Streik der Lokführer

Gucke ich mich im Land um, kann ich überall viele arme Menschen sehen, weniger gut sichtbar ist die geringere Zahl der Reichen. Irgendwo dazwischen, weder arm noch reich, garantiert nicht am Hungertuch nagend, befinden sich die überwiegend bei der Deutschen Bahn beschäftigten Lokführer. Sie könnten sich mit ihrem auskömmlichen Gehalt zufrieden zurücklehnen, wenn es da nicht die kleine Spartengewerkschaft GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokführer) gäbe. Die möchte für ihre Klientel, eben die Lokführer, ein Maximum an Leistung herausschlagen. Soweit wäre es ein ganz normaler Arbeitskampf, hundert Mal erlebt und wieder vergessen. Hier macht sich aber eine kleine Truppe auf und nimmt die Nation in Geiselhaft, frei nach dem Motto: Zahlt ihr nicht in dem von uns bestimmten Zeitrahmen, dann seht doch zu wie ihr von A nach B kommt, wir lassen die Räder stillstehen.

Die Folgen durfte ich letzte Woche im Krankenhaus erleben. Da kamen jede Menge Neuaufnahmen anstatt früh am Morgen, irgendwann des Mittags an, der geregelte Ablauf auf den Stationen geriet aus den Fugen. Kranke Menschen, denen der Streik nichts anging, mussten für die Forderungen der Lokführer leiden. Heute morgen kam ziemlich verzweifelt die Tochter meiner Freundin, sie musste von Woltersdorf nach Mahrzahn. Sie ist Kindergärtnerin, wenn sie nicht pünktlich an ihrem Arbeitsplatz ist, würden ein Dutzend Knirpse ohne Betreuung sein. Also mit dem Auto nach Mahrzahn und zurück, trotz bezahlter Monatskarte. So wie ich es erlebte, dürfte es Zehntausende ergangen sein, mit vielleicht schlimmen Auswirkungen, wenn sie nicht pünktlich ihren Job antraten.

All diesen Menschen wurde der Arbeitskampf einer geringen Anzahl gutverdienender Spezialisten aufgezwungen, sie wurden Geiseln für die Forderungen der GDL. Ob der Arbeitskampf berechtigt oder nicht berechtigt ist, ist Nebensache. Als vor kurzem in Spanien der Fluglotsenstreik mit Hilfe des Militärs gebrochen wurde, gab es hier in Deutschland, im Angesicht der Bilder von auf Flughäfen kampierenden Passagieren, viel Zustimmung für das harte Durchgreifen der spanischen Regierung. Die Frage ist, darf es sein, dass eine kleine Gruppe von Lokführern seine Passagiere so vorführt? Ist es da nicht angebracht diese kleine Bahnelite per Dekret wieder an die Arbeit zu schicken. Den Genossen von der GDL sei gesagt: Verhandeln ist besser als Gewalt anzuwenden.