Schwert und Schild der Partei – heute noch?

Am 29. August 2010 hatte Woltersdorf eine Sternstunde mit Dr. Helmut Müller-Enbergs von der Stasiunterlagenbehörde, obwohl, mit Sicherheit gefiel einem nicht zu kleinen Kreis von Betroffenen diese Sternstunde überhaupt nicht. Stasi, MfS, damals noch ein in den Knochen sitzendes Thema, welches der Aufarbeitung harrte, interessierte mich brennend.

Stasi Vortrag in St. Michael

Heute fast 10 Jahre später frage ich mich, Staatssicherheit, schon wieder, warum nur? Müsste das Kapitel nicht einmal entgültig begraben werden, ganz tief, so dass das Gespenst nie mehr das Tageslicht erblickt. Ich würde es gerne machen, nur ich bin nicht alle und da ist ein Zeitgenosse, mal in der Partei mal in einer anderen, der das MfS immer noch als Thema sieht, wenn er denn keine anderen Sorgen hat, soll er, ist ja Wahlkampf. Und unser Wechselparteiler geht momentan gerne damit hausieren, dass in einer Partei/Wählergruppe einer von der Stasi mitmischt. Klar, erstmal Aufregung und dann, der Mann war einzig im Wachregiment der Stasi. Gleiches ergab sich vor kurzem in Berlin, Andrej Holm, ein junger fähiger Politiker war beim Wachregiment. Fähigkeit hat ihn nichts genützt, die Vergangenheit hat die Konkurrenz feste ausgeschlachtet. Scheint, unsere Republik kann immer noch nicht sattelfest mit der Stasi umgehen.

Ich habe mich mal mit dem Mann unterhalten, typische Laufbahn bei der Armee und das übliche in allen Armeen dieser Welt sattsam bekannt, packen und umziehen, so alle vier Jahre. Nervt, ich kenne welche beim Bund, die hat das zum Wahnsinn getrieben. Unser Mann war pfiffig, dachte Wachregiment, da wird nicht viel umgezogen, also hin. Das war’s. Und dafür macht man nun Jagd auf einen Menschen, ein Leben lang? Liebe Bundesrepublik, ziehe einen Schlussstrich unter diese Hexenjagd.

Nun, einmal dabei, der Mensch ist Jäger und Sammler. Ich jägerte mal ein bißchen in einer allen offen, im Internet zugänglichen Personaldatei der hauptamtlichen Mitarbeiter der Stasi. Die Datei hat nur einen kleinen Schönheitsfehler, es befinden sich in ihr nur die kleinen Lichter. Die großen Bonzen sind da nicht drin.
Also zog ich mir in Anbetracht der kommenden Kommunalwahl die verstaubte Datei auf den Schirm und tippte alle Kandidaten für Woltersdorf ein. Dreimal machte es BINGO, einmal bei den Linken, einmal beim WBF und bei unserem zuvor beschriebenen Kandidaten. Die Namen lasse ich mal weg, ich will niemanden den Boden unter den Füßen wegziehen. Wer die Datei will, sie ist wie gesagt jedem zugänglich im Internet zu finden.

Das große Manko beim Abgleich war, ich habe zwar eine Liste aller Kandidaten für diese Wahl, nur diese Liste enthält einzig das Geburtsjahr. Monat und Tag, da wird es schwierig für jemanden, der nicht an einen Behördencomputer ran kann. Die Linke spielte diesen Trumpf auch gleich aus und sagt, dass Geburtsdatum stimmt nur im Jahr überein, der Rest ist different. Ob die Behauptung stimmt, ich weiß es nicht. Ich habe da so ganz arge Zweifel, aber was soll’s. Vielleicht bekomme ich ja mal den Beweis – für oder gegen. Die Linke könnte ihn ja ganz einfach führen, auf dem Personalausweis steht ja das Geburtsdatum. Ganz kurz mal die Karte zeigen und alle Zweifel sind aus dem Weg geräumt, so oder so.

Dem WBF, habe ich es auch mitgeteilt, die hüllen sich in tiefes Schweigen, mit den Manieren da haperts noch ein wenig. Mal sehen was ihnen so einfällt, vielleicht die gleiche Datums-Story, wie den Linken.
Somit besteht die handfeste Möglichkeit, da die Betroffenen kaum zur Aufklärung beitragen werden wollen, dass drei ehemalige MfS-Mitarbeiter gewählt werden könnten.
Aus meiner persönlichen Sicht nicht weiter tragisch, die Stasi gibt’s nicht mehr, die Leute waren in untergeordneter Position und sind jetzt wahrscheinlich angetreten, um etwas im Ort zu dessen Vorteil – hoffentlich – zu bewirken.

Damit haben wir dann die Parteien und Wählergruppen abgearbeitet, kommen wir zu einem anderen Gremium, dem Seniorenbeirat. Auch hier gibt es, ich denke mal drei Personen, die eine mehr oder weniger innige Beziehung zur Stasi hatten. Auch die machen dort einen leidlichen Job und es wäre auch da an der Zeit, die Karten offen auf den Tisch zu legen. Jeder sollte zu seiner Biografie stehen, man entkommt ihr ja doch nicht.

So sieht’s aus in Woltersdorf, einige Wenige die ans Ufer gespült wurden und die Masse, verborgen in dunkler Tiefe. Vielleicht würde dem Ort einmal eine offene und ehrliche Diskussion, ohne gleich mit Anzeigen zu drohen, wie ich’s jetzt bei den Linken erlebte, mehr wie gut tun. So etwas machen nur Leute die noch nicht richtig reif sind für die Demokratie,

Und wir sollten diese Leute in die Gemeindepolitik einbinden, schließlich haben sie nichts gemacht, wofür das StGB lebenslänglich vorsieht.

Alles hat einen Anfang und ein Ende.

5 Gedanken zu „Schwert und Schild der Partei – heute noch?

  1. Erika

    Hallo Herr Wohlers,

    bitte verharmlosen Sie das Wachregiment der Stasi nicht. Es wäre zu einfach nur die Mitgliedschaft auf den nahen Wohnort zu beziehen. Nur wer treu zur Partei und zur Stasi stand wurde dort aufgenommen.
    Wer in Hohenschönhausen war, weiß was es bedeutet von der Stasi betreut worden zu sein.

    Aus Woltersdorf kennen ja einige diesen Arbeitsweg.

    Haben Sie vom WBF schon eine juristische Klärung erhalten? Wer nichts zu verbergen hat kann dies ja prüfen lassen, die Archive sind ja offen.

    Ja so schnell wird man seine Vergangenheit eben nicht los. Die Kinder dieser Personen sollten offen in Dialog gehen, warum war das vor 30 Jahren so, warum haben die Eltern und Großeltern mitgemacht? Verdrängung hilft niemand. Bekennen und zeigen.

    Aber Brandenburg war leider schon immer eine „kleine DDR“, viele haben das rote Parteibuch gewechselt und fanden Sozialdemokraten nun attraktiver. Vieles, vieles wird noch ans Licht kommen. Die Archive sind bald alle öffentlich zugänglich und was da in der Wendezeit so getrieben wurde auch sichtbar.
    Die Biographie der Menschen hat halt nicht erst 1990 begonnen. Alle waren nicht auf den Straßen, viele auch vor den Fernsehapparaten und glaubten noch an die heile, schöne Welt des real, existierenden Sozialismus. Es war halt doch nicht alles schlecht, hört man jetzt wieder. Warum nur sind dann alle aus dem ach so schönen Land in schmutzige Botschaften geflüchtet. Haben dankend den Personalausweis angenommen und die Liebe zur D-Mark erkannt. Wo war die Liebe zum Alugeld, zur Kettwurst, Popgymnastik, und warum sind nicht mehr vor den Fernsehern des Schwarzen Kanals aufgestanden, war halt doch einfacher ein Opportunist zu sein.

    Wir sollten alle in den Spiegel blicken, und uns fragen was wir von 1945 bis 1989 verantwortet und gestaltet haben.

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    1. Bernds Journal

      Das WBF, versteckt mit Klage hat er wohl gedroht der liebe Fraktionsvorsitzende. Kann er, in vielen Jahren bin ich, glaube ich, ziemlich sicher geworden im Umgang mit Veröffentlichungen.
      Aber nicht nur das WBF, auch die Linke hat über ihren Fraktionsvorsitzenden mit Klage des Betroffenen gedroht, wenn ich seinen Namen veröffentliche, denn er sei, so sagt er, nicht mit dem in der Datei Genannten identisch. Sein Geburtsdatum passe nicht zu dem in der Datei genannten Datum. Alter Hut bei den Linken, sie versuchen es gerne mit Druck statt mit Klärung. Das WBF scheint da erfolgreich gelernt zu haben. Leider habe ich keine Möglichkeit das Geburtsdatum festzustellen und meine Bitte, mir die Möglichkeit zu geben einen Blick in den Ausweis des Betroffenen zu werfen, wurde erwartungsgemäss nicht erhört.

      Dabei frage ich mich, wieviele Max Mustermann gibt es in der BRD, die 1945 geboren wurden. Wieviele davon lebten in der DDR und wieviele dieser in der DDR Lebenden standen und stehen der kommunistischen Idee ganz nahe. Zu finden sind sie im Nahfeld der Linken. Und der Name meines Kandidaten ist eben kein Allerweltsname, wie Müller, Mayer, Schmidt, Schulz. Deshalb bin ich mir sicher den richtigen Mann getroffen zu haben. Gegen unüberprüfbare Behauptungen der Linken Fraktion Woltersdorf bin ich aber ziemlich hilflos. Da kann ich nur auf Hilfe von, ja von wem, hoffen.
      Mit freundlichen Grüßen
      Bernd Wohlers

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  2. Stefan Grams

    Das Woltersdorfer Bürgerforum hüllt sich nicht in Schweigen. Wir haben das von Ihnen angerissene Thema öffentlich diskutiert. Der im Kontext ihres Artikels entstehende Eindruck eines möglichen Zusammenhangs zwischen WBF und Stasi ist nicht zutreffend.
    Wir fordern Sie auf die diesbezüglichen Passagen zu korrigieren oder zu löschen. Mit Ihrer, im Übrigen journalistisch mangelhaften, Recherche verletzen Sie Persönlichkeits- und Datenschutzrechte.

    Jeder, der zu dieser Fragestellung Fragen an das Woltersdorfer Bürgerforum hat, kann sich jederzeit gern an uns bzw. auch mich persönlich wenden.

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    1. Bernds Journal

      Außer Schweigen als Antwort auf meinen Eintrag auf der WBF-Seite war nichts anderes zu bemerken und mein Eintrag war an Sie adressiert.
      Eine öffentliche Diskussion, wenn überhaupt hergestellt, habe ich und auch politisch interessierte Bürger, die ich befragen konnte nicht wahrgenommen. Diese Öffentlichkeit war wohl sehr klein und zu verkehrsarmen Zeiten kurzfristig angesetzt.
      Wenn Sie einen Zusammenhang zwischen WBF und meinen Artikel erkennen, dann ist es so, ich kann ihn nicht erkennen.
      Persönlichkeits- und Datenschutzrechte verletzt, ich empfehle Ihnen ein Blick in die entsprechende Literatur, dann können wir darüber diskutieren.
      Journalistisch mangelhaften, Recherche, na ja, wenn Sie meinen. Andere sehen es wieder anders. Alles Geschmacksache.

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