Weinbergstraße und Quadratwurzelmaßstab

Die letzte Bürgerversammlung brachte viele neue Einsichten über Woltersdorfs Verwaltung, z.B. wir sind wohl weltweit die einzige Gemeinde, wo der Amtsleiter für Ordnung und Soziales in eine Glaskugel äugt und nach heftigen scouting recht unscharf seine Erkenntnisse unters Volk bringt. Weiter konnte ich dem Vortrag entnehmen, die Verwaltung muss das Volk wohl für meschugge einschätzen, wie sonst käme ein Bürgermeister darauf, sein Sprachrohr erklären zu lassen, rund fünfzig Prozent der Winterdienstkosten = 34.464 Euro braucht er für seinen über den Abgrund hängenden Haushalt. Lieber Bürgermeister, die hausgemachte schlechte Kassenlage der Gemeinde auf unsere Kosten zu verbessern, ist das vorletzte. Das allerletzte war das Statement zur Feuerwehr von der Woltersdorfer Fraktion „Die Linke“ im Finanzausschuss Januar 2012.

Zurück zur Verwaltung und ihren, der jeweiligen Kassenlage angepassten, Geistesblitzen. Bei der Bürgerversammlung stellte Hannes Langen die Grundlagen der Gebührenkalkulation vor: den Frontmetermaßstab, bei dem die Reinigungsgebühr von der Strecke abhängt, mit der das Grundstück an die Straße grenzt und den Frontflächenmaßstab, der auch noch die Breite der Straße berücksichtigt. Die beiden Maßstäbe möchte ich beiseite schieben und mich dem dritten, vom Amtsleiter ausgewählten Maßstab, den Quadratwurzelmaßstab zuwenden, der nicht die Straßenlänge aufgreift, sondern an die Grundstücksfläche anknüpft. Wegen ihrer exponentiellen Minderung belastet die Quadratwurzel kleine Grundstücke stärker als große. Das dabei die Kleinen den größeren Teil der Zeche zahlen, wissen Hannes Langen und sein Bürgermeister ganz genau, schoben es mit der Bemerkung beiseite: vollkommene Gerechtigkeit gibt es nicht, es wird immer Ungerechtigkeiten geben. Solche Sprüche kloppen ist eben einfacher, als sich ins Zeug zu legen.

Akzeptieren wir mal den Quadratwurzelmaßstab als Favorit der Verwaltung von Woltersdorf, der auf alle Grundstücke angewandt werden soll. Auf ALLE! Nein, ausgenommen davon sind die Anlieger der Weinbergstraße, da soll der Quadratwurzelmaßstab nicht gelten, beim Winterdienst ja, aber nicht bei der Regenentwässerung der FAW. Was sagt der Quadratwurzelmaßstab, die Kleinen zahlen die Zeche: wegen ihrer exponentiellen Minderung belastet die Quadratwurzel kleine Grundstücke stärker als große“, so Hannes Langen in seinem Vortrag. Würde es auch hier nach dem von der Verwaltung geliebten Maßstab gehen, müsste die Gemeinde Woltersdorf für das 16.000 Quadratmeter große Schulgelände den Löwenanteil der Kosten tragen und die Anlieger mit ihren je 800 bis 1000 Quadratmeter Grundstücken den geringeren Teil und das wäre gerecht. Der grüne Bürgermeister sieht Gerechtigkeit ganz anders, für ihn ist es gerecht, die Kosten der Gemeinde auf die Anlieger abzuwälzen. Wie macht man das? Man schmeißt den gepriesenen Quadratwurzelmaßstab in die Ecke und kramt einen neuen passenden Frontmetermaßstab aus dem Hut und Nullkommanichts haben die Kleinen die Kosten für die Entwässerung der FAW an der Backe und die Verwaltung ist fein raus.

Als sozial und gerecht kann ich das, was unser Bürgermeister und seine Fraktion „Bündnis 90, Die Grünen – Die Linken“ da ausgeknobelt haben, nicht bezeichnen, eher als das Gegenteil. Wollte Woltersdorf solche Regierungskoalition und solchen Bürgermeister haben?