erfahrung in der Kommunalpolitik nachweisen kann.
Wissensferne Möchtegernpolitiker ruinieren jede Kommune. Von derartigen Zeitgenossen, egal welcher Parteizugehörigkeit, hatte Woltersdorf in den vergangenen Legislaturperioden genug.
Entscheidend für die Kommunalpolitik ist für den künftigen Bürgermeister die Fähigkeit, Wissen und Erfahrung sofort in die tägliche Arbeit einbringen und seinen Mitarbeitern vermitteln zu können.“

Wer von den Kandidaten wäre in der Lage, diese Voraussetzungen zu erfüllen? Welcher Kandidat könnte aus dem Stand, ohne erst lange Bürgermeister zu lernen, seine Fähigkeiten für Woltersdorf einbringen? Wer von ihnen hat sich schon längere Zeit, nicht erst seitdem die BM-Wahl ansteht, für die Politik der Gemeinde interessiert?
Was ist von den Versprechungen auf den Wahlplakaten zu halten? Ist es das übliche nichtssagende Wahlgetöse? Getöse, welches um so deutlicher den einfallslosen Kandidaten solcher leeren Worte outet und einen mehr als deutlichen Fingerzeig auf seine zu erwartenden geistigen Fähigkeiten in sich birgt.

Dirk Doll


ist ein in allen Dingen der Verwaltung ausgebildeter Mann. Dirk Doll hat über Jahre, als sachkundiger Bürger und später als Gemeindevertreter, einen tiefen Einblick in die Woltersdorfer Politik bekommen. Er setzt seine Freizeit ein, um im Technischen Hilfswerk und der Freiwilligen Feuerwehr von Woltersdorf anderen Menschen zu helfen. Solche Dienste erfordern ein hohes Maß an Teamfähigkeit, die ein Bürgermeister dringend braucht. Die Masse seiner Wahlwerbung ist nicht erdrückend und entspricht Erwartungen, die erfüllt werden können und sollten. Dirk Doll ist für das Amt des Bürgermeisters bestens ausgebildet und geeignet.

Gerd Tauschek


Wir haben Gerd Tauschek nun eine Reihe von Jahren als Kämmerer von Woltersdorf. In der Zeit haben wir ihn als einen besonnenen Finanzfachmann schätzen gelernt. Schnell war zu sehen, er möchte mehr als nur die Kasse verwalten, er möchte auch an der politischen Willensbildung teilhaben. Auch Gerd Tauschek ist ein in der Verwaltung erfahrener Mann, der sich ebenfalls in der Gemeindepolitik auskennt. Die Masse seiner Wahlwerbung ist nicht erdrückend, protzt nicht und ist wahr. Gerd Tauschek ist ebenfalls für das Amt des Bürgermeisters bestens ausgebildet und geeignet.

Stefan Grams


Ihn habe ich für das Amt als bedingt geeignet eingeschätzt. Warum?
Fangen wir hier mal mit seiner Wahlwerbung an. Stefan Grams dachte wohl, die Masse macht’s. So sieht’s im Ort auch aus. Es nervt, wie er dazu beigetragen hat, jeden geeigneten Befestigungspunkt in der Gemeinde mit Plakaten zu verzieren. Doch interessanter sind die auf den Plakaten zu lesenden Bekenntnisse.
Ärmel hoch; Brücken bauen; Perspektiven schaffen. Die Werbung seiner Anhänger von der CDU lautet: weil Leistungskompetenz wichtig ist; damit Gemeindefinanzen solide bleiben; ..sich eine moderne Verwaltung wünschen.

Seit 2010 ist Stefan Grams beim WBF, erst als sachkundiger Bürger, dann als Gemeindevertreter und später als Fraktionsführer. Jetzt haben wir 2015, warum in aller Welt will er erst jetzt die Ärmel hochkrempeln, Perspektiven schaffen und Brücken bauen. Das hätte er doch schon fünf lange Jahre tun können. Warum hat er bis heute keine einzige Perspektive geschaffen, keine einzige Brücke gebaut? Die Gemeindefinanzen sind solide, dafür sorgt Gerd Tauschek und die Verwaltung ist modern aufgestellt, da passt Frau Weber auf. Die Sprüche der CDU sagen nichts, gar nichts, sind überflüssig. Happert’s da vielleicht an den notwendigen Ideen? Zumindest bei der Wahlwerbung jagt eine Trivialität die nächste Plattheit.
Ich halte Stefan Grams für einen introvertierten Menschen, der nicht in Lage ist auf Andere zuzugehen, eine Gabe über die ein Bürgermeister im hohen Maße verfügen sollte. Wie komme ich zu solcher Einschätzung? Grams und wir (Bernds-Journal) sind ungefähr zum gleichen Zeitpunkt in die Gemeindepolitik eingetaucht. Wir kennen uns seit fünf Jahren, seit fünf Jahren geht Grams in jeder Sitzung durch den Saal, grüßt seine Freunde mit Handschlag. Seit fünf Jahren verharrt er bei uns den Bruchteil einer Sekunde, ein knappes Nicken, das war’s. Er kann nicht vergessen, dass wir bei der letzten BM-Wahl gegen Höhne waren. Wie will ein Mensch, der mit allen kommunizieren muss, Bürgermeister werden, der Leute, die anders ticken als er, ausgrenzt. Solch einen Bürgermeister sind wir gerade losgeworden.
Zutiefst nachdenklich macht mich eine Szene beim Sommerfest, Stefan Grams und der Führer des Mittelstandsvereins, Wilhelm Diener marschieren Schulter an Schulter in angeregter Unterhaltung durch die Schleusenstraße. Diener, dessen Nähe zum letzten Bürgermeister, Rainer Vogel wohl von keinem anderen übertroffen wurde. Der Diener, der Vogel bei vielen Gelegenheiten diente und nun mit Grams zusammen. Das sagt mir viel über Grams. Sag mir, mit wem Du dich einläßt und ich sage Dir wer Du bist.

Gäbe es keine besseren Kandidaten, wie Dirk Doll oder Gerd Tauschek, könnte ich mir mühsam Stefan Grams als Bürgermeister vorstellen.

Sebastian Meskes


Er macht eine erträgliche, nicht alles zubombende Wahlwerbung. Die Sprüche sind nicht weniger platt als bei Grams. Straßenbau und sichere Schulwege; mehr Angebote an Jugendliche und Senioren; mehr Klassenräume und Kitaplätze.
Alles Themen, die in jeder Kommune Dauerbrenner sind, hier in Woltersdorf aber für den Moment als gelöst zu betrachten sind und deshalb als Wahlwerbung danebengreifen. Straßenbau (Infrastruktur) wurde in Woltersdorf traditionell immer vernachlässigt. Für Senioren entsteht am Berliner Platz eine Residenz von privaten Investoren. Für Jugendliche wollte Meskes eine Sozialarbeiterstelle schaffen. In seinem Antrag wurde ausdrücklich gesagt, dass sich auch die „Alte Schule“ an einer Bewerbung beteiligen kann. In dem Zeitrahmen musste sich eine Person, man sagt sie sei früher Pionierleiterin gewesen, aus dem Bereich Alte Schule einen neuen Job suchen. Natürlich besteht da kein Zusammenhang, macht aber nachdenklich. Die Postenschafferei, egal aus welchem Grund, hätte Woltersdorf über viele Jahre Zehntausende gekostet. Die Linke, vielleicht auf Meskes Wunsch, hat Julia Wiedemann, Meskes Lebensgefährtin, als sachkundige Bürgerin nominiert. Soll Woltersdorfs Politikbetrieb etwa ein Familienbetrieb werden?
Sebastian Meskes leitet den Hauptausschuss und nun die Gemeindevertretung professionell, in meinen Augen ist er ein Politprofi, aber weit weg von der Spitzenklasse. Inwieweit er fit für Verwaltungsarbeit ist, kann ich nicht beurteilen. Zweifel habe ich, ob er acht lange Jahre auf dem Posten eines Bürgermeisters verharren will. Meskes ist bestimmt ein guter Parteisoldat, wird man in 15 Jahren Parteizugehörigkeit, und kein schlechter Gemeindevertreter. Er kann, wie Grams, Menschen, die nicht mit ihm oder seiner Partei sind, nicht die Hand geben, wir erleben es bei jeder Sitzung. Eine schlechte Voraussetzung für einen Bürgermeister, der für alle Bürger offen sein soll.

Stefan Thoms


Als es sich herumsprach, dass Rainer Vogel verschwinden würde und ein lukrativer Job für die nächsten acht Jahre frei wird, der keinerlei Befähigungsnachweise verlangt, da tauchte Stefan Thoms auf. Sporadisch erschien er in einigen Sitzungen der Ausschüsse und Gemeindevertretung. Dass, so meint er wohl, ist genug Rüstzeug für einen Bürgermeister. Bis jetzt betreibt er ein Versicherungsbüro und, wenn ich richtig informiert bin, in der Schleusenstraße eine Altpapiersammelstelle.
Sicherlich ist er befähigt seine Unternehmungen zu führen, nur reicht das aus, um eine 8000 Einwohner Gemeinde zu lenken. Ich bin der Meinung, dass wir davon ausgehen können, dass Stefan Thoms keinerlei Erfahrung in der Verwaltung hat und keinerlei Erfahrung in der Gemeindepolitik mitbringt. Rainer Vogel dilletantierte fünf lange Jahre in Woltersdorf herum ohne messbaren Erfolg. Wie viele Jahre wird ein Bürgermeister Stefan Thoms brauchen, bis er den Job kann? Will Woltersdorf solange warten?
Bei seiner Wahlwerbung denkt er wohl auch Masse statt Klasse. Ich weiß nicht, ob Thoms oder Grams mehr Plakate über den Ort ausschütteten. Jedenfalls ist die Menge der Werbung erdrückend und bedrückend.

Stefan Thoms ist wohl der einzige Kandidat der einen PKW-Anhänger mit Werbung vollpflastert und ihn täglich am Straßenrand der Rüdersdorfer Straße abgestellt hat. Täglich wird der Anhänger etwas bewegt.
Laut § 12 Abs. 3b der Straßenverkehrsordnung (StVO) dürfen Kraftfahrzeuganhänger, die nicht mit dem Zugfahrzeug verbunden sind, nicht länger als 2 Wochen im öffentlichen Verkehrsraum abgestellt werden. Dieses zulässige Parken ist aber nur soweit erlaubt, als der Anhänger noch gemeingebräuchlich genutzt wird, d.h. zu Verkehrszwecken. Wird der Anhänger zu anderen Zwecken genutzt z. B. zur Werbung oder zum Überwintern, liegt eine unzulässige Sondernutzung des öffentlichen Verkehrsraumes bereits vom Beginn des Abstellens vor.
Da fragt sich, hat Stefan Thoms eine Sondergenehmigung? Ansonsten ist zu sagen, ich möchte keinen Bürgermeister haben, der schon vor der Wahl Verwaltungsvorschriften in den Wind schlägt. Wie will ein Mann, der das Recht für sich auslegt, andere anleiten das Recht einzuhalten. Geht nicht.

Stefan Richter


Auf Stefan Richter trifft einiges zu, was auf Stefan Thoms zutrifft. Er hat eine Spielzeughandlung und leitet den Woltersdorfer Sportverein. Letzteres, soweit ich es beurteilen kann, erfolgreich. Richter hat ja wohl verkündet, er hat durch seine Tätigkeit für den Verein viel mit der Verwaltung zu schaffen und er stellt in den Raum, dass er viele Sitzungen der Ausschüsse und der Gemeindevertretung besuchte. Er, Richter, also genügend Erfahrung für den Job des Bürgermeisters mitbringt. Ist das so?
Bestimmt hat Stefan Richter ab und zu mit der Verwaltung zu tun, schließlich geht es ja immer wieder um die Sportstätten, die der Gemeinde gehören. Das ergibt zwangsläufig Bedarf an Gesprächen. Nur reicht es aus, ab und zu ein Formular ausgefüllt zu haben, ab und zu ein klärendes Gespräch geführt zu haben, reicht das aus, eine Verwaltung für einen Ort von 8000 Einwohnern zu leiten?
Im politischen Raum bin ich genauer über Stefan Richters Besuche in den Ausschüssen und der Gemeindevertretung informiert. Richter tauchte dort regelmäßig auf, wenn dort die Anträge des Sportvereins auf Fördergelder behandelt wurden. In dem Moment, wenn der Tagesordnungspunkt, der seinen Antrag behandelte, beendet war, stand Familie Richter unverzüglich auf und verließ den Saal. Die nachfolgenden Punkte Woltersdorfer Politik waren ihm eben nicht so wichtig. Das änderte sich erst, als der gut dotierte Job frei wurde und er sich entschloss, an der Bürgermeisterwahl als Kandidat teilzunehmen. Seit dem hat er es tatsächlich geschafft einige, nicht alle Sitzungen, von Anfang bis zum Ende durchzustehen. Wer meint, das sind genug Voraussetzungen für einen Bürgermeister, der wähle ihn.
Dankbar bin ich ihm, dass er Wolterdorf nicht so mit Plakaten zubombte wie Thoms und Grams. Ist auch gut so, der Inhalt seiner Werbung ist doch immens schlicht.

Jelle Kuiper


Der „Grüne“ Kuiper, während der letzten Gemeindevertreterwahl verschwand er auf lange Monate nach Südamerika. Sein Mandat gab er auf. Nach seiner Rückkehr kandidierte er wieder, erfolgreich, für die Gemeindevertretung. Während seiner anwesenden Politikzeit war er ein treuer Parteifreund von Rainer Vogel. Einen Unterschied gibt es, Kuiper behandelt auch Menschen, die mit seiner Politikrichtung nicht einverstanden sind und Kritik äußern, immer anständig, was ihn mir sympathisch macht. Ich bin nicht überzeugt, dass Kuiper etwas von Verwaltung versteht, da haben wir das gleiche Problem, wie bei den meisten Kandidaten. Politisch könnte ich mir vorstellen, dass bei seiner Wahl die unsägliche Politik von Rainer Vogel, seinem Parteifreund, wieder auflebt. Schon allein aus Vorsicht sollte jeder genau überlegen, ob Kuiper der Richtige ist.

Margitta Decker


Wer ist Margitta Decker? Viel wissen wir nicht. Bauingenieurin, im Bauamt von Rüdersdorf tätig. Hier in Woltersdorf ist sie sachkundige Bürgerin der BI „Unser Woltersdorf“. Bisher hat sie noch nichts gebracht, aus dem sich Rückschlüsse auf ihre Fähigkeiten schließen lassen. Ich kann mir vorstellen, dass Verwaltungsarbeit für sie keine Hürde ist. Ihre politischen Erfahrungen möchte ich dagegen, soweit es mir möglich ist, eher als gering bewerten. Sie hat sich der politischen Gruppe „Unser Woltersdorf“ angeschlossen. Als sie in die Gemeindevertretung einzog, hatten die neuen Gemeindevertreter nichts Eiligeres zu tun, als den damaligen Bürgermeister, Rainer Vogel, seinen nicht erlaubten Verkauf eines gemeindeeigenen Grundstücks an seine Frau, nachträglich die Absolution zu erteilen. Im Streit, der beim Bau der Körnerstraße unter den Anliegern entstand, stellte sich „Unser Woltersdorf“ auf die Seite der Langusch-Gruppe. Langusch und Rainer Vogel haben damals die Fäden gezogen, was zu erbitterten Feindschaften unter den Anliegern führte. „Unser Woltersdorf“ ist die politische Gruppe, von der ich annehme, sie möchte einseitig zugunsten einer Gruppe von Anwohnern der Krokodilsbucht agieren. Ich glaube „Unser Woltersdorf“ ist eine Gruppe, die reine Klientelpolitik betreibt. Wie heißt es so schön, sag mir, wessen Freund Du bist und ich sag Dir, wer Du bist. Zu viele Unwägbarkeiten tun sich da auf, auch aus Vorsicht ein NEIN zur Kandidatur von Margitta Decker.

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