Wahr schreiben oder sein lassen

Ab und zu werfe ich mal einen Blick in unser Mitteilungsblatt, herausgegeben von unserer Bürgermeisterin. Mitteilungsblatt, manchmal trifft der Name zu, manchmal bringt die Selbstbeweihräucherungspostille der Verwaltung „Mitteilungen“, da fragt man sich, ob man vielleicht im falschen Film war oder ob Frau Bürgermeisters Edelfedern der Kunst der Desinformation frönen.

In der Ausgabe 5/2017 Seite 4, des schmalbrüstigen Heftes, erinnert ein Artikel über das Russendenkmal an die Pflicht, auch wenn es noch so schwer fällt, bei der Wahrheit zu bleiben. Fällt die Wahrheit auszusprechen schwer, sollte der Autor den Schreibgriffel lieber wegwerfen.

Da schreibt Bürgermeisterins Truppe: „neben den Grabstätten von Faschisten ermordeter sowjetischer Bürger“ Ermordet konnten diese sowjetischen Bürger schlecht werden. Die Sowjets kamen in unübersehbaren Massen und waren schwer bewaffnet. Soldaten, ob deutsche oder russische, die bei Kämpfen ums Leben kamen, wurden üblicherweise schnellstmöglichst gleich am Ort der Kampfhandlung verscharrt. Aus dem Grund werden immer noch Gefallenen auf den Kampffeldern gefunden und erst jetzt bestattet.

Die sowjetischen Truppen kamen also nach Woltersdorf. Widerstand von deutscher Seite gab es nicht, ein paar alte Männer vom Volkssturm schmissen ihre Flinten fort und machten sich fort in die umliegenden Wälder. Bei der Einnahme Woltersdorfs fiel kein Schuss. Nur wenn niemand geschossen hat, wie wurden dann so viele Sowjetbürger von den bereits geflohenen Faschisten ermordet. Das soll uns doch einmal Frau Bürgermeisterin erklären, schließlich ist sie ja für den Inhalt ihres Heftes voll verantwortlich.

Wollen wir einmal schauen, was andere dazu zu sagen haben.
Gemeindevertreter Askell Kutzke warf ein, dass die Partei „Die Linke/Grüne“ den Antrag auf Kostenzuschuss zurückgezogen hatte. Gleichzeitig verwies er darauf, dass laut dem Gerücht, dass ihm zugetragen wurde, dort nur ein Drittel sowjetische Soldaten legen, der Rest wären andere Kämpfer, die gefallen sind. Es müssten in dieser Richtung noch weitere Nachforschungen angestellt werden, wer da nun genau liegt.

Gemeindevertreter Sebastian Meskes ruderte zurück und erklärte, dass aufgrund des Antrages von Karl-Heinz Ponsel nicht auszuschließen wäre, dass dort auch noch andere Personen liegen,

Gemeindevertreter Karl-Heinz Ponsel gab zu bedenken, dass, so wurde es ihm zugetragen, in diesem Bereich nicht nur russische Soldaten liegen. Deshalb müsse seiner Meinung nach der Beschluss erweitert werden, damit auch die sonstigen Toten Wertschätzung erhalten und in einen schriftlichen geschichtlichen Kontext gestellt werden.

Anny Przyklenk („historische“ Arbeitsgruppe) erklärte, dass ihnen Listen mit den Namen der Bestatteten vorlägen. Außerdem wurde Kontakt aufgenommen mit Herrn Dr. Pries vom Deutsch-Russischen Museum, er ist zuständig für die russisch-sowjetischen Kriegsgräber. Dr. Pries erklärte, dass auf den verschieden russischen Friedhöfen, die es hier gebe, keine deutschen Menschen begraben wurden. Es könne sein, dass aus den umliegenden Orten Soldaten beerdigt wurden, die dort zu Tode gekommen waren oder nach Ende des Krieges 1945/46 umgebettet wurden. Man könne davon ausgehen, dass es sich hier nicht um in Woltersdorf gefallenen Menschen handeln würde. Weiter gebe es auf dem Areal eine Begräbnisstätte, wo noch nicht feststehen würde, ob es Antifaschisten waren, was aber eigentlich nicht sein könne, da Deutsche dort nicht beerdigt wurden oder polnische Zwangsarbeiter. Da müsse noch weiter geforscht werden. Allerdings könne sie, so Anny Przyklenk, aus humanen und persönlichen Gründen dieser Diskussion nicht ganz folgen, da sie der Meinung sei, dass man diese Menschen, die dort liegen nicht für die Kriegshandlungen der anderen verantwortlich machen könne. Es gebe sieben Zeitzeugen, die sie befragen konnten und eine Zeitzeugin habe ihr versichert, dass es nachweisbar eine Vergewaltigung durch russische Soldaten gab.

Gemeindevertretung Teil 1 – Juni 2016; Ehrenmal der Roten Armee am Thälmannplatz

Ich würde sagen, hier hat Frau Bürgermeisterin doch recht leichtfertig eine Behauptung aufgestellt, der jede beweisbare Grundlage fehlt.

Der Artikel endet dann in einer kaum vorstellbaren Geschmackslosigkeit. Frau Bürgermeisterin ließ dort ein Foto vom Ehrenmal der Sowjets mit den Gräbern abbilden, soweit ja durchaus im Rahmen, aber dann unter das Friedhofsbild zu schreiben: „Wir wünschen Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit, besinnliche Feiertage und einen glücklichen Start ins Jahr 2018“

Noch nie habe ich Weihnachts- und Neujahrswünsche in Verbindung mit einem Friedhofsbild gesehen, dass wird wohl, könnte ich mir vorstellen, ein weltweit einmaliges Malheur sein.

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