Will der SV-Woltersdorf nach Rüdersdorf auswandern?

Sucht der SV-Woltersdorf ein neues Zuhause in Rüdersdorf? Kann es kosten was es wolle, selbst wenn es unbezahlbare 15 Millionen Euro werden? Nur weg, aus dieser Gemeinde, die sich schon bei der ruppigen Bitte um lumpige 8000 Euro querstellt?

FLächennutzungsplan von Rüdersdorf an der K6421. Da wo das Ortsschild das Ende von Woltersdorf anzeigt.

FLächennutzungsplan von Rüdersdorf an der K6421. Da wo das Ortsschild das Ende von Woltersdorf anzeigt.



Sitzung des Ortsentwicklungsausschusses von Rüdersdorf am 13. Juni 2017

Wir machten, wie ab und zu, einen politischen Abstecher in eine Nachbargemeinde. Diesmal stand Rüdersdorf auf dem Wunschzettel, denn da gab es einen interessanten Punkt auf der Tagesordnung des Ausschusses für Ortsentwicklung. Den Gedanken hatten wohl auch Sebastian Meskes, Jutta Herrmann und Karl-Heinz Ponsel. Etwas später kamen dann noch Stefan Richter und Michael Hauke, beide vom SV-Woltersdorf, dazu.

Um 18:30 Uhr fing es im großen Sitzungssaal des Gemeindezentrums, mit Ur-Rüdersdorfer Angelegenheiten an. Wir hatten Zeit, der für uns spannende Moment war im Punkt 11 verborgen: „Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans im Bereich der K6421 (Vogelsdorfer Straße) Richtung Woltersdorf“.

Die Zeit nutzten wir, uns ein wenig umzusehen. Ein sehr ordentlicher Sitzungssaal mit einer interessanten Technik ausgestattet. Sowohl die Abgeordneten des Ausschusses als auch die Bürger konnten, entweder auf der Leinwand des Beamers oder auf der gegenüberliegenden Seite an einem Fernsehgerät, die Präsentationen verfolgen. Das fand ich sehr gut. Sehr nachteilig wirkte sich aus, dass es keine Mikrofonanlage gibt. Wir Besucher hatten größte Mühe etwas zu verstehen, weil teilweise sehr leise oder mit dem Rücken zum Besucher gekehrt, gesprochen wurde. Wirklich schade, ein schöner Saal, mit moderner Technik ausgestattet, aber nicht bis zum Ende durchgeführt.

Eine interessante Nachricht, die vom Fachbereichsleiter FB III Bau, Robert Knobloch, verkündet wurde, war, dass er hofft, mit den Baumaßnahmen an der Kalkgrabenbrücke im Juli beginnen zu können.

Endlich der lang erwartete Punkt 11 – Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans im Bereich der K6421 (Vogelsdorfer Straße) Richtung Woltersdorf – kam auf den Tisch. Eigentlich ein nichtssagender Titel, der es aber für Woltersdorf in sich hatte.

Die Vorsitzende, Dr. Rita Nachtigall (SPD), fragte kurz in die Runde, ob der Antrag bei allen angekommen sei. So wie es aussah wohl nicht überall, da er mit der Post versandt wurde.

Robert Knobloch machte die Einführung ins Thema. Er erklärte, dass der Antrag der Herren Stefan Richter und Michael Hauke im Namen des SV 1919 Woltersdorf gestellt wurde und bat, da beide Herren anwesend waren, um Rederecht für sie. Dann zeigte er anhand des Flächennutzungsplanes, um welche Flächen es geht. Es gehe um landwirtschaftliche Flächen parallel zur K6421, die direkt nach Woltersdorf führt. Der Verein beabsichtigte hier Flächen zu erwerben, um einen Sportplatz, dem zur rechten Seite ein Vereinsheim und zur linken Seite eine Dreifeldsporthalle angegliedert sein soll, zu bauen. Des Weiteren soll ein Sportfachgeschäft zur Mitfinanzierung entstehen, so hätte er es verstanden.

Weiter meinte Robert Knobloch, dass so ein Vorhaben außerhalb von Woltersdorf in Rüdersdorf überhaupt erst durchgeführt werden könnte, wenn die Grundlage, nämlich der Flächennutzungsplan geändert werde, da es sich im Moment um Landwirtschaftsflächen handelt.

Eine Sportanlage könne nicht so einfach in die Landwirtschaft gepflanzt werden, dazu müsse diese Fläche erst im Flächennutzungsplan umgewandelt werden. So eine Sportanlage in dieser Größenordnung mit Sportplatz, Halle, Vereinsheim, Stellplätze und mehr, stellt einen erheblichen Eingriff in die Natur und Landschaft dar.

Dr. Rita Nachtigall ließ nun über den Antrag auf Rederecht für Stefan Richter und Michael Hauke vom SV 1919 abstimmen. Es wurde ihnen gewährt.

Norbert Pose (CDU) fragte sich, warum Rüdersdorf zustimmen sollte und welchen Vorteil Rüdersdorf davon hätte. Weiter interessierte ihn der Zeitraum, den der SV 1919 Woltersdorf für diese Maßnahme plane.

Dr. Rita Nachtigall wollte wissen, warum der Sportverein nicht auf landwirtschaftliche Flächen in Woltersdorf gehe. Warum es unbedingt ihre Gemeinde sein müsse, da es doch Richtung Schöneiche in Woltersdorf landwirtschaftliche Flächen gebe.

Stefan Richter (Vorsitzender des SV 1919) erklärte, dass dieses Projekt so schnell wie möglich in Angriff genommen werden sollte. Sie wären schon intensiv unterwegs um Informationen einzuholen, könnten aber erst weitermachen, wenn die Gemeinde Rüdersdorf signalisieren würde, dass eine Umwandlung des Flächennutzungsplanes möglich wäre. Dann kam er auf den Standort zu sprechen. Er wäre ideal, da er direkt an der Ortsgrenze von Woltersdorf liegt und somit für die Mitglieder des Vereins optimal zu erreichen wäre. Darum wurde dieser Ort ausgesucht und erste Kontakte mit den Eigentümern durch Herrn Knobloch und Bürgermeister Schaller geknüpft. Die Planung umfasse ein Gelände von 3 ha.

Michael Hauke meldete sich ebenfalls für den SV 1919 zu Wort.
(Anmerkung: nanu, hatte Hauke nicht kürzlich verkündet, er sei aus dem Vorstand des SV ausgeschieden, um in seiner Funktion als Gemeindevertreter in Woltersdorf bei Angelegenheiten des SV abstimmen zu können. Was sonst wegen der Befangenheitsklausel nicht ginge. Und hier, in Rüdersdorf, vertritt er den Vorstand des SV. Was es nicht alles gibt – in Woltersdorf).

Hauke: Da ein Sportplatz auch mit Lärmbelästigung einherginge, wäre dieser Standort weit weg von Bebauung ideal. Das hätte bei der Wahl eine Rolle gespielt. Deshalb wurde in Rüdersdorf auch angefragt, ob Bereitschaft bestünde, diese landwirtschaftlichen Flächen in Flächen für Sportstätten umzuwidmen. Dort gebe es keine Ortsbebauung, die Flächen gehen auf der westlichen Seite bis an die Grenze von Woltersdorf. Er sah gute Chancen, das Projekt in Rüdersdorf durchführen zu können. Der Verein möchte von den immensen Mietkosten wegkommen, die in Woltersdorf bezahlt werden müssen. Das Geld könne auch in einen eigenen Platz und Halle gesteckt werden. Auf die gestellte Frage, was Rüdersdorf davon hätte, meinte Michael Hauke, finanziell herzlich wenig, aber im idealistischen Bereich, gebe es einen sozialen Effekt. Der Verein habe 835 Mitglieder und erfülle durch die Betreuung von Kindern eine hohe soziale Aufgabe.
(Anmerkung: die 835 mit Anhang können auch politischen Druck aufbauen).

Dr. Rita Nachtigall fragte sich, warum Woltersdorfer Kinder in Rüdersdorf Fußball spielen sollten.

Michael Hauke erwiderte, dass es nicht nur um Fußball ginge, es gehe um Breitensport. Er erklärte, dass sie bisher gekämpft hätten, sich nun aber in der Mitte von einem Nirgendwo befänden und der SV 1919 Woltersdorf endlich eine Heimstatt brauche, die sie bisher nicht hätten.

Dr. Rita Nachtigall fragte, ob die Gemeinde Woltersdorf das Gelände kaufen solle. Michael Hauke erklärte, dass es sich um Gelände von privaten Eigentümern handeln würde und der Sportverein kaufen wolle.

Norbert Pose stellte noch einmal fest, dass die Gemeinde Rüdersdorf nichts davon hätte. Weiter stellte er fest, dass ein Verein eigentlich in seiner Gemeinde lebt. In seinen Augen ist Woltersdorf eine prosperierende Gemeinde, so wie Rüdersdorf auch. Rüdersdorf hat seinen Vereine, Woltersdorf hat seine Vereine. Es würde keinen Sinn ergeben, wenn z.B. der Rüdersdorfer Ruderverein plötzlich seinen Sitz nach Strausberg an den Straussee verlegen würde. Er fragte weiter, warum der Verein die Probleme, die Hausaufgaben nicht mit der Gemeinde Woltersdorf lösen würde. Er sehe nicht ein, dass Rüdersdorf eine landwirtschaftliche Fläche für eine andere Gemeinde umwidmen sollte.

Michael Hauke erklärte, dass nur die Grünflächen nicht die landwirtschaftlichen Flächen genutzt werden sollen. Anhand des genannten Beispiels des Rudervereins meinte Michael Hauke, dass die Grenzen zwischen Rüdersdorf und Woltersdorf auf dem Kalksee auch fließend wären. Norbert Pose warf ein, dass es keine Probleme geben würde, wenn Woltersdorf nach Rüdersdorf eingemeindet wird.
(Anmerkung: Mit Schaller als Bürgermeister – OK ).

Stefan Richter erklärte, dass, wenn der SV 1919 Woltersdorf als Sportverein von Woltersdorf angesehen würde, dann wären sie nicht auf solche Ideen gekommen. So sind sie nur der Sportverein 1919 Woltersdorf, mehr nicht. Daher wären sie ein eigenständiges Unternehmen, das den Sport und Freizeit betreut. Da sie die Förderung, trotz vieler Gespräche mit der Gemeinde, mit der Verwaltung, nicht bekommen, können sie dass, was als Miete aufgewandt wird, auch in Eigentum gesteckt werden.
(Anmerkung: hier verwechselt Richter etwas. Der SV bekam 50 TE Förderung und fordert im Nachgang an die 8000 Euro. Abgelehnt wurde die Forderung wegen einer nicht nachvollziehbaren Buchführung und weil der Vorsitzende Einladungen, sein Anliegen in Woltersdorfer Ausschüssen vorzutragen, nicht folgte).

Robert Knobloch wies darauf hin, dass, wenn es zu einem Bauleitplan käme, die Gemeinde Woltersdorf, da sie davon betroffen wäre, ein Mitspracherecht habe.

René Opitz (CDU) war für den Antrag, da die Sportstätten dann auch den Rüdersdorfern zur Verfügung stünden und Jugendliche aus Rüdersdorf ebenfalls in den Verein eintreten könnten. Die Gemeinde hätte schon etwas davon.

Einer der Abgeordneten oder Sachkundigen Einwohnern (ich glaube Manfred Masek) sprach das aus, was unausgesprochen die ganze Zeit im Raum schwebte. Er habe das Gefühl, dass mit diesem Antrag Druck auf die Gemeinde Woltersdorf ausgeübt werden soll, so vom Geschmack her, da sie in der Gemeinde Woltersdorf mit ihren Forderungen nicht so richtig durchgekommen wären. Deshalb nun dieser Druck auf die Gemeinde oder Verwaltung in Woltersdorf.

Michael Hauke meint nur, dass diese Frage auch vom Bürgermeister Schaller gestellt wurde. Er bestätigte, dass diese Frage berechtigt wäre. Klar müsse man auf den Gedanken kommen, dass da eine Drohkulisse gegenüber der eigenen Gemeinde aufgebaut wird. Aber dem wäre nicht so, sie sind dem Gedanken gefolgt, die hohen Mietzahlungen lieber in Eigentum zu stecken. Das werde vom Verein nun kontinuierlich verfolgt, da ein ganz ernsthafter Wille dahinter stecken würde.
(Anmerkung: Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube die Deckenbalken des Saals bogen sich etwas durch, etwas weiter als sonst).

Wolfgang Baier (Sachkundiger Einwohner) stellte fest, dass der Gemeinde Woltersdorf dann rund 50 TE Mieteinnahmen verloren gingen.

Es sprach wieder der Abgeordneten oder Sachkundige Einwohner (ich glaube Manfred Masek) von vorhin. Dieser meinte, mit dem Sparen der 50 TE, da kämen sie nicht weit.
Er schätzte das ganze Bauvorhaben auf zwischen 8 Mio. Euro bis 12 Mio. Euro. und stellte sich die Frage, wie der Verein das stemmen will. Er betonte noch einmal, dass sie mit 50 TE nicht sehr weit kämen. Robert Knobloch ergänzte noch, dass, wenn es zu dem Verfahren käme, der Investor das Guthaben nachweisen müsse.

Dr. Rita Nachtigall meinte nur, bevor etwas passieren würde, müssten erst einmal ein paar Hausaufgaben erledigt werden. Ein Konzept zusammengestellt werden, das Größenordnung in Form von Plänen, Finanzierung, die Machbarkeit beinhaltet. Das Ganze kann dann bei der Verwaltung eingereicht werden und dann auf die entsprechende Tagesordnung gesetzt werden. Der im Antrag genannte Weg Ortsentwicklungsausschuss und dann gleich in die Gemeindevertretung gehe so nicht, dazwischen legen noch ein paar Schritte. Also, erst einmal ein Konzept mit mehr Informationen und einer konkreten Platzierung auf den 3 ha vorlegen. Erst dann kann entschieden werden.

(Anmerkung: Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Könnte sich die Woltersdorfer Gemeindevertretung entschließen, den Forderungen des SV nachzukommen, dann, so könnte ich es mir vorstellen, würde der SV gnädigst geruhen auf die Ausgabe von rund 15 Millionen Euro in Rüdersdorf zu verzichten. Mann, oh Mann habt ihr sie….).

  1. Peter Müller

    Wer hat denn diesen Kindergarten zum Vorstand gewählt?
    Nach dem Mandat möchte ich erst gar nicht fragen.
    Lustig wäre es geworden, wenn Rüdersdorf dem Antrag zugestimmt hätte!
    Bei den neuen Sportanlagen entstehen natürlich keine Nebenkosten, eine wahre Goldgrube!
    Vielleicht sollten wir Herrn Richter den Job des Kämmerers anbieten, Woltersdorf würde goldenen Zeiten entgegen gehen!

  2. petruschka

    Ich glaube das man wirklich Schildhausen nach Woltersdorf verlegt. Soviel Schildbürger gibt es nur hier.
    Wenn ich das alles lese und höre, stehen mir die Haare zu Berge. So man hat.
    Hier steht ein Verein der fast 100 Jahre überlebt hat. 2 Kriege, Hungersnot, Nazis usw. Ich kenne noch Männer, die ausgezehrt nach Kriegsgefangenschaft in Woltersdorf auf Schlacke gespielt haben.
    Heute wollen alle Zucker in den Hintern gepustet haben und die anderen wollen zeigen, wir sind die Macht.
    Ich war ein Lebenlang immer der Meinung, wer einmal an der Macht geleckt hat, lebt diese. Im Kleinen wie im Großen. Genau das erleben wir wieder in Woltersdorf. Wozu sind die sogenannten Volksvertreter eigendlich da? Bis jetzt kann ich das nicht erkennen.
    Die Faust nehmen auf den Tisch hauen und dann die Köpfe zusammen hauen, das sie miteinander reden, zuhören, verstehen und nacch Lösungen suchen. Der Verein gehört nach Woltersdorf.

  3. Listiger Lektor

    Schlage vor, dass sich die Beteiligten in der Mitte treffen: der SVW pachtet die Sportanlagen an der Hochlandstr. von der Gemeinde und betreibt diese selbst. Dafür keinerlei Förderung von Seiten der Gemeinde. So haben alle was davon. Der Verein bewirtschaftet und entwickelt das Gelände in großteils Eigenleistung bei weitem effizienter als ein Wirtschaftsunternehmen das könnte. Die Sportler wären endlich „heimisch“ und würden ihre bisher durch die (nachvollziehbare) Gängelung der Gemeinde (Verwendungsbachweise, Bedürftigkeit) gebremste Energie kreativ nutzen. Ich halte sowohl den Bau neuer Sportanlagen als auch den hauptsächlich Kosten verursachenden Eigenbetrieb für keine grandiosen Ideen.

    1. Jenny

      Hallo Listiger Lektor, deine Rechnung hat einen großen Schönheitsfehler.
      Woltersdorf, als Schulstandort ist verpflichtet – Pflichtaufgabe jeder Kommune die Schulen betreibt – ausreichende kommunale Sportstätten für den Schulsport zur Verfügung zu stellen.
      Das bedeutet, wenn Schulen wachsen, müssen die Kapazitäten der Sportstätten ebenfalls wachsen. Das endet wie in Woltersdorf in dem Bau einer zweiten Halle.
      Normalerweise werden die sich in öffentlicher – kommunaler – Hand befindenden Sportstätten aus der Verwaltung der Kommune betreut. Woltersdorf hat das auf einen Eigenbetrieb übertragen. Soweit die Sachlage.

      Ich habe nun etwas sehr interessantes in Berlin z.B. beim Bezirk Tempelhof-Schöneberg gefunden. Dort steht: „Die städtischen Sportanlagen werden vom Bezirk selber verwaltet. Die ungedeckten Sportanlagen sind im Allgemeinen von 08 – 22 Uhr für die Nutzung freigegeben, sofern sie den Bedürfnissen der Schulen und förderungswürdigen Sportorganisationen entsprechend geöffnet sind und / oder durch Sportplatzpersonal betreut werden. Bürger/innen ohne Vereinsbindung können demnach diese Anlagen für ihre freie sportliche Betätigung (z.B. auf den Laufbahnen) nutzen, sofern sie sich bei den Sportplatzwarten anmelden und den Schulsport sowie den Wettkampf- und Trainingsbetrieb der Sportvereine nicht stören.“

      In der Sportanlagen Nutzungsvorschrift des Bezirks Tempelhof-Schöneberg findet man solche Passagen.
      „(9) Bei den laufenden Vergaben der Sportanlagen sind im Hinblick auf die Mehrfachnutzung grundsätzlich die Belange der genannten Nutzenden in nachstehender Rangfolge zu beachten:
      1. Schulen, 2. Landesleistungszentren und Bundesstützpunkte, 3. förderungswürdige Sportorganisationen mit Übungs-, Lehr- und Wettkampfbetrieb für den Kinder- und Jugendbereich, 4. Hochschulen für ihren studienbezogenen Lehrbetrieb, 5. förderungswürdige Sportorganisationen mit Übungs-, Lehr- und Wettkampfbetrieb, 6. Volkshochschulen.“

      Ein Stückchen weiter unten geht es unter 8, um die – Vorrangige Nutzung von Sportanlagen.
      „8 – Vorrangige Nutzung von Sportanlagen
      (1) Sportanlagen oder Teile davon können förderungswürdigen Sportorganisationen gemäß § 14 Abs. 2 Satz 2 des Sportförderungsgesetzes zur vorrangigen Nutzung überlassen werden. In diesem Fall sind die Bedürfnisse der vorrangig nutzenden förderungswürdigen Sportorganisationen im erforderlichen Umfang bevorzugt zu berücksichtigen.
      (2) Eine vorrangige Nutzungsüberlassung erfolgt nur, wenn
      a) eine angemessene, möglichst vollständige Auslastung der Sportanlage gewährleistet wird,
      b) die Unterhaltung und Bewirtschaftung der Sportanlage ganz oder teilweise von der vorrangig nutzenden förderungswürdigen Sportorganisation übernommen wird (durch Eigenleistungen und/oder durch Übernahme von Kosten),
      c) bei Bedarf Nutzungszeiten für den Schulsport und den Hochschulen für deren studienbezogenen Lehrbetrieb entgeltfrei zur Verfügung gestellt werden,
      d) anderen förderungswürdigen Sportorganisationen Nutzungszeiten im Rahmen freier Kapazitäten entgeltfrei zur Verfügung gestellt werden.“

      Meinst Du, der SV 1919, da er ja dann verpflichtet wäre, den Schulsport zu garantieren, könne solche finanziellen Auflagen stemmen? Da bin ich mir nicht so sicher. Denn die Möglichkeiten die Einnahmen zu erhöhen, sind doch sehr begrenzt, wie ja hier in dem Artikel Hauptausschuss Juni 2017 durch Frau Atmann vorgestellt wurde. Da muss nämlich ebenfalls zuerst kräftig investiert werden, ehe eventuell ein kleiner Gewinn dabei herauskommt. Es gibt nicht nur Sparen, es gibt auch gewaltige Pflichten und die kosten mehr als 50 TE im Jahr.

    2. Bernds Journal

      Das Thema vorrangig für Schulsport, ist mir hier schon weggenommen worden. So will ich da nicht wiederkäuen.
      Ich möchte mich auf die Art und Weise der Handlungen des SV-Woltersdorf beschränken.

      Der SV ist nicht in der Lage oder Willens aussagekräftige Unterlagen über seine Einnahmen und Ausgaben vorzulegen. Im Gegenteil, nach Aussage der Amtsleiterin widersprechen sich nachgeforderte Angaben mit bereits gelieferten Daten. Das geht nicht in einer ordentlichen Buchhaltung. Das geht nicht, wenn man zugewiesene Steuergelder (Förderungen) abrechnen muss.

      Es geht nicht, das ein SV-Vorstand in Ausschüsse gebeten wird, um Auskunft über die sich widersprechenden Angaben zu machen, dann einfach nicht erscheint.

      Es geht nicht das der Verein als die Entscheidung über die Nachforderung von rund 8000 Euro anstand, mit einer halben, teils in SV-Kleidung, Hundertschaft in den Ratssaal einrückt. Das nennt man Druck aufbauen oder noch deutlich härter, lassen wir’s.

      Es geht nicht, dass man dann eine Kuhweide in der Nachbargemeinde sucht, um angeblich dort ein trautes, lang vermisstes Heim für die Heimatlosen zu schaffen. Das Ganze würde nur 8 – 12 Millionen kosten. Hat der Verein diese Summe? Nein! Hat er Aussicht den Betrag finanziert zu bekommen? Nein! Wozu dann die Vorsprache in Rüdersdorf? Meine eigene Meinung, hier wurde eine Verhandlung getrickst, um die Gemeindevertretung von Woltersdorf weichzukochen. Der Bürgermeister von Rüdersdorf und die dortigen Ausschussmitglieder haben das auch sehr schön formuliert.
      Da frage ich Sie, soll solche Art noch belohnt werden, indem man sich duckt und dem Verein zu Willen ist?

      Das Sport- und Freizeitzentrum ist defizitär, politisch gewollt. Es wurde in der Hauptsache für die Pflichtaufgabe Schulsport errichtet, dessen Kosten immer die Gemeinde zu tragen hat.
      Das bisschen Einnahmemöglichkeiten, welche der Eigenbetrieb hat, wird ihm auch noch durch politische Entscheidungen gemindert. Die Höhe der zu zahlenden Beiträge der Nutzer bestimmt die Gemeindevertretung.

      Es war auch die Gemeindevertretung, die dem SV die Erlaubnis gab, einen eigenen Getränkeverkauf auf dem Gelände zu betreiben. Das der SV damit das Bistro möglicherweise finanziell austrocknen wollte, interessierte keinen einzigen Gemeindevertreter, weil die ganze finanzielle Misere des Eigenbetriebs politisch so gewollt ist.

    3. Listiger Lektor

      Hallo Bernd,
      ich kann nicht in die Köpfe der Verantwortlichen beim SVW schauen, vermute aber eine Mischung aus Unfähigkeit, Unwilligkeit, Arroganz und Auflehnen gegen die unglückliche Konstellation aus Vereinsförderung und hohen Mietforderungen. Ist alles nicht schön anzuschauen, da gebe ich Dir Recht.
      Wie schon geschrieben, halte ich einen Neubau von Sportanlagen an anderer Stelle für kontraproduktiv, denke aber nicht, dass es aus taktischen Gründen erfolgte, sondern weil man sich beim Verein in einer Sackgasse mit der Gemeindevertretung wähnt und über Sportförderprogramme, Eigenleistungen auch beim Bau sowie langfristige Kredite glaubt, das alles stemmen zu können.
      Mir steht es nicht zu, die Handlungen des Vereins zu beurteilen, da ich zu wenig Einblick in die Sache habe, prinzipiell gestehe ich dem Vorstand jedoch zu, für die Interessen des Vereins einzutreten. Es sind auch nur Menschen, mit Stärken und Schwächen.

    4. Listiger Lektor

      Hallo Jenny,
      vielen Dank für die ausführliche Antwort auf meinen Kommentar. Grundsätzlich sagt dieser doch aus, dass es möglich ist und andernorts praktiziert wird, dass Sportanlagen von der öffentlichen Hand an Sportvereine zur Bewirtschaftung übergeben werden können, wenn diese z.B. Hauptnutzer sind. Die Nutzung der Sportanlagen durch Dritte (Schulen, andere Vereine, Veranstalter) könnte im Pachtvertrag geregelt werden. Ich bin sicher, dass es in der Gemeindeverwaltung fähige JuristInnen gibt. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
      Die Gemeinde gibt heute neben der Vereinsförderung auch zusätzlich dem Eigenbetrieb Mittel, um die Bilanz auszugleichen. Ob man nun vom SV fordern sollte, komplett ohne Kompensation den Schulbetrieb zu sichern, weiß ich nicht. Wer zahlt denn heute die Nutzungsentgelte der Schulen an den Eigenbetrieb bzw. müssen die überhaupt etwas bezahlen?
      Dass der Verein die Beiträge nicht erhöhen kann, halte ich im Übrigen für ein vorgeschobenes Argument, solange jede Einnahmensverbesserung in sinkende Förderung mündet und somit beim Verein nichts an den Beiträgen hängen bleibt. Was für eine blöde Situation.

  4. Alte Woltersdorferin

    Ohje, was für eine Fehlkalkulation ! Ich glaube, son wohlhabener Großverleger würde sich auch noch eine Kuhherde samt Weide kaufen, wenn die jetzt noch billigen Milchpreise mal zum Herstellungspreis steigen würden.
    Hallo Bernd, Deine Anmerkung: „… hatte Hauke nicht kürzlich verkündet, er sei aus dem Vorstand des SV ausgeschieden, um in seiner Funktion als Gemeindevertreter in Woltersdorf bei Angelegenheiten des SV abstimmen zu können. Was sonst wegen der Befangenheitsklausel nicht ginge. Und hier, in Rüdersdorf, vertritt er den Vorstand des SV“, wirft nicht nur die Frage auf, ob sich die Interessen des Abgeordneten M. Hauke mit den Interessen des Sportvereinsvorstand M. Hauke vermischen (als Interessenkollision), sondern auch, wie diese, ähm, na sagen wir mal, „doppelbödigen Tricksereien“ und leichtsinnigen, spontanen Haurukacktionen, auch in anderen ernsthaften Fragen zu werten sind ?

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