Wollen wir den Euro retten?

Vor 11 Jahren knallten in Brüssel die Sektkorken, Feuerwerk überstrahle den Sternenhimmel und Europas Europolitiker bejubelten sich gegenseitig mit glänzenden Reden und Sprüchen. Sie feierten die Geburt des Euro, den sie seit langem wollten. Die politische Zeugung begann mit Francois Mitterrant und Helmut Kohl, Karl-Otto Pöhl und Jacques Delors schufen die Grundlagen. Aufgedrängelt wurde er uns schließlich von Jasques Chirac und Gerhard Schröder.

Optimisten sahen in ihm die Zukunft, heute Europa und morgen die ganze Welt. Es gab genug andere, die in ihm nur eine Fehlgeburt sahen, sie wurden verlacht, als Kuriositäten eines untergehenden Zeitalters angesehen. Lange vor dem Euro gab es einen überzeugten Europäer, Charles de Gaulle. Sein Europa war eine politische Union souveräner Nationalstaaten, die gemeinsame Interessen gemeinsam durchsetzen würden. Eine Währungsunion, ohne dass die Nationen politisch verschmelzen, konnte er sich nicht vorstellen. In der Not würde ein solches Gebilde zusammenbrechen.

Es wurden Modalitäten geschaffen, die den Euro auf den Weg zu einer soliden Währung bringen sollten. Eine davon war die Staatsverschuldung, sie durfte 60 Prozent des Bruttoinlandprodukts und das jährliche Haushaltsdefizit nicht mehr als 3 Prozent ausmachen. Den Vätern des Euro störte es nicht, dass Belgien gerade eine Staatsverschuldung von 120 Prozent vorweisen konnte und Italiens Defizit bei sechs Prozent lag. Nur nicht darüber reden, nicht an die klugen Verträge denken, den Euro wollten sie um jeden Preis. Da gabs auch noch die Helenen, keine Bilanz, die von den Griechen nicht gehübscht war und alle, alle wußten es, die Zeitungen brachten es täglich in übergroßen Lettern. Noch absurder wurde das Bild für den, der sich die Zahlen der damals 15 Europaländer ansah, nur Luxenburg und Großbritannien hätten das Zeug für einen Beitritt gehabt. Selbst Deutschland, Musterknabe und Zahlmeister der Union schrammte knapp an den Kriterien vorbei. Die Schweden und Dänen guckten sich das europäische Wolkenkuckucksheim an und blieben lieber gleich fern. In Großbritannien traute sich Blair nicht einmal die Bevölkerung zu fragen, dem Gegenwind hätte er nicht standgehalten.

Der Euro kam in Zeiten eines globalen wirtschaftlichen Aufschwungs auf die Welt. Da konnte nichts schiefgehen, jeder Lackel schafft es ohne Mühe in guten Zeiten gut dazustehen. Das Schlimme an der Wirtschaft ist, dass auf gute Jahre immer schlechte Jahre folgen; und da sind wir jetzt mal wieder angekommen. Griechenland mit Lug und Trug in die Gemeinschaft hineingeschlichen liegt am Boden, Spanien, Portugal und Italien stehen in den Startlöchern, die Deutschen sollen, müssen bluten für die mediterane Schlampenwirtschaft. Zögern die Deutschen auch nur einen Atemzug lang die Kasse zu öffen, tönen unsere lieben Freunde rings ums Mittelmeer: Faschisten, Nazis, Reparationen, redet man so in einer Familie?

Falls Deutschland zahlt, allen Mediteranen hilft, werden die Deutschen bald so arm wie ihre Urgroßväter in den zwanziger Jahren sein. Da hat ein Brot viele Millionen gekostet, ich bin neugierig, ob die Deutschen das noch einmal erleben wollen.