Unter lieben Nachbarn – 3 Erschlagene

In Gifhorn da flogen die Fetzen. Jahrelang hatte der Streit getobt: überhängende Äste, Gartenabfälle, vom Nachbarn genaschte Brombeeren, zerstochene Reifen, gezündelte Lauben. So die richtige Nachbarschaftsidylle. Der Eigentümer der Parzellen sorgte für Ordnung – mit einem fünf Zentimeter dicken Eichenknüppel. Er legte sich auf die Lauer und erschlug so im Laufe des Abends einen 33 jährigen und dessen 59 und 64 Jahre alte Eltern. Man muss ja schließlich für Ordnung sorgen und da waren ja auch noch die Prinzipien. Die Frau war derart zugerichtet, dass sie nicht mehr einwandfrei identifiziert werden konnte. Der junge Mann hatte mehrere massive Schädelbrüche erlitten.

Gewalt unter Nachbarn:

Mai 2008 Streit um Parkplatz in Hamm – Ein Rentner schießt einen Mann an und tötet dessen Frau

Juni 2008 Rache in Hanau – ein Jäger erschießt seinen Nachbarn

Juli 2008 Ruhestörung in Mainburg – Ein Ehepaar wird mit einem Messer abgeschlachtet.

März 2009 Einer aus der Feuerbachstraße in Rüdersdorf, hetzt seinen Schäferhund auf mich und hält mir die Faust unter die Nase: „Wir sehen uns wieder“. Wir haben vorher in zehn Jahren noch nie ein Wort miteinander gewechselt und wir wohnen weit auseinander. Warum? Ob er es weiß? Ich jedenfalls bin über soviel Brutalität entsetzt.

Früher hatten Nachbarn, die sich durch irgend etwas gestört fühlten, den Mumm ihren Nebenan anzusprechen. Heute nehmen sie Messer, Pistolen, Fäuste und Hunde – können sie nicht mehr diskutieren?

9 Gedanken zu „Unter lieben Nachbarn – 3 Erschlagene

  1. Recht-haber

    Schlimme Sache wie es sich in vielen Fällen hochschaukelt, und dann im schlimmsten Fall so dramatisch enden kann.

    Das Problem beim Spruch „Der Klügere gibt nach“ tritt dann auf, wenn es keinen Klügeren gibt, sondern es der Zufall so wollte dass gerade zwei unbelehrbare und streitsüchtige „Parteien“ nebeneinander wohnen.

    Wobei es dann noch einen Zacken schlimmer ist wenn unbeteiligte mit reingezogen werden.

    1. Bernd

      Ich kann deiner Ausführung nur zustimmen. Nur wie entsteht so etwas und wie glättet man überschäumende Wogen?

      1. Isa

        „… wie glättet man überschäumende Wogen?…“

        Das funktioniert nur über Anerkennung.
        (siehe hierzu: www-coachingacademie-de)

        Beste Grüße

  2. Renate

    Wie Micha sagt: der Asterix wohnt in uns. Trotzdem wäre es gut, wir könnten miteinander sprechen. Dazu bedarf es aber einer wichtigen Voraussetzung: die Bereitschaft der betroffenen Parteien zuzuhören und dann auch noch Verständnis aufzubringen. Beides ist in Kombination ist meistens nicht vorhanden, weil sich jeder im Recht fühlt.

    Allerdings ist eine Situation, wo man den Knüppel schwingt bereits derart fortgeschritten, dass ein „friedliches“ Gespräch wohl nicht mehr möglich ist.

    Ich wünsche einen friedlichen Sonntag Nachmittag und schicke herzliche Grüße – Renate

    1. Bernd

      Reden kann man zu jedem Zeitpunkt, es ist nie zu spät. Nur dazu muss man etwas mehr Mut aufbringen als den Hund hetzen oder den Knüppel schwingen.

      Einen wunderschönen Sonntag wünschen Angelika und Bernd

  3. Micha

    Na ja ich würde nicht sagen, dass die alle einen Asterix usw. in sich haben. Ich denke eher, dass die netten Nachbarn sich für Dorfsherifs halten und jegliche Form der Kritik an Ihrem Lebensstil oder den ihrer Freunde für einen Angriff auf ihr Leben halten.

    1. Bernd

      Jo! Die haben eben alle ihren Asterix und Obelix intus: “Hau drauf wie nichts”.

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