Septemberspaziergang

Es war ein schöner, sonniger Tag, dieser Sonntag Nachmittag. Anton, unser Terrier, trieb uns aus dem Haus, ein längerer Spaziergang stand uns bevor. Wir starteten am Feuerwehrhaus in der Berliner Straße und bewegten uns langsam in Richtung Schöneiche. Da klingelte es hinter uns, ein Radfahrer wollte vorbei. Wir drückten uns an die Seite, sahen dabei schon den Nächsten und dahinter die Nächsten. Von vorn sah es nicht besser aus, auch von da rollte ein Rad nach dem anderen an. Von Sonntagsspaziergang konnte keine Rede mehr sein, auf der Hut sein war angesagt. Alle naselang drückten wir uns an irgendeinen Zaun, alle naselang riss unsere Unterhaltung mitten im Satz ab. Ein Viertelstündchen später, wir hatten genug vom Sonntagsspaziergang wechselten wir auf die andere Straßenseite, bewegten uns wieder Richtung Feuerwehr. Neues Spiel, neues Glück, sie, die Radfahrer, kamen auch hier, von vorn und von hinten.

Wir erkannten recht schnell, die Berliner Straße ist bei gutem Wetter nicht für einen Spaziergang geeignet. Das schmale Band des Fußweges teilen sich zwei verschiedene Verkehrsmittel, der langsame Fußgänger und der schnelle Radfahrer. Da passt etwas nicht, da kommt es alle naselang zu Situationen, wo der Radfahrer entnervt abbremsen muss, weil der Fußgänger nicht schnell genug zur Seite sprintet. Da sind die Fußgänger genervt, weil sie andauernd zur Seite hüpfen müssen, ihr Gespräch im Sande verläuft, alle paar Meter der Gedankenfaden abgeschnitten wird. Bei uns kam noch hinzu, wir mussten unseren Terrier ebenfalls alle paar Meter mit Gewalt zur Seite zerren, was dem wiederum zu lauten Unmutsäußerungen hinriss.

Nein, Fußgänger und Radfahrer sind wie Feuer und Wasser, sie auf dem schmalen Bürgersteig gegeneinander auszuspielen, bringt nur böses Blut, im schlimmsten Fall, Streit und Unfall. Radfahrer gehören, allein schon von der Geschwindigkeit, auf die Fahrbahn. Die Erfahrungen unseres radgestörten Spaziergangs lässt mich mit Grausen an den Plan unserer Verwaltung denken, ein Radweg auf dem Bürgersteig, direkt vorbei am Krankenhaus. Da wimmelt es, wie unser Bürgermeister sagte, von Rollatoren, Rollstühlen, Kranken, Gebrechlichen und Besuchern. Durch dieses Getümmel, auf dem schmalen zwei Meter breiten Weg, will unsere Verwaltung die Radfahrer sausen lassen? Ein Glück, ein Krankenhaus ist ja gleich vorhanden! Mal im Ernst, liebe Verwaltung, ist Euch diese absurde Idee bei einem feuchtfröhlichen Betriebsausflug oder in den rathäuslichen Schnarchkammern gekommen? Nein – hier gehört kein einziger Drahtesel auf den Bürgersteig, auch nicht der des Bürgermeisters!

Bundesweit geht die Rechtsprechung dahin – Radfahrer gehören auf die Fahrbahn und nicht auf den Bürgersteig, hoffentlich spricht’s sich auch mal bis Woltersdorf rum.

Aus StVO Radwege; Qualitätskriterien für Radwege: gemeinsamen Fuß- und Radweg innerorts mindestens 2,50 m, außerorts 2,00 m.

Wie sagten unser Bauamtsleiter und die Planer, mehr wie zwei Meter Breite sind in der Schleusenstraße nicht drin. Ich glaube, die zwei Meter werden, dort wo Bäume und Laternen stehen, nicht erreicht.

  1. renate

    Achtung: blöde Antwort

    Na, in diesem Fall ist das ja nicht so schlimm, weil das Krankenhaus ja direkt vor der Nase liegt … 😉

    Liebe Grüße und schönes Wochenende für Euch beide!
    Renate

  2. Renate

    Radfahrer „dürfen“ nicht auf Bürgersteigen fahren. Ich mach es aber trotzdem auch. Auf die Idee, Fußgänger auf die Seite zu klingeln, komme ich allerdings nicht. Sondern halte an, steige ab, rolle an ihnen vorbei, und setze mich dann wieder auf den Drahtesel. Denn ein Bürgersteig ist für Fußgänger. Wer sie als Radfahrer trotzdem benutzt, sollte Rücksicht nehmen – finde ich. Aber mit der Rücksicht verhält es sich so wie mit vielen anderen „Regeln“ im Umgang miteinander: sie geraden immer mehr in Vergessenheit. Leider!

    Liebe Grüße
    Renate

    1. Bernd

      Du hast recht, liebe Renate, dass mit der Rücksichtnahme aufeinander ist so ein Ding. Es gibt immer wieder einige Radfahrer, die sich recht unsanft durch die Fußgänger drängeln. Bei uns hier ist das Problem, dass da ein Krankenhaus ist, wo diese neue „Rennstrecke“, die unser Bürgermeister favorisiert, entstehen soll. Du kannst Dir bestimmt lebhaft vorstellen, was passieren kann, wenn dort einige Leutchen mit Rollatoren oder Rollstühlen unterwegs sind.

      Lieben Gruß zurück aus dem bewölkten Woltersdorf
      Angelika und Bernd

  3. Peter Müller

    Hallo Bernd,
    aus der Sicht eines Fußgängers hast Du sicher Recht, da ich aber Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer bin, sehe ich die Sache schon mit zwiespältigen Gefühlen.
    Radfahrer auf die Straße zu treiben, wenn es nicht unbedingt notwendig ist sehe ich als Problem.
    Man nehme die Berliner Str., parkende Autos, Straßenbahn, leicht genervte Autofahrer und dann die Mutti mit Kind auf dem Kindersitz dazwischen, das ist lebensgefährlich!
    Wenn jeder Fahrradfahrer die richtige Bürgersteigseite wählt (wie vorgeschrieben) wird es schon halb so gefährlich und wenn man dann den Fahrradfahrern entgegenläuft geht es (halbwegs).
    In der Schleusenstr. sieht das schon wieder anders aus, der Bürgersteig ist meines Erachtens wirklich zu schmal, vielleicht diskutiert man mal darüber, ob die Fußgänger die Krankenhausseite benutzen und die Fahrradfahrer die andere Seite oder zeichnet notgedrungen einen Fahrradstreifen (siehe Erkner) auf die Straße. Man muss bedenken, dass es immer mehr Fahrradfahrer werden und sollte versuchen das Miteinander in geordnete Bahnen zu lenken, sonst gibt es immer mehr Stress
    Viel Arbeit für unsere Gemeindevertreter, vielleicht sollten wir sie mit durchdachten Vorschlägen unterstützen!
    Beste Grüße
    Peter

    1. Bernd

      Wir haben es in der Berliner Straße so erlebt, auf beiden Bürgersteigseiten kamen die Fahrräder von vorn und hinten. Eine echt nervige Angelegenheit.

      Die Unfallforschung, die Berliner Polizei, incl. Administration sind zu dem Schluss gekommen, dass Radfahrer sicherer auf der Fahrbahn untergebracht sind, weil dann die Unfallzahlen zurückgehen. Frage mich aber keiner wieso das so ist.

      Gemischte Rad- Fußwege müssen im Ort eine Mindestbreite von 2.50 Meter aufweisen, ich kann mir nicht vorstellen, dass das in der Schleusenstraße möglich ist (StVO Radweg).
      Gruß Bernd

  4. G. Eggers

    Ein sehr plastischer und plausibler Beitrag.
    Man sollte in der Tat noch einmal drüber nachdenken, ob ein Fahradweg direkt vor dem Krankenhaus zweckmäßig ist, denn das Gefahrenpotenzial könnte erheblich sein. Ein erneuerter Fussweg ist möglicherweise ausreichend und schont die Finanzen unserer Gemeinde.

    1. Bernd

      Es ist zweckmässig, wenn es Grundlage der Planung ist, dem Krankenhaus einen zusätzlichen Zustrom von Patienten zu vermitteln.

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