Unser Bauausschuss hatte das Wort

Der Bauausschuss tagte gestern, es wurde eine richtig gute Sitzung, mit allen Facetten demokratischer Ausdrucksmöglichkeiten. Frau Prof. Dr. Böhm leitete das Gremium und meisterte alle Fallstricke des Abends souverän. Ouvertüre war das Protokoll, Punkt 3, sie, die Abgeordneten haben sich über Silben, Wörter und Sätze gefetzt. Jeder ahnt es schon, solche Stimmung kommt zur Zeit nur auf, wenn es um die Alte Schule geht. Herr Mehlitz vom WBF hatte andere Ansichten als die Vorsitzende über die Formulierung des Protokolls. Nach einer kleinen halben Stunde hatten die Beiden es gepackt und nun zickte eine Dame der Verwaltung. Frau Jacek, an diesem Abend für das Protokoll zuständig, knallte ihren Bleistift auf den Tisch und legte los: Sie weigert sich zu schreiben, nachher ist alles falsch und sie wieder schuld, wenn alles nicht stimmt und sie will alles schriftlich haben. Frau Böhm führte sie nachsichtig zurück auf den Teppich der Wirklichkeit und diktierte ihr die Änderungen, wie ein Lehrer einem Grundschüler. Eine erstklassige Einführung lieferte auch der neue Abgeordnete der Linken, Herr Gutjahr, dem die Argumentation des WBF missfiel und aus diesem Missfallen Rückschlüsse auf den Geisteszustand der Herrn auf der anderen Seite des Raums zog. Ich finde, er hat eine „Silberne Zitrone“ verdient.

Herr Joecks hielt, in der nun entspannten Atmosphäre, seinen Vortrag über die Baumassnahmen, besonders erwähnte er die Werderstraße wo Anno Tobak hochgiftiger Teerbelag verarbeitet wurde und der nun einer speziellen Entsorgung bedarf. In der August-Bebel-Straße. darf der Gehweg auch von Radfahrern genutzt werden. Am Mühlenteich verschwinden ab und zu Bänke, die werden nicht geklaut, sondern saniert und stehen irgendwann wieder da, wo sie hingehören.

Wir kamen mal wieder zur Alten Schule und alle liefen erneut zur Hochform auf. Der WBF stellte den Antrag, das keine neuen Änderungswünsche eingereicht werden. Wie erwartet, gab es keine Einigung, das war in den Stunden ein Fremdwort für alle. Klarheit sollte jetzt erst einmal der Architekt, Herr Brüne, ins Wirrwar Alte Schule bringen. Was er brachte, war eine Lachnummer, die er mit: „Schlecht vorbereitet“ entschuldigte. Kein Beamer, keine Gebäudeansichten, keine Vorstellung von Kosten eines Fahrstuhls bis auf den Grund. Aus der Küche hat er eine Teeküche fabriziert, die Abgeordneten waren baff. Alles war vage und nebulös, da hätte er auch zu Hause bleiben können. Frau Jacek brachte dann das Fass zum Überlaufen, indem sie in den Saal schmetterte: Zur Zeit geht alles, der Bauantrag ist gestoppt. Mit ihrem neuen Nichtwissen sollten die Mitglieder des Ausschusses einen Beschluss fassen, über das, was nicht einmal auf dem Papier zu sehen war. Müller-Brys (SPD) warf in die Runde: Wir sind keine Krümmelkacker, er brauche aber eine optische Anschauung. Frau Böhm hätte das leidige Thema wohl gern vom Tisch und kanzelte die Herrschaften ab: Wenn das hier alles Quatsch ist, dann disqualiziert das die Arbeit des Architekten. Da kann ich nur meinen: Der Architekt hat sich eigenhändig disqualifiziert, der brauchte dazu keine Hilfe. Es kam dann zur Abstimmung über, den oben erwähnten, Antrag des WBF, der wurde abgelehnt, schade. Die muntere Gesellschaft vertagte sich auf eine Sondersitzung, da bekommt Herr Brüne nochmals die Gelegenheit, sein Talent ins rechte Licht zu rücken.

Der letzte Punkt behandelte den Ausbau der Fontanestraße / Waldstraße und die Erneuerung der Straßenbeleuchtung, hier bei der Beleuchtung kommt noch die Ahornallee dazu. Den Anliegern werden satte Kosten von 90 Prozent beim Straßenbau und 50 Prozent bei der Beleuchtung aufgebürdet. Dafür dürfen sie, die Anwohner, die gleichzeitig die Investoren sind, sich nicht einmal die Lampen selber aussuchen, dagegen stemmte sich kräftigst die SPD durch Monika Kilian mit der Aussage: Wie sieht das denn aus, wenn sich jeder seine Lampe selber aussucht. Frau Kilian hats nicht verstanden, es ging um einen einheitlichen Lampentyp für den ganzen Straßenzug.

So nebenbei stellte sich heraus, das Protokoll ist nur ein Beschlussprotokoll, etwas für Faule. Da steht eben nur drin, was beschlossen wurde, aber nicht, wie es dazu kam. Ein richtiges Protokoll ist ein Wort-Protokoll, aus dem kann bei Bedarf genau rekonstruiert werden, wie ein Beschluss zustande gekommen ist. Das ist das einzig richtige, alles andere ist nur halbe Sache.