Soll die Krokodilsbucht unter den Bagger kommen – Teil 3

Im Fortgang der öffentlichen, durch die ersten Berichte dieses Blogs ausgelösten, Diskussion bekam ich letzter Tage von Dr. Peglau, dem Vorsitzenden des Vereins „Krokodilsbucht e. V.“ eine Einladung zur Ortsbesichtigung. So trafen wir uns am Dienstag bei dem stellvertretenden Vorsitzenden Olaf Schenkel. Ebenfalls anwesend war der Vorsitzende der Solidargemeinschaft zum Schutz vor Kriminalität SSK, der in Nachbarschaft mit dem Bürgermeister von Woltersdorf Dr. Vogel lebt.

Wir begannen mit einem Rundgang entlang dem Weg „Am Erlenbusch“. Dr. Peglau begann mit einer Erklärung der anliegenden Flächen und betonte, dass es den Vereinsmitgliedern keinesfalls darum gehe, auf ihren Grundstücken Neubauten zu errichten, sondern ihr bisher Geschaffenes zu erhalten. Der Vereinsvorsitzende zielte gleich auf das Bauplanungsrecht: Bauen im Innenbereich § 34 und Bauen im Außenbereich § 35 BauGB. Hierzu eine kurze Erläuterung: auf einem Gelände, das zum Innenbereich zählt, darf gebaut werden, in Gebieten, die zum Außenbereich gezählt werden, dagegen darf nicht gebaut werden.

Womit wir uns sofort im Gestrüpp unterschiedlicher Meinungen befanden. Dr. Peglau vertritt die Ansicht, dadurch, dass in dem sensiblen Landschaftsschutzgebiet(LSG)bereits gebaut wurde, hat es den Status Außenbereich verloren. Ich habe mit einigen Abgeordneten gesprochen, alle vertreten die Ansicht, die Krokodilsbucht befindet sich im Außenbereich und darf nicht bebaut werden.

Der Verein reichte seinen Antrag auf die Erstellung eines Bebauungsplans bereits im Januar 2013 beim Bürgermeister Vogel ein. Eine Eingangsbestätigung von Anfang Februar 2013 bestätigt die Angabe. Die Mitglieder der GV bekamen die Unterlagen nie zu Gesicht. Irgendwo auf des Bürgermeisters Schreibtisch müsste der Antrag noch zu finden sein. Sicherheitshalber wurden dem Bürgermeister persönlich am 5. August nochmals 20 komplette Anträge überreicht.

Wir erreichten unser erstes Ziel, das Grundstück von Dr. Peglau, auf dem sich das verhüllte Objekt und ein moderner Bungalow befinden. In der Verhüllung, einzig und allein ein uralter Schuppen mit geborstenem Dachgebälk und unangenehmen Schimmelgeruch. Irgendwie passen Hülle und kläglicher Schuppen nicht zusammen. Dr. Peglau meinte dazu, er müsse seiner Verkehrssicherungspflicht nachkommen, obendrein sei die Hülle Abwehr vor weiteren Verfall durch die Witterung. Der moderne Bungalow reicht bis unmittelbar an das Ufer des Kalksees und da kommen die Bestimmungen für Natur- und Landschaftsschutzgebiete wieder ins Spiel. In diesen Gebieten müssen Gebäude einen Mindestabstand von 50 Metern vom Ufer einhalten.

Im weiteren Verlauf der Wanderung klärte sich, dass der dort wohnende Marco Diener nichts mit dem Führer des Mittelstandsvereins Wilhelm Diener, von Abluft-Diener, zu schaffen hat und wir erreichten das Grundstück des stellvertretenden Vorsitzenden Olaf Schenkel. Hier fanden wir ein massiv gebautes Wohnhaus und zum Wasser hin einen neueren Schuppen. Auf die Frage, ob das Haus ein Schwarzbau sei, bekam ich die Antwort, auf keinen Fall, für das Haus existiert eine Baugenehmigung aus DDR Zeit. Nur den Holzschuppen habe er abgerissen, weil er total marode war und durch einen Neuen ersetzt. Als Beispiel zeigte er mir einen danebenstehenden heruntergekommenen Schuppen, der in den letzten Zügen liegt. So sah sein alter Schuppen auch aus, erklärte Olaf Schenkel. Leider hat er versäumt, sich die in diesem Fall notwendige Bauanzeige oder Genehmigung einzuholen. So ist es zu einer Abrissverfügung des Landkreises gekommen.

Die Vereinsmitglieder sind bereit alle Kosten des Verfahrens zu tragen, die für die Änderung des Flächennutzungsplans und die Erstellung eines Bebauungsplanes entstehen. Soweit die Fakten unseres Besuchs beim Verein Krokodilsbucht e. V.

Unbefriedigend blieben die Erklärungen, warum der Führer des Mittelstandsvereins Wilhelm Diener und der Herr Dietz vom SSK in der Einladungsliste auftauchten. Dr. Peglau meinte, sie wollten mit den Abgeordneten auch Vereine einladen und diese hätte es eben getroffen, es hätte auch jeden anderen Verein treffen können. Auch die Erklärung von Herrn Dietz, warum er als nicht Betroffener auch bei diesem Treffen mit uns anwesend war, wurde nichtssagend beantwortet, mit, es gehe um die Sicherheit des Gebietes.

Machen wir einen Sprung zum Samstag, dem 10. August 2013. Das Sommerfest an der Schleuse ist in vollem Gang. Christoph Albert vom Mittelstandsverein und Dr. Peglau betreten die Bühne. In Ruhe wollte ich die Worte des Vorsitzenden des Vereins Krokodilsbucht e. V. aufnehmen und in diesen Artikel einfügen. Albert wollte mir den Mitschnitt verbieten, alle Gesetze sprechen dagegen, aber das kümmerte Albert nicht im Geringsten. Bei solchem Sachverhalt taucht sofort die Frage auf, wieso will er die Aufnahme verhindern? Handelt er aus eigenem Antrieb? Wieso riskiert er dafür eine juristische Auseinandersetzung? Jetzt bekommt die bisher nicht geklärte Einladung des Führers des Mittelstandsvereins Wilhelm Diener, die Show des Moderators vom Mittelstandsverein und der Versuch einen Tonmitschnitt zu verhindern doch noch einen Sinn.

Dr. Peglau stellte den Verein Krokodilsbucht e. V. vor. Er hob besonders den Naturschutz hervor und betonte, dass man das dort befindliche Erlenbiotop erhalten oder wieder aufforsten könne. Dann schwenkte er ab vom Naturschutz in die Zeit als Woltersdorf noch Hollywood und Filmstadt war. Dr. Peglau erläuterte, dass die wenigsten Leute wissen, dass Woltersdorf Filmstadt war und die Erinnerung daran wach zu halten, auch dass sei ein Anliegen des Vereins. Dabei wurde die Frage angeschnitten, warum gerade an dieser Stelle in der Krokodilsbucht die Krokodile ins Wasser gelassen wurden. Es stellte sich im Gespräch heraus, dass Joe May die Wassertemperatur geprüft hatte und feststellte, dass hier die Temperatur so ist, dass die Krokodile nicht zu munter werden. Mit weiteren kleinen Anekdoten zur Filmgeschichte endete das Interview.

Kommentar: Ein merkwürdiges Interview schauen wir es uns einmal an. Ein neuer Verein stellt sich vor, schneidet kurz den Naturschutz und punktuell die Geschichte Woltersdorfs an. Das war alles, kein Wort darüber, das der Verein Fakten schaffen möchte mit einem vorgezogenen Bebauungsplan für die Krokodilsbucht. Kein Wort über bisherige Bebauung des Landschaftsschutzgebietes, kein Wort über Uferbebauung, nichts, rein nichts kam rüber. Meinen Sie nicht, Dr. Peglau, dass diese Punkte die Bewohner viel mehr interessiert hätten als Joe May, der Tiger von Eschnapur und die angenehmste Badetemperatur für Krokodile im Kalksee? Eine neue Frage taucht da auf, belebt gerade abgebautes Misstrauen neu, weshalb sollte verhindert werden, dass diese paar harmlosen Worte mitgeschnitten werden?

Wir stehen hier vor einer schwierigen Situation. Mir wurde von glaubwürdiger Stelle erklärt, dass laut Kataster in der Krokodilsbucht nur Bootsschuppen und Anlegestege zu finden sein dürften. Wir fanden aber deutlich mehr und eine Satellitenaufnahme zeigt noch viele Dächer, die nur zu Wohnhäusern gehören können. Die, die wir befragen konnten, verweisen auf Baugenehmigungen aus der DDR-Zeit und dem Bestandsschutz. Gesehen haben wir keine Baugenehmigung.

Die Häuslebesitzer sollten ihre Genehmigungen zusammensuchen, sie werden sie brauchen. Werden nach dem Recht der Bundesrepublik keine Baugenehmigungen vorgewiesen, werden ihre Häuser als Schwarzbauten angesehen und es muss mit einer Abrißverfügung gerechnet werden.

Hierzu sollte es auf keinen Fall kommen. Es ist jetzt an einer Lösung zu arbeiten, die es den dort Ansässigen erlaubt ohne Angst um ihren Besitz zu leben. Ist ein genehmigter Bebauungsplan der richtige Weg? Ich denke nein, er würde den Wert der Immobilien ungerechtfertig in ungeahnte Höhen schießen lassen und einer weiteren Bebauung freien Lauf lassen. Beides ist zu verhindern. Es kann auch nicht sein, dass, falls es keine Baugenehmigungen gibt, den dann begangenen Rechtsbruch in solcher Größenordnung zu belohnen. Auch sollte daran gedacht werden, die besiedelten Teile der Krokodilsbucht nach Aufgabe durch die jetzigen Besitzer an die Natur zurückzugeben.

Soll die Krokodilsbucht unter den Bagger kommen? – Teil 2
Soll die Krokodilsbucht unter den Bagger kommen? – Teil 1
Bürgermeisters Moderator mag keinen Tonmitschnitt