Verspäteter Aprilscherz des Gerd N

Das Telefon bimmelte, vom Nachbar Gerd N. der Sohn Torsten N. hing an der Strippe. „Jungs, die auf der Straße mit Feuerwerk hantierten, hätten vor vier Tagen, am Freitag seinem Erzeuger einen Böller aufs Dach geschmissen und wir, seine Nachbarn, seien dafür verantwortlich und möchten uns doch gefälligst dafür vor dem Alten in den Staub werfen, gehörig barmen und um Verzeihung flehen. Würden wir dem nicht nachkommen, müssten sie Strafmassnahmen überdenken. Das Strafmass wurde auch sofort durch die Leitung gebellt: Wir werden dann nicht den, in einem Schiedsverfahren geschlossenen, Vergleich erfüllen und den von uns einst angerichteten Schaden, wie demolierte Terrasse und Buddelkiste, ja und den umgesetzten Zaun, wodurch sie sich ein Stück unseres Grundstücks einverleibten, wieder an die Stelle setzen, wo er zuvor stand, nee ihr könnt uns mal ereiferte sich der Sohnemann. Das uns, was auf der Straße passiert, nichts angeht, dass ging weit über sein Fassungsvermögen hinaus.

Nachdem wir den Hörer auf die Gabel legten, fragten wir die beschuldigten Knaben, habt ihr? Nein, wir waren auf der Straße, bei eueren Nachbar hat keiner geknallt und es war auch keiner in eurem Garten. Das hatten wir zwar gesehen und das Tor ist verschlossen, aber Fragen bildet. Das gute Dutzend Jungs wird selber bei ihm vorsprechen, die Beschuldigungen müssen ja aus der Welt geräumt werden.

Nur will er seine angerichteten Schäden nicht bezahlen, einst beschuldigte er kleine Buben, sein Dach mit Steinen beschädigt zu haben, da hat der Vater eines der Kleinen den vorgeblichen Schaden von ca. 500 DM beglichen, ein anders Mal sind beim Zaunstreichen einige Spritzer Farbe auf seine fast vom hohen Alter her zerfallende Bootsplane gekommen, wurde auch beglichen, nicht den gewünschten halben Tausender aber immerhin die Hälfte. Was kann es jetzt sein, muss sein Dach neu gedeckt werden?

Wie hat der Nachbar einmal gesagt: alles was ich mache, muss was einbringen, na ja, mal sehen was es ihm einbringt.

Sabrina B.

Nachtrag 6.4.12:die Jungs waren bei Ihnen, sie blaffte durch die Sprechanlage: wir haben Anzeige bei der Gemeinde gestellt. Die Jungs gingen, später kamen die Beiden hinterhergewetzt. Wir hörten sie bis ins Dachgeschoss schrill keifen, ihr Dach ist beschädigt. Ein Junge fragte wie es sein kann, dass ein Böller von 20 – 30 Gramm an die 60 Meter fliegen kann und punktgenau auf seinen Dach explodiert. Da muss man doch vorher die Länge der Zündschnur, Gegenwind usw. berechnen, wie er sich das vorstellt. Stutzen, grübel, grübel, der Böller verwandelte sich flugs in erst drei, später fünf Raketen und Schaden war plötzlich auch nicht mehr entstanden, nun hieß es: hätte entstehen können. Wir, die zuhörten fragen uns, wie kommt es, das Einer, der immer und sofort die Ämter bemüht, vom Freitag bis zum folgenden Montag wartet. Ich finde, die Geschichte ist schlecht erfunden, die reicht nicht als Aprilscherz.

3 thoughts on “Verspäteter Aprilscherz des Gerd N

  1. Hans

    Nochmal kurz. Die kurze Lunte bringt es mit sich, dass die Ladung nach höchstens 10 Mern explodiert, die Flugbahn ist wegen der Form der Eplosionskörper überhaupt nicht vorherrechenbar. Euer Nachbar hat bei der Geschichte wahrscheinlich mehr den Dachdecker und dessen Rechnung denn die Balistik im Kopf gehabt. Versuchen kann man es ja mal 8)

  2. Hans

    Abgesehen vom Mangel an Fantasie des unter Beschussphobie Leidenden, möchte ich doch einen Hinweis geben. In der militärischen Schrift: Artillerie-Handbuch für die Canonier des Königlich- und Churfürstlichen Artillerie-Regiments, 1787 wird genau beschrieben, wie lang die Zündschnur einer Mörsergranate bemessen sein muss, um auch bei Gegenwind sein Ziel zu erreichen. Auch die Berechnung der Vorhaltewinkel bei beweglichen Objekten und Windstärken wird ausgiebig exerziert. Könnte es nicht sein, dass die jungen Artilleristen mit Hilfe der Handreichung doch einen Treffer hätten landen können, jedenfalls in der Theorie?

    1. Bernd

      Wir gucken jeden Tag von früh bis spät von unserem Büro aus auf sein Dach und dort war und ist nichts zu sehen gewesen. Nur die Vögel, die über sein Dach fliegen scheißen ab und zu drauf, das ist dann Bombenalarm. Der war dieses Jahr noch nicht einmal da oben, nicht mal eine Leiter hat er angestellt. Es war bestimmt ein Aprilscherz, aber ein missglückter.

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