Wird „BER“ unvorstellbar?

Dieser Tage las ich einen Artikel über das Elend, welches uns erwartet, falls „BER“ eines Tages seinen Dienst als alleiniger Flughafen von Berlin antritt. „Es wird unvorstellbar“ titelt der Autor des Artikels und gießt sein Horrorszenario über uns aus, wie: Falscher Standort, Abertausende Grundstücke werden entwertet, teils unverkäuflich, Grillabend unter Dauerbeschallung. Protestler sind engagierte Menschen, die recht haben, auch wenn sie für manchen anderen nervtötend sind. Dann ruft der Verfasser dazu auf, sich am Volksbegehren gegen den (nächtlichen) Fluglärm zu beteiligen.

Diese ganzen Diskussionen, Proteste und Volksbegehren werden, so sehe ich es, doch sehr janusköpfig geführt. Die tatsächlichen Nachteile für die Anrainer möchte ich nicht in Zweifel ziehen, sie sind real vorhanden. Es ist der Mensch, der Fluggast, der mich interessiert. Warum protestiert er gegen einen Flughafen, der ihn, fliegt er grad nicht, mächtig stört. Möchte er aber fliegen, soll der Airport möglichst nah und schnell zu erreichen sein. Warum gehen Menschen zu Protesten gegen Fluglärm, den sie anderen Menschen durchaus, ohne Gewissensbisse, zumuten, wenn sie denn selbst vom Rollfeld abheben.

Im Jahr 2011 kamen und gingen in Tegel knapp 17 Millionen Passagiere, in Schönefeld waren’s dagegen nur etwas über 7 Millionen. In Tegel starteten und landeten knapp 170 Tausend Flugzeuge, in Schönefeld waren’s unter 74 Tausend. Fällt Tegel weg, kommt das alles auf einen Punkt, nämlich in Schönefeld zusammen. Dass das erst der Anfang ist, sei einfach mal angenommen, Steigerungen wird es geben.

Diese 24 Millionen Passagiere und 234 Tausend Starts und Landungen, die gibt es doch einzig und allein nur deshalb, weil die Bürger unseres Landes fliegen wollen, möglichst oft, auch die Protestler. Hier in Woltersdorf kenne ich zwei Vielflieger, die keinen Protest auslassen und die Einwohner mit missionarischem Eifer nerven. Der eine wollte sogar sein Rathaus in ein Plakat gegen Fluglärm verwandeln.

Was würde denn passieren, wenn, sagen wir einmal 50 Prozent der 24 Millionen Passagiere ihre Gewohnheiten ändern und das Flugzeug meiden würden? Würden die Airlines für die Hälfte der Passagiere weiterhin 234 Tausend Starts und Landungen durchführen? Bestimmt nicht, die Flugzeuge wären ja nur zur Hälfte gefüllt und nicht wirtschaftlich. Sie würden die Anzahl der Flüge halbieren, um im wirtschaftlich grünen Bereich zu bleiben. Die Hälfte an Flugzeugen würde auch nur die Hälfte an Fluglärm bedeuten, so ließe sich der Faden bis zu null Flugbewegungen und null Fluglärm weiterspinnen.

In der Quintessenz liegt es doch bei uns, den Bürgern, die Menge Fluglärm, die wir hinnehmen wollen, zu bemessen. Jeder Reisende kann bestimmen, ob er fliegen will, oder um den Fluglärm zu mindern, z. B. mit der Bahn fährt. Die Airlines richten sich nur nach unseren Bedürfnissen, großer Bedarf viele Flugzeuge, geringer Bedarf weniger Flugzeuge. Wollt ihr keinen Fluglärm – fliegt nicht, ansonsten schweigt und leidet. Protestieren und zugleich fliegen heißt: Heiliger Sankt Florian / Verschon‘ mein Haus / Zünd‘ andre an!

  1. Sumpfrohreule

    Gut Herr Eggers, dass Sie, als grünes Parteimitglied, sich nicht mit den grünschillernden, scheinheiligen Fluggegnern in eine Ecke stellen lassen.
    Und ich erinnere mich, dass Sie mit Ihren gelben Protestschildern „Großflughafen – nein danke“ damals anfangs der 90er Jahre wie ein einsamer Rufer in der Wüste standen. ICH gehörte zu den wenigen mutigen Bürgern, die jeden eigenen Baum an unserer Grundstücksstraßenfront mit diesen Schildern behangen haben. Zum Gespött der vorbei rasenden Woltersdorfer. Einer aus der Kalkseestraße hatte mir damals sogar einen Vogel gezeigt. „Na und“, dachte ich mir, „Euch wird noch das überhebliche Grinsen vergehen !“ –
    Ich bin auch überzeugte, bekennende Nicht-Fliegerin. Mein Mann verzichtet eher aus Solidarität auf das Fliegen, seit 42 Jahren. Wenn uns jemand mit/von seinen Flugreisen prahlen will, endet das immer in vorwurfsvollen Diskussionen….
    Und Sie haben Recht, wenn Sie sagen, dass es viel schöner sei, den Urlaub, die Reise mit anderen (weniger umweltschädlichen) Verkehrsmitteln genießen zu können. Erholung sollte schon am Gartentor beginnen und erst am Gartentor enden. Allgemeine „Entschleunigung“ ist m. E. ein Teil der gesunden Lebensqualität. Nur so hätten wir vielleicht ein Chance, doch noch recht lange gesund und alt zu werden.

    Hätte der Herrgott gewollt, dass wir Menschen auch noch fliegen können, hätte er uns m. E. auch Flügel gegeben. So aber schädigen die Flugsüchtigen nur rücksichtslos seine Schöpfung.

    Mit freundlichen Grüßen

    1. Dorit

      In einem Technikmagazin war zu lesen: In spätestens 40 Jahren wird es deutlich leisere und leichtere Flugzeuge geben. Das gibt Hoffnung!

  2. Auahenne

    Danke liebe Fam. Wohlers, dass Sie das Thema auch mal aufgreifen. Denn es betrifft ja uns und unsere Nachkommen. (Und wäre m. E. noch wichtiger in der breiten deutschen Bevölkerung zu diskutieren, als über die Pflege, Betreuung, Erziehung von Babys und Kleinkinder (U3) in staatlichen Einrichtungen (Krippe) oder lieber daheim, wie es Jahrtausende auch ohne Krippen und ganz natürlich klappte.)

    Außer gesundheitsschädlichen Fluglärm gibt es noch viel, viel Gefährlicheres: Luftverschmutzung durch Flugzeug-Abgase. Diese betrifft dann auch die Menschen, Tiere und Pflanzen, die zufällig nicht unter den Ein- und Ausflugsschneisen eines Großflughafens leben.

    http://www.bundnaturschutz.de
    /fileadmin/download/verkehr/Maguhn_Luftverschmutzung_Vortrag_041106.pdf

    Doch am allerschlimmsten sind die bevölkerungs-dezimierenden Chemtrails am Himmel !
    Das Internet ist zu diesem brisanten Thema voll von kritischen Informationen. Besonders auf Youtube kann sich jeder gesundheitsbewusst lebende Mensch informieren, dass die Chemtrails (bestehend aus Strontium, Barium, Aluminiumoxyd, Plaste-Nano-Partikel, Arsen und anderen toxischen Stoffen) keine Kondensstreifen von Düsenflugzeuge sind, die uns tag-täglich, nacht-nächtlich unseren Himmel, unsere Atemluft, unser Trinkwasser, unsere Bäche, unsere Seen, unsere Flüsse, unsere Meere, unseren Acker-Boden, unsere Pflanzen, unsere Nahrung, unsere Fische, unsere Vögel, unsere Wald-, Haus-, und Nutztiere – und somit UNS VERGIFTEN.

    Mit freundlichen Grüßen

  3. G. Eggers

    Grüne Vielflieger sind natürlich unglaubwürdig, zumal wenn sie sich aktiv gegen den BER stark machen, mir fallen da so einige ein. Mein letzter beruflicher Flug war übrigens vor 9 Jahren, mein letzter privater Flug vor 14 Jahren.Es geht demnach auch anders und dass ohne Qualitätsverlust.

    Trotzdem müssen wir uns doch fragen, ob soviele Flüge überhaupt notwendig sind? Ich möchte niemandem seinen verdienten Urlaub absprechen, aber müssen es denn die Malediven oder Thailand sein ? Europa ist bahntechnisch gut erschlossen, viele Reiseziele sind ausgesprochen reizvoll und zu 100% kerosinfrei erreichbar. Meine Familie lebt guten Gewissens damit.

    Schön wäre es, wenn möglichst viele Woltersdorfer Bürger am Volksbegehren teilnehmen, denn das Einzige, was wir zu erwarten haben ist Lärm, den Profit machen Andere.

    Auch sind mir bislang keine Firmen aus der Region bekannt, die im Rahmen des Flughafenausbaus einen Auftrag erhalten haben.
    Nach meinem Kenntnisstand sind die grossen Aufträge überwiegend nach Süddeutschland gegangen und die haben Ihre Subunternehmer gleich mitgebracht.

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