Tatwaffe: Tintenfass und Federkiel

Wer schreibt der bleibt, so lautet ein uralter Spruch. Allzu sicher sollte man sich dennoch nicht sein, jedenfalls nicht, wenn man über Themen schreibt, die anderen ein Dorn im Auge sein könnten. Ob es so ist, stellt sich oft erst nach der Veröffentlichung heraus. Das musste ich jetzt auch erfahren.

Vor vielen Wochen veröffentlichte ich einen Artikel über eine in meinen Augen unerhörte Sache. Nichts rührte sich, keiner schrieb auch nur einen Piep. Nur einen musste ich damit schwer getroffen haben, denn bei einem Spaziergang auf einer Düne stürzte er sich auf meine Freundin und mich und wollte uns verdreschen. Da er aus dem Haus kam, wo der Protagonist wohnt, ahnte ich sofort, wo die Glocken hingen. Verprügeln wollte er uns, hats dann aber doch nicht getan. Nur uns drohen, dass mag er nicht lassen. Wir gewöhnten uns an den Zustand. Andere Themen kamen auf, der Artikel wanderte in den Hintergrund.

Bis jetzt, nach sieben Monaten, eine erste Reaktion in meinem Gästebuch zu sehen war. Da warf mir jemand vor, dass mein Aufsatz eine Hetzkampagne sei. Gewundert hatte mich nur, dass der Verfasser manchen Monat im Brennpunkt des Geschehens lebte und dann plötzlich, ohne das etwas Neues geschehen war zur Attacke überging.

Das böse Wort störte mich, war es doch, wie ich meine, unbegründet. Einige Mails hin und her und wenige Tage später, wir waren auf einem freundlichen Level angelangt, gingen wir wieder spazieren. Da kam eine Frau, die wir schon Jahre vom Sehen kannten, auf uns zu und fragte mich ganz direkt: „Sind Sie Herr Soundso?“. Mehr wollte sie nicht wissen. Eigenartig!

Tage darauf spielten wir mit unserem Terrier auf der Düne. Am anderen Ende des langgestreckten Sandteppichs spielten ebenfalls Leute mit einem Kind und ihrem Hund. Plötzlich mitten im Toben, ich drehte den Fremden den Rücken zu, geschah es. Der Mann brüllte laut auf, erschreckt drehte ich mich in seine Richtung, im gleichen Moment hatte mich ihr Hund gebissen und stürzte sich auf unseren Winzling und ich blickte in die Faust des Mannes. Nun erkannte ich ihn, es war der Mann der Frau, die sich genau erkundigt hatte, wer ich war. Seine Begleiterin brüllte etwas davon, dass wir nicht aus dem Fenster schauen und Lügen verbreiten sollten. Was immer das bedeutete, ihr Repertoire an Schimpfwörter war aber äußerst erstaunlich. Das ihr Hund mich blutig gebissen hatte, juckte sie nicht die Bohne, frei nach dem Motto: „das musste uns erst mal beweisen“. Endergebnis: Kaputte Jeans, Bein aufgerissen, beschimpft wie schon lange nicht und bedroht für die Zukunft: „Wir sehen uns wieder“. Da blieb kein anderer Weg, als die Polizei zu rufen. Schade! Nun müssen Staatsanwalt und Gericht klären, wie die DNA ihres Hundes in meine Beinkleider gekommen ist.

So ist er nun der Zweite, der meinen Artikel nicht mochte und den Drang verspürte, mich zu schlagen und obendrein seinen Hund, der ihm aufs Wort gehorchte, auf mich hetzte. Seltsam, dass sich dabei immer ein Faden zu der Person weben ließ, über die ich geschrieben hatte. Gespannt bin ich, wie sich das aufklären wird. Wie die, die im Hintergrund webt, es erklären wird, dass mich immer wieder Unbekannte, ohne Bezug zum Geschehen niedermetzeln wollen; obwohl keiner von denen mich kannte.

Die Moral von der Geschichte ist: Schreiben ist gefährlich, wenn’s dem lieben Nachbarn nicht gefällt. Also überlege es sich jeder, bevor er zur Feder greift. Zu den Artikeln des Anstoßes

  1. Marsav

    Ja, eine ähnliche Erfahrung habe ich auch gemacht – in meinem alten Blog. Da hat man mir sogar öffentlich gedroht, mich nachts abzupassen.
    War schon heftig. Obwohl ich nur Tatsachen ohne Namen geschrieben hab und mit Fotos alles belegen konnte. Naja, so sind die Menschen.

    LG Marsav

    1. Bernd

      Eigenartig ist nur, dass sich immer wieder Dumme finden, die, wie im „Dritten Reich“, bereit sind andere „i.A.“ mit Gewalt zu überziehen. Nur vor denen kneifen, nee – dann lieber all die Unangenehmlichkeiten und juristischen Auseinandersetzungen, die unweigerlich kommen.
      LG Bernd

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