Was ist an Wulffs Schäppchen zu tadeln?

Was ist eigentlich daran so verwerflich, sich von seinem Freund, Geerkens, Geld zu leihen und von anderen ihre Ferienwohnung, ihr Fahrrad oder Flugzeug auf Zeit zu bekommen. Jeder versucht doch ein Schnäppchen zu machen und das ist völlig legitim. Auf dem Wochenmark feilschen Händler und ich um jeden Cent. Brauche ich einen Handwerker, nehme ich den, dessen Preis ich drücken konnte. In der Ferienwohnung eines Freundes urlaubte ich auch schon mal und zu einem Essen wurde ich auch schon von einem Geschäftspartner eingeladen. Für mein Haus kamen nur Bausparkassen mit den günstigsten Konditionen in die engere Auswahl. Freunde, die so viel Überflüssiges ihr Eigen nennen, habe ich nicht, sonst hätte ich’s gern von ihnen genommen, erspart es doch den Eintrag bei der Schufa.

Menschen handelten schon bevor das Geld erfunden wurde und so wird auch bleiben, solange es auf dieser Welt etwas zu schachern gibt. Warum soll „handeln“ einem Ministerpräsidenten oder jetzigen Bundespräsident versagt sein? Seinem Freund wird er Zinsen zahlen und der BW Bank auch, bei der Bank zwischen 0.9 bis 2.1 Prozent. Das ist nicht viel, aber Geld ist momentan Ramschware und Wulff ein Kunde, der jede Menge kostenlose Reklame mitbringt. Auch Otto Mustermann kann durchaus bei einer Bausparkasse ein Darlehen mit einem Zinssatz zwischen 3 und 4 Prozent bekommen, wenn es denn an wohlhabenden Kumpels mangelt.

Ein Fehlverhalten in Christian Wulffs Geschäften ist, so glaube ich, beim besten Willen nicht zu erkennen, nur politisches „Zu kurz denken“ und das ist sehr in Mode, er befindet sich da in bester Gesellschaft. Dumm war es, seinen Freund, Sprecher und Berater Olaf Glaeseker als Bauernopfer vorzuschieben und dumm war es, wenn man selbst kein Heiliger ist, Moralin zu versprühen. Wie er über Johannes Rau’ s Flugticket Affäre sagte: „Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben.“ Der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Gerhard Glogowsi, ließ sich1999 Festgelage spendieren und reiste mit Geschäftsfreunden. Wulff ganz hart: „Er hat sich verheddert in einem Geflecht von Beziehungen, zu denen er nicht die notwendige Distanz hat. Eine wichtige Voraussetzung für das Amt.“ Wer selber schachert, sollte sich nicht über Anderer Schnäppchen aufplustern, aber auch das ist typisch menschlich.

Im Großen und Ganzen, Christian Wulff ist ein guter Präsident für uns Deutsche – er ist wie sein Volk.