Theorie und Praxis

Diese Geschichte ereignete sich vor vielen Jahren. Damals arbeitete  ich bei einem wissenschaftlichen Institut. Da eine größere Universitätsstadt in der Nähe war, bekamen wir reichlich Informatiker, Frischlinge von der Uni.

An einen erinnere ich mich besonders. Wolf bekam einen Auftrag, ein kleines Programm zu erstellen. Nach ausführlicher Vorbesprechung legte er los. Es dauerte ungefähr drei Monate, mein Chef wurde schon unruhig, da verkündete Wolf im Brustton der Überzeugung: „Das Programm ist fertig, ich habe es getestet; und es läuft zu meiner Zufriedenheit“. Ein kleines Handbuch hatte er auch geschrieben.

Nun wurde das Programm zum testen installiert. Immer wieder flogen wir mit einem dunklen Bildschirm raus. Einer griff sich das Handbuch und fand auch bald die passende Fehlermeldung. Dort stand wörtlich: „Wenn der Bildschirm dunkel wird, dann gehen Sie bitte zum Operator und beschweren sich, damit er den Fehler sucht.“ Wir trauten unseren Augen nicht. Dann ging das Gelächter los. Der gute Knabe ist nicht einmal im Ansatz auf die Idee gekommen, dass der Fehler eventuell bei ihm liegt.

Mein Chef hatte genug. Er schickte Wolf ins Operating, damit er lernt, wie ein Großrechner funktioniert. Nach einem halben Jahr Lehrzeit, durfte er dann wieder ein Programm schreiben. Diesmal funktionierte es tatsächlich.

Unsere Erkenntnis: Theorie ist das Eine, aber Praxis ist das Wichtigere.

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